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Amtsjubiläum : 25 Jahre streitbar für die Gemeinde

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Seit 1990 ist Dörte Harms Bürgermeisterin der Gemeinde Krempdorf / Gratulationen von Land, Kreis und Amt

von
erstellt am 29.Apr.2015 | 05:00 Uhr

Streitbar mit Herz – diese Kurzformel charakterisiert Dörte Harms treffend. Die 62-jährige Bürgermeisterin von Krempdorf feierte jetzt ihr 25-jähriges Amtsjubiläum. „Bleib so wie Du bist“, sagte stellvertretender Bürgermeister Thies Lange der Dorf-Chefin in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung.

Er hielt ihr zu Ehren seine Ansprache auf Plattdeutsch. „Du bist der ruhende Pol in der Gemeinde. Du verlierst nie die Fassung, bist streitbar und kritisch.“ Nicht umsonst würden die Krempdorfer als „Gallier der Krempermarsch“ bezeichnet. Aber Dörte Harms habe auch eine soziale Ader. Dieser seien Aktivitäten wie Seniorenausflüge, Laternenumzüge und die Unterbringung von Aussiedlern zu verdanken.


Großer Protest gegen Hafenschlickdeponie


Dass sie streitbar ist, zeigte Dörte Harms bereits kurz nach der Amtsübernahme: Anfang der 90er Jahre gab es einige Gemeinden in Schleswig-Holstein, die ausgesucht wurden als Deponie für jährlich 300 000 Tonnen anfallenden Hamburger Hafenschlick. In Krempdorf waren dafür 88 Hektar vorgesehen.

Harms war es, die den Protest organisierte und alle Bürgerinitiativen aus Krempdorf, Dammfleth, Dingen, Averlak und Süderhastedt und Bovenau an einen Tisch holte, um gemeinsam zu kämpfen. In Krempdorf gab es viele Protestschilder „und wir waren an acht Tagen in der Woche unterwegs“, sagt sie selbst über die intensive Zeit damals.

1993 schaffte es die streitbare Bürgermeisterin des 250-Seelen-Dorfes auf die Titelseite unserer Zeitung. Zu sehen war sie mit dem damaligen Ministerpräsidenten Björn Engholm, der im Glückstädter Rathaus weilte. Im Hintergrund waren die Protestschilder zu erkennen. Harms hatte Erfolg: Dort, wo der Hafenschlick einst hin sollte, steht heute ein Bürgerwindpark.


Zwei schwere Schicksalschläge


Als Gratulant war auch Peter Mohr als Stellvertreter von Amtsvorsteher Ernst-Wilhelm Mohrdiek gekommen. Er ging wie Thies Lange auf die große Herausforderung Hafenschlick und Deponiefläche ein. Ganz persönlich sprach er aber als Nachbarbürgermeister auch über die „schwierige Zusammenarbeit mit der Bahn“. Denn die Bürgermeisterin hatte zwei schwere Schicksalsschläge zu verkraften. Sowohl ihr Vater als auch ihr Ehemann wurden bei Unfällen von Zügen erfasst und überlebten die Unglücke nicht. Beide fuhren vom Hof aus zu den Ländereien jenseits der Bahnstrecke über eine unbeschrankte Zufahrt. In den Gesprächen mit der Bahn ging es um mehr Sicherheit für die Landwirte.

Mohr ging aber auch auf die Ortsentwässerung ein, deren Planungen 1993 begannen und erst 2000 mit einer Stimme Mehrheit beschlossen wurde. Und auch die Aufstellung des Bebauungsplanes für die Windkrafträder habe viel Kraft gekostet.

„Was Dir wichtig ist, ist der Zusammenhalt in der Gemeinde“, sagte Mohr. Viel sei in Eigenleistung gemacht worden und das fördere die Kameradschaft unter den Krempdorfern.

Zudem zählte er die vielen Ehrenämter auf, die Harms zusätzlich hat – unter anderem im Amt und im Schulverband Krempe. Mit gebracht hatte er drei Urkunden. Innenminister Stefan Studt schreibt, dass Harms sich „Achtung und Vertrauen ihrer Mitbürger erworben hat“ und teilt seine besten Wünsche mit. Landrat Torsten Wendt schreibt von „uneingeschränktem Vertrauen“, das sie erworben hätte“ und hatte ein Bild als Geschenk mitgegeben. Die dritte Urkunde kam vom Amt – mit großem Dank für ihre bisher geleistete Arbeit.


Eine Frau greift nach der Macht


Die Gemeindevertreter bedankten sich mit Blumen und einem Gutschein für ein Wellnesswochenende. „Da muss ich ja aus Krempdorf weg“, kommentierte dies Dörte Harms. Sie erzählte dann von einer Zeitungsschlagzeile von 1990 als sie Bürgermeisterin wurde: „Eine Frau greift nach der Macht“, hieß es damals. Als sie im Amt war, gab es keine Ausschüsse. Diese führte sie erst ein. Und zum Thema Hafenschlick und dem Termin im Rathaus erzählte sie noch: „Fünf Tage später ist Engholm abgetreten.“ Keine Gemeinde musste letztlich den Hafenschlick nehmen. „Hamburg wollte damals einen Deal mit Schleswig-Holstein machen“, so Harms. „Dem Land wurde dafür eine U-Bahn nach Norderstedt versprochen.“

Dörte Harms, geborene Lüschow, ist in Nortorf aufgewachsen. Nach dem Abitur studierte sie in Kiel Mathematik und Geschichte. Sie ist als Lehrerin in Krempe tätig. 1974 kam sie nach Krempdorf, heiratete den Obstbauern Peter Harms. Von ihren drei Kindern hat der jüngste, Henning, den Hof übernommen. Sie hilft ihm. Früh engagierte sie sich gegen das Kernkraftwerk Brokdorf. 1986 trat sie in die Gemeindevertretung ein. „Ich bin immer gerne Bürgermeisterin gewesen“, sagt sie gegenüber unserer Zeitung. Und unstrittig ist, dass sie weitermacht.

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