25 Jahre Kampf für saubere Luft

BIAB-Mitstreiter: (v.li.) Wolfgang Lüdke, Rosemarie Kath, Timo Mohr, Sabine Dammann, Wilhelm Schlüter und Detlef Neubauer.
BIAB-Mitstreiter: (v.li.) Wolfgang Lüdke, Rosemarie Kath, Timo Mohr, Sabine Dammann, Wilhelm Schlüter und Detlef Neubauer.

Erfolge, Rückschläge und Morddrohungen – Bürgerinitiative BIAB blickt auf bewegte Geschichte zurück / Sie ist immer noch aktiv

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27. Mai 2015, 12:36 Uhr

Es war im Mai 1990, als sich eine knappe Handvoll Menschen aus Rethwisch und der Umgebung zusammen trafen. Sie hatten das gleiche Anliegen – und sie wollten nicht länger schweigen. So wurde von Wolfgang Lüdtke, Bernd und Martina Papenfuß und Rosemarie Kath die Bürgerinitiative zur Verhinderung gesundheitsgefährdender Abfallbeseitigung, kurz BIAB, gegründet.

Inzwischen, nach 25 Jahren des Kampfes für eine saubere Luft in der Region, können die Mitglieder auf eine bewegte Vergangenheit blicken – mit Erfolgen, Rückschlägen, Morddrohungen und vielen weiteren Erlebnissen. Und: „Meines Wissens nach könnte die BIAB die einzige Bürgerinitiative sein, die eine so lange Zeit besteht – zumindest in Schleswig-Holstein“, sagt Vorsitzende Sabine Dammann.

Dass es viele Unterstützer in der Region gibt, haben die BIAB-Mitstreiter immer wieder erlebt. Zwölf Mitglieder traten direkt bei der Gründung ein – damals, um die Verbrennung von Altöl zu verhindern, das mit PCB verseucht sein sollte. „Bei Dioxin gingen alle Alarmglocken. Wir dachten sofort an den Skandal 1976 in Seveso in Italien“, erinnert sich Wolfgang Lüdke.

Es gab eine Versammlung. Die Bürgerinitiative hatte eingeladen. Bürgermeister, Einwohner aus der Region, viele waren gekommen – und schon damals war die Stimmung „sagen wir mal, angespannt“. Denn schon damals gab es bei weitem nicht nur Sympathisanten.

Auch Anfeindungen bis hin zu offenen Drohungen mussten die BIAB-Mitglieder über sich ergehen lassen. Zum Beispiel als demonstriert wurde. „Wir waren sieben, und zur Absicherung war die Bereitschaftspolizei vor Ort“, beschreibt Lüdke die Situation. Ein Bürger aus dem Ort habe mit dem Fahrrad gehalten und gesagt: „Ich fahre jetzt nach Hause, hole meine Pistole und knall dich ab.“ Die Ankündigung, die Polizei zu holen hat damals gereicht. Niemand wurde gewalttätig.

Aber der Umgang sei damals auch offener gewesen, beschreiben die Gründungsmitglieder. „Wir haben sogar mit der Geschäftsführung an einem Tisch gesessen. Das war ein langsames Rantasten, ein vernünftiges Gespräch“, beschreibt der damalige BIAB-Vorsitzende Lüdke. „Es gab so eine Art Fairness.“

Dabei könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass es der BIAB nie darum ging, das Zementwerk schließen zu wollen. „Wir wollten miteinander leben. Uns war immer bewusst, dass es dabei damals um mehr als 500 Arbeitsplätze ging“, sagt Wolfgang Lüdke. Zumal Alsen Breitenburg eine „Heilige Kuh“ war. „Es war für die gesamte Region undenkbar, dass da plötzlich ein paar Bürger aufstehen und Kritik an dem Unternehmen üben“, sagt Sabine Dammann.

Der erste Erfolg kam relativ schnell. „Ab 1993 wurde das hochviskose, gesundheitsgefährdende Schweröl nicht mehr eingesetzt.“ Doch schon ein Jahr später beantragte das Zementwerk, mit Ofen 11 eine neue Brennanlage bauen zu dürfen. Die BIAB lief erneut Sturm und wehrt sich gegen die geplante Verbrennung von Altölen, Reifenschnitzeln und Papierschlämmen. Ein Lägerdorfer, der stellvertretend für die BIAB klagt, hat einen Teilerfolg und erreicht eine Aufschiebung der Betriebsgenehmigung.

Ein deutlicher Erfolg gelingt der BIAB 2012: Die Anerkennung als Umweltverband ermöglicht der ehemals kleinen Bürgerinitiative das Klagerecht. „Bis heute wird allerdings immer wieder versucht, uns den Status abzuerkennen – bisher ohne Erfolg“, sagt Sabine Dammann.

Zurzeit läuft wieder eine Klage. Vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig kämpft die BIAB darum, dass die Grenzwerte, zum Beispiel beim Quecksilberausstoß, den strengeren Auflagen, die für eine Müllverbrennung gelten, angepasst werden. „Obwohl Holcim dort 100 Prozent Müll und davon sogar bis zu 40 Prozent Sondermüll verbrennen darf, gelten nicht die strengen Richtwerte einer Müllverbrennungsanlage“, beschreibt die BIAB-Vorsitzende.

Heute sind es 91 Mitglieder bei der BIAB – „und die arbeiten auf ganz anderem Niveau, als damals“, sagt Dammann. Aber die Ziele sind geblieben, und es gibt nach wie vor keinen Grund aufzuhören. Dammann: „Nach 25 Jahren ist die BIAB nicht müde, sondern voller Energie, sich für den Schutz von Mensch und Natur einzusetzen.“

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