Endlich geht es los : 2015 Ausbau des Dithmarscher Breitbandnetzes

Glasfaserkabel erlauben superschnelles Internet. Die Stadtwerke wollen das Leitungsnetz jetzt auch in Einfeld verlegen.
Glasfaserkabel erlauben superschnelles Internet. Die Stadtwerke wollen das Leitungsnetz jetzt auch in Einfeld verlegen.

Kreis liegen Finanzierungsmöglichkeiten von 130 Millionen Euro vor / Steinburger Konzept als Vorbild

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31. Dezember 2014, 06:57 Uhr

Eine wirklich gute Nachricht: Der Kreis Dithmarschen rechnet im kommenden Jahr mit dem ersten Spatenstich zum Aufbau eines flächendeckenden Breitbandnetzes mit Glasfaserkabeln. Bereits im Frühjahr soll der Vertrag mit einer der drei Firmen unterzeichnet werden, die sich im heute ausklingenden Jahr an einer europaweiten Ausschreibung beteiligt hatten.

Damit kann von einem Durchbruch bei der infrastrukturellen Versorgung Dithmarschens gesprochen werden. Das Tempo, mit dem Daten durchs Internet geschickt werden können, steigt dadurch nämlich voraussichtlich mindestens auf das Fünfzigfache.

Sehnsüchtig warten jene Nutzer darauf, die große Datenmengen ins Netz oder aus ihm herunterladen, privat oder gewerblich. Vor allem warten Unternehmer auf diese Technik, denn mit ihr können sie einen Teil ihrer geschäftlichen Aktivitäten schon mal auf die Datenautobahn verlagern, während sie weiterhin auf den Ausbau von Schiene und Straße warten müssen.

Die Vorteile sind so vielschichtig, dass sie hier kaum noch zu benennen sind. Typisch für Dithmarschen: Windkraftanlagen werden seit eh und je per Internet gesteuert und überwacht. Speditionen wie die Firma Anhalt Logistics in Rehm-Flehde-Bargen mit ihren 350 Mitarbeitern und mehreren hundert Tank- und Kühlfahrzeugen steuern ihre Aufträge vor allem übers Netz. Anwälte und Notare ziehen sich Auskünfte von Gerichten bereits in ihrem Büro aus dem Internet, während sie mit ihren Mandanten am Tisch verhandeln. Für den Verkehr mit Gerichten ist aktuell ein Anwalts-Postfach in Gründung. Steuerberater schauen am Bildschirm ins Handelsregister. Vermessungsingenieure greifen auf das digitalisierte Grundstücks-Kataster Dithmarschens zurück. Schulen laden Filme für den Unterricht von Bildungsservern herunter.

Und große Dienstleister wie die Telekom möchten am liebsten alle Daten von Geschäfts- und Privatleuten in ihrer „Cloud“, ihren externen Speichern verwahren – mit dem Versprechen, jeder könne so von unterwegs auf alles zugreifen. Doch all das geschieht in Dithmarschen bislang in 93 von 114 amtsangehörigen Gemeinden im Schneckengang: Mit weniger als zwei Megabit pro Sekunde (MBit/s). Das Glasfasernetz soll es auf bis 100 MBit/s beschleunigen.

Ein solches Tempo genießt schon jetzt – rein privat – Christian Rüsen, Dithmarschens Kreisverwaltungsdirektor. Er lebt in Wacken und kann dort davon profitieren, dass Steinburg die ersten „Auffahrten“ auf die Datenautobahn geschaffen hat. Das Konzept, mit dem dort der Ausbau realisiert wird, dient in Dithmarschen als Vorbild. Der von Wöhrdens Bürgermeister Peter Schoof geführte Breitband-Zweckverband Dithmarschen steuert das Vorgehen. In dem Verband sind bis auf Tielenhemme an der Eider 115 Kommunen vereint und repräsentiert damit 133  000 Einwohner in 65  000 Haushalten in 47500 privat genutzten Gebäuden und zusätzlich etwa 12000 Gewerbebetriebe.

Im April lagen dem Kreis Finanzierungszusagen von Kreditinstituten und Förderbanken wie der Investitionsbank Schleswig-Holstein in Höhe der notwendigen 130 Millionen Euro vor, womit der Weg für die – vorgeschriebene - europaweite Ausschreibung frei war. Aktuell liegen Angebote von drei Firmen vor. „Wir rechnen im Frühjahr mit der Vertragsunterzeichnung“, teilte gestern Peter Schoof mit, der zugleich Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Kreises ist. „Endlich geht es los“ - diesen Kommentar hört Schoof jetzt öfter in den Dörfern.

Holger Hinrichs in der Kanalgemeinde Offenbüttel bei Albersdorf ist einer von jenen, die sehnsüchtig aufs Internet warten. Der Spezialist für Kutschen und Fahrsportartikel kann auf seinem Hof Süderknöll wahrlich nicht von Laufkundschaft aus dem Dorf leben, sondern muss europaweit werben, um die verstreut auf dem Kontinent lebenden Anhänger dieses Pferdesports überhaupt mit seinen Angeboten erreichen zu können. Zuletzt war er mit dem angeblich schnellen LTE-Netz geködert worden. Doch mit jedem neuen Nutzer sank auch in diesem Funknetz beständig die Leistung. Jetzt bleibt ihm nur noch die Hoffnung auf das Glasfasernetz.

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