Tramp-Tour am NOK : 20 Fahrer, 14 Fähren: Per Anhalter durch Schleswig-Holstein

Mitgenommen: Auf der Fähre Hohenhörn über den Nord-Ostsee-Kanal begleiteten Michael Staudt und Kay Müller (v. l.) Zimmermann Gerd Lameyer, der bald mit seinem Peugeot nach Afrika aufbricht.
Mitgenommen: Auf der Fähre Hohenhörn über den Nord-Ostsee-Kanal begleiteten Michael Staudt und Kay Müller (v. l.) Zimmermann Gerd Lameyer, der bald mit seinem Peugeot nach Afrika aufbricht.

Unsere Redakteure Kay Müller und Michael Staudt berichten von ihrer Anhalter-Tour durch den Norden.

shz.de von
08. Juli 2015, 07:16 Uhr

Es ist nicht immer leicht – das Leben eines Trampers. „Wer seid’s Ihr denn? Was wollt’s Ihr überhaupt? Und wie seht’s Ihr überhaupt aus?“ Mit solchen im schönsten Oberpfälzisch gestellten Fragen muss rechnen, wer wie unserer Redakteure Kay Müller und Michael Staudt per Anhalter durch Schleswig-Holstein fahren will und auf einer Fähre an Karin Zeus gerät. Die stammt aus Bayern, zog wegen der Liebe nach Schleswig-Holstein und soll nun auf dem Heimweg zwei Anhalter mitnehmen, die sie in ihren weißen Hemden höflichst um eine Mitfahrgelegenheit bitten. „Also gut, aber benehmt Euch“, sagt sie dann und lässt die beiden in ihren Polo einsteigen.

Es sind solche Szenen, die das Trampen in Schleswig-Holstein attraktiv machen. Die Menschen helfen sich gegenseitig, und selbst auf abgelegenen Strecken bekommen Anhalter eine Mitfahrgelegenheit. Trampen ist offenbar wieder gefragt, seit kurzem gibt es in Kiel sogar einen offiziellen Tramp-Point.

In die Landeshauptstadt wollen auch Kay Müller und Michael Staudt. In der siebten Tramptour der Zeitungen des sh:z fahren sie von Brunsbüttel nach Kiel, immer am Nord-Ostsee-Kanal entlang und dabei alle 14 Fähren nutzend. „Das wird unsere bislang härteste Tour“, hat Staudt vorher gesagt – und sich getäuscht. Zwischendurch müssen die beiden zwar immer mal ein Stück gehen, aber Trampen quer durchs Land – das funktioniert. Wenn die beiden auf den Fähren nach Mitfahrern suchen, sagt niemand nein, der den gleichen Weg hat.

Als die beiden nach sieben Stunden an der Personenfähre in Holtenau ankommen, haben sie allerdings auch harte Momente hinter sich. Zu Beginn müssen sie sogar einen Linienbus anhalten, der sie ein Stück kostenlos Richtung Fähre Kudensee mitnimmt. „Ich könnte Euch auch mit dem Bus nach Kiel fahren, ihr kommt hier ja schwer weg“, sagt Busfahrer Frank Thießen. Und wirklich: Auf der Fähre stehen nur eine Radlerin und Fährmann Heinz-Otto Stoffers. „Da drüben ist ja irgendwie ’ne tote Ecke“, sagt der Dithmarscher – und soll Recht behalten. Die Tramper müssen einige Kilometer zu Fuß zurück legen bis sie Annegret Jafke zur Fähre nach Burg bringt. Ein paar Kilometer weiter in Oldenbüttel müssen Staudt und Müller sogar dreimal die Fähre nutzen, bis sie nach Breiholz mitgenommen werden. „Es ist doch entspannend, sich übers Wasser fahren zu lassen“, sagt Betti Schwender, die auf dem Weg nach Hamburg ist. Viele Schleswig-Holsteiner lieben ihre Fähren, nutzen sie täglich, nehmen auch mal Wartezeiten in Kauf. „Manchmal ist das besser, als sich durch die Dauerbaustelle Kanaltunnel zu quälen“, sagt Hartmut Salzsieder, der die Tramper über die Schwebefähre begleitet.
 

„Mein Auto bringt Euch überall hin“, sagt Rainer Struck, der das mit Klebeband geflickte Dach seines roten Cabrios trotz des sonnigen Wetters geschlossen hat. „Mein Golf ist 28 Jahre alt, hat 367.000 Kilometer gelaufen und schafft alles“, erklärt der 58-Jährige, der die Tramper bei Laune hält. Kurz darauf muss ihnen die Feuerwehr zur Seite stehen. Hans Fürst, Lehrer aus Rendsburg, nimmt die Anhalter mit, Kay Müller muss auf dem Rücksitz erstmal einen Helm zur Seite räumen. „Die Feuerwehr hilft immer“, sagt der Fahrer, der seit 47 Jahren bei den Freiwilligen Helfern in Tüttendorf aktiv ist.

Und fast schaffen es unsere Tramper auch noch nach Afrika, denn dort will Gerd Lameyer mit seinem selbst ausgebauten Peugeot-Transporter bald hin. Der 48-jährige Zimmermann nimmt sich ein halbes Jahr Auszeit, fährt vorher aber noch die Tramper über den Kanal. „Da kann man auch mal aussteigen und die Landschaft genießen.“ Nach Afrika dürfen die Tramper dann doch nicht mit, aber nach über 140 Kilometern, die sie mit 20 Fahrern zurückgelegt haben, kommen sie sicher in Kiel an. Auf der Rückfahrt passieren sie den offiziellen Tramper-Point – niemand will mitfahren. Offenbar ist das Tramperleben für viele doch zu hart.

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