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Norddeutsche Rundschau

28. Juli 2017 | 10:53 Uhr

Freizeit : 18 – 20 – weg!

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

14 Mitglieder pflegen das Kartenspiel im Skatclub Wilster

Unter den Vorurteilen dieser Welt ist das ein Klassiker: Treffen sich drei Deutsche im Ausland, so gründen sie erst einmal einen Verein. Die Konstellation geht noch besser. Treffen sich irgendwo nur zwei Deutsche – dann machen sie sich auf die Suche nach dem dritten Mann. Um eine Runde Skat zu kloppen. Über Generationen hinweg zählte das 1813 in der Stadt Altenburg erfundene Spiel mit den 32 Karten zu einer der liebsten Freizeitbeschäftigungen, wurde inzwischen allerdings in den Hintergrund gedrängt. In Wilster aber frönt man der Spielart noch regelmäßig. Vor gut 19 Jahren wurde der Skatclub Wilster aus der Taufe gehoben, seither gibt es wöchentliche Treffen.

„Wir haben es damals sogar bis in die zweite Bundesliga geschafft“, erinnert sich Clubchef Bernd Schwutzke, eines von noch zwei aktiven Gründungsmitgliedern. Die ersten Jahre traf man sich im inzwischen geschlossenen Marschkrug, heute werden regelmäßig bei Schober in der „Neuen Börse“ am Kohlmarkt die Karten auf den Tisch gelegt. Gründungsvorsitzender war Olaf Kock. „Er war ein begnadeter Skatspieler“, findet Bernd Schwutzke.

Die Hochzeiten sind inzwischen vorbei. Heute zählt der Skatclub noch 14 aktive Mitglieder. „Das ist ein gesellschaftliches Problem“, weiß Schwutzke seinen Club da in guter Gesellschaft. Dabei muss man gar nicht viel mitbringen. Der Jahresbeitrag liegt bei überschaubaren 40 Euro. Gespielt wird um Viertelcent. Da verliert man im Schnitt pro Abend nicht mehr als zwei Euro. Schwutzke und seine Mitstreiter würden sich natürlich über weitere Mitglieder freuen, die jederzeit auch nur mal kurz reinschnuppern können. „Man muss nur Freude am Skat mitbringen und ein bisschen hier reinpassen“, nennt er die einfachen Mitgliedsbedingungen. „Wir spielen hier auch sehr moderat“, versucht Schwutzke gleich Bedenken zu zerstreuen, man könnte bei den alten Hasen schnell unter die Räder kommen. „Jeder spielt so gut er kann.“ Außerdem würde man bei der Zusammensetzung der Runden auch auf jeweils passende Mitspieler achten.

Und was macht nun den besonderen Reiz dieses Hobbys aus? „Geselligkeit“, wirft Dirk von der Born ein. Bernd Schwutzke nennt gleich eine ganze Reihe von Vorteilen: Denksport, Logik, Rechnen, Glück, Können. Und: Die Regeln seien auf der ganzen Welt gleich. „Das Spiel läuft jedes Mal anders“, schiebt der Itzehoer Reinhard Sötje noch nach. „Man muss sich in jeder Runde auf seinen Mitspieler neu einstellen. Mal defensiv, mal eher offensiv.“ Sötje drischt seit seinem zwölften Lebensjahr Skat. Bernd Schwutzke hatte das Spiel einst von seinem Großvater gelernt.

Der drei Landkreise umfassende Skatverband Westküste, dem auch Wilster angehört, zählt derzeit noch rund 40 Vereine. 72 Prozent der Mitglieder haben allerdings ihren 60. Geburtstag schon gefeiert. Immerhin: Skat ist keineswegs nur eine männliche Domäne. In Wilster mischen auch zwei Frauen kräftig mit. Inzwischen haben sich allerdings auch die äußeren Begleitumstände der Skatrunden spürbar verändert. So gehören bierselige Männerrunden meist der Vergangenheit an. „Bei zu viel Alkohol gibt es sofort den Ausschluss“, nennt Sötje eine Regel. Und die Zeiten, als man vor lauter Qualm die eigenen Karten kaum noch sehen konnte, sind auch lange vorbei. Trotz Clubstatus gilt auch bei den Skatspielern Rauchverbot. Eine einsame Stimme aus dem Hintergrund macht aber deutlich, dass sich damit noch nicht jeder recht anfreunden kann.

Ansonsten sind die Spieler an den Tischen eher mit großem Ernst bei der Sache. Natürlich ist es am Ende nur ein Spiel, aber den Gewinner-Ehrgeiz legt jeder in sein Blatt. Schließlich sollen ja auch Punkte für die clubinterne Rangliste gesammelt werden. Hinzu kommen übrigens im jährlichen Terminkalender fünf Punktspiele und gelegentliche Ranglistenturniere.

In erster Linie geht es den Clubmitgliedern aber um ihre Treffen einmal in der Woche, montags um 19 Uhr bei Schober. Und so lange man sich hier in das traditionsreiche Kartenspiel vertiefen und nebenbei noch über Gott und die Welt plaudern kann, hat das Spiel, das als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist, auch eine Zukunft. Bundesweit stehen neben dem Skat übrigens 67 weitere erhaltenswürdige Kulturformen im Register, darunter Reetdachdecker, Volkstänze, Sternsinger und Brotbäcker. In Wilster könnte bald eines hinzu kommen: Ende des Jahres entscheidet die deutsche UNESCO-Kommission für Bildung, Wissenschaft und Kultur über die Nominierung der Orgelbauer und Orgelmusiker.

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