Landgericht Itzehoe : 1400 Euro Strafe für Nacktvideo

Das Landgericht Itzehoe hat den Vergewaltigungsprozess gegen einen ehemaligen Rellinger gestern vertagt. Der zweite Verhandlungstag ist Gründonnerstag geplant.
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Das Landgericht Itzehoe hat den Vergewaltigungsprozess gegen einen ehemaligen Rellinger gestern vertagt. Der zweite Verhandlungstag ist Gründonnerstag geplant.

Ein 39-Jähriger hat seine Schwiegertochter im Badezimmer gefilmt. Nach seiner Aussage wollte er ihr nur helfen.

shz.de von
31. Juli 2015, 12:00 Uhr

Nur helfen wollen habe der 39-Jährige seiner Stieftochter (21) mit den heimlich von ihr im Badezimmer aufgenommenen Nacktvideos. Gestern nun gab es von Strafrichter Malte Zander am Amtsgericht Itzehoe für diese fehlgeleitete ,,Hilfe“ die Quittung.

Wie von Staatsanwältin Sarah Führer beantragt, verurteilte Zander den Mann wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches in elf Fällen zu 1400 Euro Geldstrafe (70 Tagessätze à 20 Euro). Das für die Herstellung der heimlichen Nacktaufnahmen benutzte Handy sowie einen Speicherstick zog Zander als Tatmittel ein.

Rückblende. Die Liebe verband den 39-Jährigen einst mit der 58-jährigen Mutter des Opfers. Man heiratete, teilte Tisch und Bett in der gemeinsamen Wohnung in Hohenlockstedt. Mit in der Wohnung lebte die Tochter der Gattin – auch im Tatzeitraum von Juli 2013 bis Juli 2014.

Der Angeklagte erklärte dem Gericht seine Gründe, warum er die Nacktaufnahmen seiner Stieftochter gemacht habe, folgendermaßen: Die junge Frau leide seiner Ansicht nach an einem Borderline-Syndrom, erkennbar unter anderem an dem Hang zu Selbstverletzungen. Tabasco habe sich seine Stieftochter in die selbstzugefügten Wunden gerieben, ihm erzählt, sie hasse ihre Mutter. Er habe befürchtet, seine Stieftochter, gegenüber der er sich mehr als großer Bruder gesehen habe, könne sich was antun. Die Klinik habe sie jedes Mal zurückgewiesen. In seinem Bibelkreis habe man ihm eine Pädagogin empfohlen, die ihm wiederum riet, Aufnahmen von den Verletzungen anzufertigen. Diese habe er bei der nächsten Klinikeinweisung den Ärzten präsentieren wollen.

Daraus wurde jedoch nichts, kam ihm seine Frau doch auf die Schliche. So kam es jetzt zum Prozess, in dem sich der Mann geständig zeigte und dabei immer wieder sein hehres Motiv betonte. ,,Es mag ja sein, dass Sie versucht haben, ihrer Stieftochter zu helfen“, sagte Richter Zander. „Aber es muss Ihnen klar gewesen sein, dass die Aufnahmen sie besonders belasten – gerade wenn sie so krank ist. Damit hilft man niemandem.“

Dem 39-Jährigen bleibt als Rechtsmittel die Berufung, wahlweise Revision. Mittlerweile ist er in einen anderen Ort gezogen und darf sich seiner Ex-Frau nicht mehr nähern.

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