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Geschichte : 1200 Jahre Beziehungen und Konflikte

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Vor 555 Jahren wurde der Vertrag von Ripen geschlossen: Zum Jahrestag zeigt Detlefsenmuseum Ausstellung zum deutsch-dänischen Verhältnis

von
erstellt am 18.Mär.2015 | 17:00 Uhr

„Up ewig ungedeelt“ – auf ewig ungeteilt – heißt es oft, wenn es um die Geschichte Schleswig-Holsteins geht. Aber woher kommt diese Forderung? Diesem Thema widmet sich aus besonderem Grund das Detlefsen-Museum zum Kulturmärz 2015: In diesem Jahr jährt sich zum 555. Mal die Unterzeichnung der Urkunde von Ripen, die die staatsrechtliche Stellung der Herzogtümer Schleswig und Holstein für mehr als 400 Jahre bestimmt hat.

Vertreter des Adels von Schleswig und Holstein wählten seinerzeit den dänischen König Christian I. zu ihrem Landesherrn. Als Gegenleistung für die Wahl stellte der König der schleswig-holsteinischen Ritterschaft am 5. März 1460 die Urkunde von Ripen aus. In ihr sagte er zu, dass Schleswig und Holstein in Zukunft unter einer gemeinsamen Herrschaft stehen sollten. Zugleich sicherte er den Adligen die faktische und rechtliche Selbstständigkeit Schleswigs und Holsteins gegenüber dem Königreich Dänemark sowie die Unteilbarkeit und Zusammengehörigkeit der beiden Lande zu. Dies findet Ausdruck in der berühmt gewordenen Formulierung der Ripener Urkunde „dat se bliven ewich tosamende ungedelt“ – dass sie ewig ungeteilt zusammenbleiben.

Dieser vertraglich besiegelte Verbund Schleswig-Holsteins mit Dänemark sollte bis 1864 Bestand haben. Im 19. Jahrhundert wurde der Vertragstext, auf die Formel „Up ewig ungedeelt“ reduziert, als Beleg für die Eigenstaatlichkeit Schleswig-Holsteins interpretiert und als Kampfruf in den nationalen Auseinandersetzungen mit Dänemark benutzt.

Die Ausstellung im Detlefsen-Museum zu diesem Thema wurde vom Landesarchiv Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit dem Historiker des Deutschen Marinebundes Dr. Jann Markus Witt konzipiert und 2010 im Prinzenpalais in Schleswig erstmalig gezeigt. Nach Stationen in Laboe und Berlin ist sie nun in Teilen in Glückstadt zu sehen. Die Texttafeln im Detlefsen-Museum stammen aus den Beständen der Wanderausstellung. Ergänzt wurden diese durch Exponate aus den Beständen des Museums und des Glückstädter Stadtarchivs.

Die Grußworte zur Eröffnung sprach der Vorsitzende des Fördervereins des Detlefsenmuseums, Norbert Meinert. Dem Verein sei es sehr wichtig gewesen, die Ausstellung auch trotz der langen Erkrankung der Museumsleiterin stattfinden zu lassen. „Ein besonderer Dank an dieser Stelle gilt Professor Hering für die Tafeln zu Ausstellung. Frau Schmidt, Frau Tesik und Herrn Schwartkop für die Mithilfe bei Aufbau und Organisation und Herrn Dr. Witt für die Einführung in das Thema der Ausstellung.“

Im Anschluss an diese Worte sprach der leitende Archivdirektor des Landesarchivs Schleswig-Holstein, Professor Dr. Dr. Rainer Hering, zu Konzeption und Werdegang der Ausstellung. „Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht neben der Vor -und Entstehungsgeschichte die Wirkungsgeschichte des Vertrages von Ripen“, erklärte Hering. „Dabei sollen vor allem die Gemeinsamkeiten und Kontinuitäten, aber auch die Gegensätzlichkeiten und Diskontinuitäten der schleswig-holsteinischen und der dänischen Geschichte im Mittelpunkt stehen.“ Das Detlefsen-Museum in Glückstadt als Stadtgründung des Dänenkönigs Christian IV. sei für die Schau ein guter Ort.

Anschließend gab der Historiker Dr. Jann Markus Witt eine Einführung in das komplexe Thema der deutsch-dänischen Beziehungen. „Ich kenne Glückstadt sehr gut“, begann Witt seinen Vortrag, „denn 1989 machte ich meine Grundausbildung in der Glückstädter Marinekaserne.“ In seinem überaus interessanten Vortrag verstand Witt es, spannend und informativ die 1200 Jahre währenden deutsch-dänischen Beziehungen und Konflikte anschaulich darzustellen. Dabei schlug er einen Bogen vom Jahr 811 als die Eider erstmalig Grenzfluss zwischen Deutschen und Dänen war, über die Herrschaft der Schauenburger und die deutsch-dänischen Gegensätze im 19. Jahrhundert bis zu der Volksabstimmung von 1920 und den so genannten Grenzkampf nach 1945. Erst mit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen wurde 1954 ein Ausgleich zwischen Deutschen und Dänen im Landesteil Schleswig erreicht. „Bis heute gilt diese friedliche, auf der gegenseitigen Gewährung kultureller Privilegien beruhende Regelung europaweit als richtungweisend und vorbildhaft“, konstatierte der Historiker und beendete unter dem Applaus der zahlreichen Zuhörer seine Einführung.

>Die Ausstellung ist bis zum 1. November im Detlefsen-Museum in Glückstadt zu sehen. Begleitend zur Ausstellung gibt es eine vom Förderverein des Detlefsen-Museums herausgegebene Broschüre.

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