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Schulen in Itzehoe : 11,5 Millionen für den Brandschutz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fachplaner stellen Analyse zu Sicherheitsmängeln im Schulzentrum am Lehmwohld vor: Umfangreiche Bauarbeiten in den kommenden Jahren notwendig.

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 10:00 Uhr

Die gute Nachricht lieferten die Fachplaner gleich zu Beginn. In der jüngsten Sitzung des Kreisbauausschusses wurden erstmals im Detail die Brandschutzmaßnahmen vorgestellt, die in den kommenden Jahren am Schulzentrum am Lehmwohld notwendig sind. Und: Akute Gefahr für Leib und Leben von Schülern und Lehrern besteht nicht. Die Betriebserlaubnis für das Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG) und die Gemeinschaftsschule am Lehmwohld (GaL) sind nicht gefährdet. Dies hätten renommierte Gutachter festgestellt. Aber was dann folgte, ließ zwischendurch manchem Kreispolitiker den Atem stocken: Es gibt quasi im gesamten Gebäude massiven Nachbesserungsbedarf, und es wird viel teurer als bisher angenommen. Auf 11,5 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren beläuft sich die aktuelle Schätzung, die nun in die Haushaltsberatungen bei Stadt und Kreis, die beide Eigentümer des Schulzentrums sind, einfließen wird.

Dass der Brandschutz in dem Bau aus den 1970er Jahren nicht mehr zeitgemäß ist, war im Zuge von anderen Bauarbeiten punktuell aufgefallen. Um einen umfassenden Überblick zu bekommen, wurde ein Brandschutzkonzept in Auftrag gegeben. Aus diesem haben nun Architekt Klaus Kunert und Ingenieur Hartwig Marxen einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, den sie im Bauausschuss vorstellten. Ihr Fazit fiel eindeutig aus: Im gesamten Gebäudekomplex bestehen sowohl in der Baukonstruktion als auch in der Gestaltung der Haustechnik erhebliche Mängel beim Brandschutz, die abgestellt werden müssen. Einige Mängel sind so gravierend, dass sie sofort behoben werden müssen. So wird aktuell bereit eine Außentreppe am Gebäudeflügel des SSG installiert, um den für bestimmte Klassenräume bisher nicht vorhandenen, aber vorgeschriebenen zweiten Fluchtweg zu gewährleisten.

Bei anderen Mängeln haben die Gutachter laut den Fachplanern mehr Zeit eingeräumt. Teilweise sind auch Übergangslösungen mit technischen Brandmeldeanlagen möglich, die zwar die Sicherheit gewährleisten, aber auch verhältnismäßig hohe Kosten verursachen. Mittelfristig erneuert werden müssen unter anderem jede Menge Türen, Zwischendecken und Trennwände, die nicht mehr heutigen Standards entsprechen. Zum Beispiel sind auf Fluchtwegen brennbare Decken-Unterkonstruktionen festgestellt worden, die heute nicht mehr genehmigungsfähig wären, sondern aus „grauer Vorzeit“ stammen, so Architekt Kunert. Ein weiteres „gravierendes Problem“ seien Versorgungsschächte für Klassenräume, die ohne adäquaten Brandschutz unterschiedliche Geschosse und sogenannte Brandabschnitte verbinden, erläuterte Ingenieur Marxen.

„Abreißen und neu bauen“, lautete das spontane Zwischenfazit einiger Politiker auf den ernüchternden Vortrag der Experten. Diesem Ansatz widersprachen diese aber ebenso wie Kreisbauamtsleiterin Daniela Immich. Eine Sanierung sei wirtschaftlicher und auch mit der bereits seit Jahren laufenden Fassadensanierung bleibe man deutlich unter dem Preis für einen Neubau.

Was die Umsetzung angeht, sind außer bei den Sofortmaßnahmen noch viele Fragen offen. Teile der Bauarbeiten lassen sich laut Kunert mit den ohnehin für die kommenden Jahre geplanten weiteren Bauabschnitten der Fassadensanierung kombinieren, um den Schulbetrieb möglichst wenig zu beeinträchtigen. Für andere Gebäudeteile würde auch die Verfügbarkeit von Ausweichquartieren den Zeitrahmen beeinflussen. Kunert geht davon aus, dass alle Mängel in den kommenden fünf Jahren bei laufendem Schulbetrieb behoben werden können. Zunächst müssen dafür aber die politischen Beschlüsse in Stadt und Kreis gefasst werden. Es gebe noch Abstimmungsbedarf zwischen beiden Eigentümern darüber, wie und in welchen Abschnitten gebaut werde, so Immich. Gespräche laufen.

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