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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 08:18 Uhr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vorschnell entschieden



Zur Schließung der Tagespflege im Olendeel

Vor nicht allzu langer Zeit gab es einmal – die Pflege Hilfsbedürftiger betreffend – das Motto: Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Wie nun die plötzliche Schließung der so wichtigen Tagespflege im hiesigen Olendeel zeigt, scheint eine derartige Denkweise überholt zu sein. Wegen eines relativ geringen Defizits lässt man die stark geforderten, häufig an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit stehenden Angehörigen, die durch ihren erschöpfenden Einsatz helfen, der Allgemeinheit Kosten zu sparen, buchstäblich unvermittelt im Regen stehen. Verweise auf Möglichkeiten in Krempe oder gar Kiebitzreihe bzw. stationäre Versorgung kann man doch nicht wirklich ernst nehmen!

Wiederholte Pressemitteilungen des Zweckverbandes Klinikum/Olendeel erwecken immer wieder den Eindruck, dass es hier nur noch um Gewinnmaximierung geht. Bei diesem hehren Ziel gibt es allerdings leider einen wesentlichen Störfaktor: Das ist der Mensch, sei es als Patient oder als Pflegebedürftiger! Den darf man doch auf keinen Fall vergessen! Und diejenigen, die Derartiges entscheiden und verantworten, sollten daran denken: Auch sie oder ihre Angehörigen könnten einmal auf eine solche, jetzt eingestellte Dienstleistung angewiesen sein!


Als Tochter einer von der Schließung der Tagesstätte Betroffenen möchte ich den am 9. September veröffentlichten Leserbrief von Frau Witteck-Sachs aufgreifen. Meine Mutter hat vor etwa zweieinhalb Jahren relativ jung die Diagnose Alzheimer-Demenz erhalten. Seitdem steht unsere Familie vor der Herausforderung, die Erkrankung meiner Mutter im Alltag zu integrieren. Jeden Tag kommen neue Herausforderungen dazu. Wir versuchen mit aller Kraft, meine Mutter in ihrer gewohnten Umgebung zu betreuen und sie damit so wenig Veränderungen wie möglich auszusetzen. Mit zunehmender Symptomatik und unter Berücksichtigung der persönlichen Ressourcen waren wir sehr froh, dass es in der Kreisstadt eine Tagesklinik in zentraler Lage gibt, die uns die Möglichkeit eröffnet, unsere Mutter für zwei Tage die Woche unterzubringen. Auf der einen Seite bedeutet dies eine enorme Entlastung und gibt die Möglichkeit, neue Kräfte zu schöpfen. Auf der anderen Seite wissen wir unsere Mutter in dieser Zeit sehr gut versorgt.

Somit traf uns die kurzfristige Kündigung der Tagesklinik sehr hart. Die eröffneten „Alternativen“ scheinen unzureichend und einer Kreisstadt nicht würdig. Außerdem darf der Aspekt, was eine derartige Veränderung für die dort betreuten Menschen bedeutet, nicht außer Acht gelassen werden, da Kontinuität für Menschen mit derartigen Krankheitsbildern enorm wichtig ist.

Wir hören, dass auf mehreren Gebieten, u.a. bei der Fahrbereitschaft, Einsparungspotenziale vorhanden sind, aber nicht genutzt wurden. Die Verantwortlichen hätten ihre Entscheidung nicht so vorschnell treffen dürfen! Die Tagespflege im Olendeel muss bleiben.

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erstellt am 19.Sep.2013 | 00:31 Uhr

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