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Besuch in SH Weltberühmtes Hauspferd Nasar kehrt heim

Von Anja Werner | 16.12.2017, 14:35 Uhr

Nach sieben Monaten in der Klinik wird der Araber am 18. Dezember entlassen – ist er ganz gesund, ist ein Besuch in Niebüll geplant.

Was für ein dramatisches Jahr liegt hinter dem Hauspferd Nasar und seiner Besitzerin Stephanie Arndt. Nach einem schweren, für ein Pferd kaum überlebbaren Unfall in Spanien kämpft der tapfere Araber über Monate auf der Intensivstation der Tierklinik in Barcelona um sein Leben, erträgt an sich unerträgliche Schmerzen und muss über Wochen für jeden Verbandswechsel in Narkose versetzt werden. „Nasar ist dem Tod von der Schippe gesprungen – ohne seinen unglaublichen Willen hätte er das nicht überlebt“, sagt Stephanie Arndt bei einem Adventsbesuch in Niebüll.

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Dieses Pferd ist anders als alle anderen: Seit dem Orkan Xaver im Jahr 2013 lebt der intelligente Araber im Haus von Stephanie Arndt – zunächst in Holt in Schleswig-Holstein und seit zwei Jahren in ihrem Hofgebäude bei Barcelona. Im Sommer 2017 erlitt Nasar eine an sich nicht überlebbare Verletzung am rechten Hinterbein. Doch Nasar wollte nicht aufgeben, nicht gehen, er kämpft seitdem jeden Tag aufs Neue um sein Leben, sein besonderes Leben mit Stephanie Arndt, mit der er zusammen am Tisch frühstückt, Kuchen backt oder die Wäsche sortiert.

Doch zum Ende des Jahres scheint alles gut zu werden. Am 18. Dezember – genau sieben Monate nach seinem schweren Unfall – soll Nasar endlich aus der Tierklinik entlassen werden. Die Weihnachtstage kann der tapfere weiße Araber zusammen mit Stephanie Arndt auf ihrem landwirtschaftlichen Gut in Spanien verbringen. „Ich bin echt gespannt, was er als erstes tut, wenn er vom Hänger geht. Meine Freude ist unbeschreiblich groß, wenn ich mich daran erinnere, dass ich mich von diesem Pferd, ohne das ich an sich gar nicht mehr leben kann, schon verabschiedet hatte“, sagt die überglückliche Pferdebesitzerin, die mit dem berühmten Hauspferd.

Vor einigen Monaten war der Plan, dass sich Nasar in Niebüll, auf dem Hof eines gutes Freundes, ganz von seinem Unfall im Sommer erholen soll. Dort war bereits eine Box mit hohen Hygiene-Standards für ihn eingerichtet worden. Doch für diesen Plan gibt es zu viele Komplikationen und Rückschläge, die eine Transportfähigkeit des verletzten Pferdes verhindert haben.

Nasar stürzte in ein Erdloch

Was passierte an dem schlimmsten Tag im Leben von Pferd und Halterin vor sieben Monaten? Nasar bricht auf dem landwirtschaftlichen Anwesen von Stephanie Arndt in der Nähe von Barcelona in ein Erdloch ein. An dem Metallpfosten einer Wasserleitung reißt er sich den rechten Hinterlauf auf einer Länge von 80 Zentimetern bis auf den Knochen auf – an sich ein Todesurteil, besonders im heißen spanischen Binnenland, wo es vor Staub und Insekten nur so wimmelt. „Nasar hat aber deutlich gezeigt, dass er nicht gehen, dass er leben will“, erinnert sich Stephanie Arndt. Sie muss zusehen, wie ihr Pferd unerträgliche Schmerzen aushält, mit Engelsgeduld strapaziöse Behandlungen über sich ergehen lässt.

Der Durchbruch im Heilungsprozess wird durch eine aufwendige Prozedur erzielt. In Voll-Narkose werden Nasar 153 Gewebeproben aus dem Bauchraum entnommen und in das verletzte Bein gespritzt. „Erst passierte nichts“, erinnert sich Stephanie Arndt. Doch dann wachsen Hautzellen und sogar weiße Haare. Durch Laserbehandlungen wird das ungleich wachsende Gewebe geglättet. Die akute Infektionsgefahr ist gebannt.

Mittlerweile darf Nasar in der Klinik zwei Mal am Tag raus – das findet das Hauspferd klasse. Auf dem vier Hektar großen Grundstück von Stephanie Arndt werden derzeit Sträucher und alle Hindernisse entfernt, an denen Nasar mit dem Bein hängen bleiben könnte, denn die frisch verheilte Wunde darf keinesfalls nochmal aufgerissen werden. Einen Verband muss das Pferd noch bis zum Frühjahr tragen. „Wenn er ganz gesund ist, kommen wir sicher mal wieder in den Norden, auch nach Niebüll“, sagt Stephanie Arndt.

Doch erstmal ist die Medizinerin, die in Spanien Wein und Oliven anbaut, froh, dass die lange, nervenaufreibende Zeit, in denen sie um das Leben ihres Pferdes bangen musste, in der sie fast jede Nacht bei ihm in der Klinik-Box geschlafen hat, überstanden ist. Spürt das auch ihr so besonderes, sensibles Hauspferd? „Na klar, Nasar weiß, dass er über den Berg ist. Er freut sich darauf, heim zu kommen.“