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Tönning Auch die Stärksten plagen Sorgen

Von hem | 26.02.2013, 08:04 Uhr

Jahresversammlung der nordfriesischen Jugendfeuerwehren in Tönning. 229 Mädchen und 919 Jungen engagieren sich.

Die nordfriesische Jugendfeuerwehr ist mit 1148 Mitgliedern nach wie vor der mitgliederstärkste Verband in Schleswig-Holstein. Ihm gehören 229 Mädchen und 919 Jungen an. Diese Zahlen nannte Kreisjugendfeuerwehrwart Björn Hufsky bei der Jahresversammlung in der Tönninger Stadthalle. Allerdings drohen auch den Nordfriesen Nachwuchsprobleme: Noch könnten die 54 Jugendfeuerwehren im Kreisgebiet konstant gehalten werden, aber fünf verwiesen in ihren Jahresberichten bereits darauf, Nachwuchssorgen zu haben.

"Laut Statistik haben wir mit 113 Austritten eindeutig zu viele Jugendliche verloren", bekannte Hufsky. Nur sechs von 20 Jugendlichen hätten durch einen Wohnortwechsel den Weg in eine andere Jugendwehr zurückgefunden. Immerhin 42 junge Leute konnten in die Einsatzabteilungen übernommen werden. Dennoch appellierte Hufsky: "Wir müssen enger zusammenrücken, wenn wir die Jugendfeuerwehren in Nordfriesland weiterhin auf Erfolgskurs halten wollen."

Seine Analyse: "Es fehlt an Menschen, die bereit sind, auch nach Feierabend Verantwortung zu übernehmen. Das System Ehrenamt krankt und bedarf dringend einer Generalüberholung. Ich fordere nochmals die Politik auf, das Gerüst Ganztagsschulen so zu überarbeiten und aufzustellen, dass die Kinder und Jugendlichen noch genügend Freizeit neben der Schule haben, um sich bei uns zu engagieren!"

"Ja, wir haben Probleme", sagte der nordfriesische Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing, "aber es ist nicht so, dass davon allein die Feuerwehren betroffen wären." Viele Vereine verzeichneten einen Mitgliederschwund, und auch für die Kommunalwahl würden Menschen gesucht, die ein Ehrenamt übernehmen."

Noch deutlicher wurde Kreisjugendring-Vorsitzende Ute Babbe: "Es ist eine Ich-Gesellschaft, in der wir uns befinden. So gut wie keiner will mehr etwas für den anderen machen." Sie appellierte an alle, ehrenamtliche Arbeit nicht nur als "Zubringer" zu verstehen.

Der stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwart Peter Timon aus St. Peter-Ording wurde nach sechs Jahren wiedergewählt. Zum neuen Fachbereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit/Schriftführung wurde Sieghard Adler-Hofeld gewählt. Bestätigt wurde auch Fachbereichsleiterin Maria Petersen aus Achtrup. Nicht besetzt werden konnten hingegen die Bereiche Lehrgangswesen und Kreisjugendgruppenleiter. Mit Hinweis auf einen zum Flieger gefalteten blauen Wahlzettels meinte Kreiswehrführer Christian Albertsen: "Wer das kann, kann auch Lehrgangsleiter werden." Auch das brachte keinen Erfolg.

Der stellvertretende Landes-Jugendfeuerwehrwart Sascha Keßler zeichnete Kreisbrandmeister Christian Albertsen mit der Leistungsspange der Schleswig-Holsteinischen Jugendfeuerwehren in Bronze aus. Mit der Leistungsspange in Silber wurde Kreisfeuerwehrverbands-Geschäftsführer Uwe Clausen geehrt - "denn sein Einsatz geht weit über die normale Tätigkeit hinaus." Zum Hauptlöschmeister befördert wurde Andreas Mayer aus Westerland. Pokale erhielten die Sieger des Westküstenmarsches in Dithmarschen - die Jugendwehr-Teams Ostenfeld, Nordstrand und "Roter Haubarg".

Der stellvertretende Kreispräsident Siegfried Struwe betonte: "Sehr viele Mitmenschen wenden sich in Not voller Hoffnung und Vertrauen an die Feuerwehr. Die Energie, mit der ihr euch heute schon auf die Einsatzaufgaben vorbereitet, macht euch zu Vorbildern für viele andere in eurer Generation."

"Wir werden die 136 Feuerwehren nicht halten können", sagte Kreisbrandmeister Albertsen mit Hinweis auf die aufgelöste Feuerwehr Fresendelf-Hollbüllhuus-Süderhöft. Dabei griff er eine Aussage des Spontan-Gastes, Ministerpräsident Torsten Albig, auf, der betont hatte, "es kann nur eingehakt weitergehen". Und Albertsen erinnerte daran, dass nur drei Prozent der Einwohner Nordfrieslands Mitglied der Feuerwehr sind - und 97 Prozent nicht. In Dänemark gebe es den Teilzeit-Feuerwehrmann - "ob das etwas für Deutschland ist, muss man sehen", so Albertsen.