Baumfäller in Oldsum : Nie mehr von Pflaumen naschen

Nur der Stumpf vom Pflaumenbaum ist noch zu sehen: Wolfgang Kirstein ist entsetzt.
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Nur der Stumpf vom Pflaumenbaum ist noch zu sehen: Wolfgang Kirstein ist entsetzt.

Anwohner klagen an: Lohnunternehmer kappt gleich zwei Obstbäume am Eingang zum preisgekrönten Spielplatz in Oldsum.

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02. Februar 2018, 08:00 Uhr

Der Oldsumer Kinderspielplatz schaffte es im Vorjahr in einem bundesweiten Vergleich unter 500 Mitbewerbern auf den 47. Rang. Dafür bekam die Gemeinde als Prämie 1000 Euro, um ihn mit neuen Spielgeräten aufzupeppen.

Doch ausgerechnet auf diesem als vorbildlich eingestuften Platz ist jetzt etwas mächtig schief gegangen, wie Wolfgang Kirstein beklagt. Er hockt vor einem Baumstumpf mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern. Dort erhob sich auf stattliche vier Meter Höhe ein Pflaumenbaum, der jeden Frühling sein Blütenkleid trug „und den Betrachter erfreute, aber auch viele Vögel und Insekten, denen ohne Not durch eine Dummheit wertvoller Lebensraum genommen wurde“, wie Wolfgang Kirstein es formuliert.

Kirstein ist Anlieger mit direktem Blick auf den Platz, der jede Saison recht belebt ist. „Dort sah ich im Sommer Väter mit ihren Kindern auf den Schultern, um sie von den wohlschmeckenden Renekloden pfücken zu lassen.“ Auch seine Enkel kannten diesen Baum und seine Früchte. „Was soll ich ihnen sagen?“ Er könne ihnen nur erzählen, dass ihr Opa und der normalerweise für solche Arbeiten von der Gemeinde beauftragte Gärtner zu spät kamen, um den Baum vor der Kettensäge zu retten. „Fassungslos stehen wir alle vor der vollendeten Tatsache und sehen den Baumstumpf – ein Denkmal der Schande für Oldsum.“

Kirstein war nicht der einzige Zuschauer, dem das Geschehen zu Herzen ging, sondern auch der Gärtner stand dabei, der im Auftrag der Gemeinde den Spielplatz seit bald 20 Jahren hegt und pflegt. Der hatte den Pflaumenbaum vor einigen Jahren wegen seines leicht schiefen Wuchses mit Stützen gesichert. „Die Wut und Enttäuschung über diesen Kahlschlag stand ihm ins Gesicht geschrieben und lastete schwer auf seinem Herzen“, schildert Wolfgang Kirstein die Situation.

Die beiden mussten es geschehen lassen, wie der von Bürgermeister Hark Riewerts beauftragte Lohnunternehmer mit seiner Kettensäge an die Arbeit ging. Er fällte direkt daneben auch noch einen wilden, stark verbuschten Apfelbaum. Warum das notwendig war – auch das ist für die beiden Beobachter nicht nachvollziehbar.

Bürgermeister Hark Riewerts ist die Angelegenheit spürbar peinlich. „Das ist blöd gelaufen“, erklärt er die Aktion zum „Betriebsunfall“. Es sei so gewesen, dass der Lohnunternehmer einerseits den Apfelbaum kappen sollte, weil dort erhebliche Probleme mit der Entwässerung des Spielplatzes bestehen. Die Wurzeln des Baumes stecken tief im Graben.

Parallel sollten am Pflaumenbaum die vom Gärtner gesetzten Stützen erneuert werden. Den Auftrag zum Fällen des Pflaumenbaumes habe es nicht gegeben. Aber als die alten Stützen weggenommen wurden, sei der Baum so stark abgeknickt, dass er gefällt werden musste. „Wir werden auf jeden Fall dort Ersatz anpflanzen“, verspricht Bürgermeister Hark Riewerts.

Damit ist der erste von drei Wünschen erfüllt, die Wolfgang Kirstein äußert. Zweitens hofft er, dass dem Gärtner das Bedauern ausgesprochen werde. Vor allem wünscht er sich aber „eine Bewusstseinsänderung, wenn es um Bäume geht“. Mit einer Ortsbegehung und einer Beratung wäre es vielleicht nicht soweit gekommen.

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