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Bönebüttel Windkraft an der Hölle: Bürger sauer

Von S. Otto | 08.10.2011, 06:49 Uhr

Eine Gruppe Bönebütteler wird aktiv gegen das geplante Windkraftgebiet / Bürgermeister Runow: "Beschluss fiel vor über zwei Jahren"

Auch in Bönebüttel haben die Landesplaner eine Fläche vorgesehen, auf der Windkraftanlagen stehen könnten. Sieben Windräder hätten dort Platz. Jetzt formiert sich Widerstand dagegen. Eine Gruppe von Bürgern kritisiert die Informationspolitik der Gemeinde und hält das Gebiet für ungeeignet.

Sabine Kummerfeld, Frank Kruse-Kummerfeld, Ellen Kanthak, Holger Reth, Petra Arp und Thomas Bender wohnen am Mühlenblöcken in Bönebüttel. Von der kleinen Straße aus kann man direkt auf das Gebiet sehen, in dem die Windkraftanlagen stehen könnten. Die Fläche ist 25 Hektar groß und liegt zwischen Schwale und Bundesstraße 430 in der Verlängerung des Höllnweges. "Der Naturschutzbund hat dort ein Biotop angelegt, dort sind auch der Wald ,Hölle und Artenschutzprojekte", sagt Hans-Peter Trantow. Der pensionierte Polizist wohnt in Husberg und unterstützt die Gruppe.

Der Naturschutzbund (Nabu) fühlt sich in dieser Sache allerdings in der Zwickmühle: Man sei für den Atomausstieg und könne sich schwer gegen alternative Energien entscheiden. "Wir sind mit dieser Wind-Fläche nicht 100 Prozent glücklich, aber es gibt kritischere Gebiete", sagt Dr. Björn-Henning Rickert, Vorsitzender vom Nabu Neumünster. Der Landesverband werde noch Stellung nehmen, denn es werde an einem Gutachten für alle Gebiete gearbeitet, die das Land aufgenommen habe.

Die Bönebütteler Gruppe hat aber weitere Argumente: Die Windverhältnisse seien gerade in diesem Gebiet nur mäßig bis schlecht. Die Anwohner monieren, dass sich die Bedingungen innerhalb von zwei Jahren geändert hätten: Die Zahl der möglichen Windräder sei von drei auf sieben gestiegen, der Abstand zur Wohnbebauung von 1200 auf 800 Meter gesunken. Der Konsens der Mühlenblöcken-Anwohner lautet: Die Blattspitzenhöhe darf 99 Meter nicht überschreiten, und die Anlagen müssen 1200 Meter vom Wohngebiet entfernt sein. Bei sieben Anlagen in einer Entfernung von nur 800 Metern sind sie bereit zu klagen.

Die Anwohner fürchten auch Schattenwurf, Lärm, Blitzlichter und gesundheitliche Schäden durch den Infraschall. Der Wert ihrer Immobilien könnte sich sogar um bis zu 50 Prozent mindern, meinen sie. "Wir müssen bluten für den Profit anderer", sagt Holger Reth. Thomas Bender fordert ein Gutachten von einem unabhängigen Planer, und er fragt: "Können im Husberger Moor überhaupt die riesigen Fundamente für Windkraftanlagen gebaut werden?"

Enttäuscht ist die Gruppe von der Informationspolitik der Gemeinde. "Viele wissen gar nicht, was geplant ist", meint Petra Arp. Darum wurde bereits ein Flugblatt verteilt - auch an die Gemeindevertreter. Es wird auch auf Wasbek und Groß Kummerfeld hingewiesen, wo die Bürger zum Thema Windkraft abstimmen durften bzw. bald dürfen (siehe Artikel unten).

Bürgermeister Udo Runow (SPD) sieht das ganz anders: "Der Beschluss pro Windkraft ist vor über zwei Jahren mit aller Ernsthaftigkeit in einer öffentlichen Gemeindevertretersitzung gefasst worden." Davor habe es eine Einwohnerversammlung gegeben, in der sich die Mehrheit für Windkraft ausgesprochen habe. "Ohne Einwohnerversammlung hätten wir das nicht gemacht", erklärte Runow. Für einen Bürgerentscheid sei es viel zu spät, denn der müsse spätestens sechs Wochen nach der Bekanntgabe des Gemeindevertreterbeschlusses eingereicht sein. Dass sich die Bedingungen geändert hätten, weist der Bürgermeister zurück. Es sei immer von 800 Metern Abstand zur Bebauung die Rede gewesen. "Man kann die Anlagen sehen, aber zu hören ist mit Sicherheit nichts", sagt Runow.

"Wir haben kein großes Zeitfenster. Bis zum 15. November muss die Stellungnahme der Gemeinde ans Land zum Regionalplan abgegeben werden", erklärte Udo Runow. Der Grundsatzbeschluss pro Windkraft stehe, im Bau- und Wege ausschuss werden die detaillierten Planungen mit Fachleuten besprochen, damit die Gemeinde fristgerecht Stellung nehmen könne.

Infos zur Gruppe der Windkraftgegner gibt es bei Hans-Peter Trantow, Tel. 2 22 40, und bei Petra Arp, Tel. 2 83 57, arp-bender@t-online.de.