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Boostedt Viel Interesse an der Erstaufnahmestelle

Von Sabine Voiges | 05.06.2015, 05:00 Uhr

Besucher aus Politik und Hilfsverbänden informieren sich zurzeit gern vor Ort in Boostedt / Psychisch kranke Flüchtlinge bekommen erst spät Hilfe

Die Arbeit in der Flüchtlingserstaufnahmestelle in Boostedt läuft vorbildlich. Deshalb geben sich hier zurzeit die Besucher die Klinke in die Hand. Gestern reiste der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Dr. Ulrich Hase, gemeinsam mit Angelika Beer, Landtagsabgeordnete der Piraten, Wolfgang Dudda als deren sozialpolitischer Fraktionssprecher sowie Aydan Özoguzğ (SPD), Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, in der Einrichtung an, um sich über den Stand der Dinge zu informieren.

Auskunft gaben der Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Ulf Döhring, und Maria von Glischinski, die vor Ort den DRK-Betreuungsverband leitet. Maria von Glischinski berichtete unter anderem, dass man in Boostedt einen Blinden sowie einen Rollstuhlfahrer aufgenommen habe. Daraus habe sich jedoch keine besondere Problematik ergeben. Ulf Döhring ergänzte dazu, dass es in der Aufnahmestelle in Neumünster Wohncontainer gibt, die barrierefrei zugeschnitten sind.

Problematisch sind hingegen psychische Erkrankungen. „Hier kann meist keine Behandlung in die Wege geleitet werden, da diese zum Einen erst zutage treten, wenn die Menschen zur Ruhe kommen. Zum Anderen ist die Wartezeit für Therapieplätze zu lang. Die Flüchtlinge sind nur drei bis vier Wochen in den Erstaufnahmestellen unterbracht, werden dann auf die Kreise und Kommunen verteilt“, erklärte er.

Bereits am Mittwoch hatte die Fraktionsvorsitzende und flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen, Eka von Kalben, der Erstaufnahme einen erneuten Besuch abgestattet. Gemeinsam mit Bürgermeister Hartmut König (CDU), der zuständigen Leiterin des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Katja Ralfs, Maria von Glischinski (DRK) sowie Hartmut David und Sabrina Freuling von Flüchtlingspartnerschaft der Kirchengemeinde Boostedt wurden dabei Probleme wie ein fehlender Netzempfang in der Einrichtung sowie auch das Fehlen von öffentlichen Toiletten im Ort erörtert. „Dies ist eine Sache, die oft angesprochen wird und die sich zunehmend zum Ärgernis in der Gemeinde entwickelt, berichteten hier die Mitglieder der Flüchtlingshilfe sowie auch Maria von Glischinski.

Hartmut David und Sabrina Freuling forderten außerdem die Stärkung der Ehrenamtler, die rund um die Flüchtlinge tätig sind. „Denn auf Dauer können und werden diese nicht alles aus eigener Tasche bezahlen. Außerdem brauchen die Helfer professionelle Unterstützung bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse“, erklärten die beiden.

Auch Hartmut König bat um mehr Unterstützung vom Land. „Wir sind hier zu Recht zurzeit eine Vorzeigegemeinde und jeder kommt gern. Doch mit dem Bezug der Einrichtung enden die Aufgaben und Herausforderungen für uns ja bei Weitem nicht“, gab er Eka von Kalben mit auf den Weg.