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Krieg in der Ukraine So helfen Natalia Klitschko und Aminata Touré ukrainischen Jugendlichen in Neumünster

Von Gunda Meyer | 15.08.2022, 18:31 Uhr

60 Jugendliche aus Novovolynsk erleben eine Ferienfreizeit in Neumünster. Im Kinderferiendorf bekamen sie Besuch von Natalia Klitschko und Aminata Touré, den beiden Frauen, die eine solche Freizeit überhaupt erst ermöglichten.

Die Idee, Jugendlichen aus der Ukraine ein Feriencamp in Neumünster zu ermöglichen, um ein wenig Abstand von den Strapazen des Krieges zu bekommen, gab es schon im Mai. „Aber es fehlte das Geld. Förderungen gab es nur für Jugendliche, die bereits im Land sind“, erzählte Dietrich Mohr vom Jugendverband. Auch Busse standen nicht zur Verfügung, weil die Busunternehmen entweder horrende Preisvorstellungen hatten oder keine Busse zu entbehren waren.

An dem Punkt kamen Natalia Klitschko und Aminata Touré ins Spiel. „Sie sind die Unterstützerinnen der ersten Stunde“ sagte Mohr. Nur durch den Einsatz der beiden Frauen sei es möglich gewesen, Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine überhaupt so ein Feriencamp in Neumünster zu ermöglichen.

Touré, zu dem Zeitpunkt noch nicht Sozialministerin des Landes, war sofort begeistert von der Idee und versuchte auf Landesebene Gespräche anzuschieben - mit Erfolg. Die Förderrichtlinie wurde nun kurzfristig angepasst, das heißt: Pro Jugendamt können Feriencamps mit bis zu 70.000 Euro bezuschusst werden. „Ich freue mich, dass wir den Kindern und Jugendlichen auf diesem Weg ein Stück Normalität in Zeiten des Krieges ermöglichen können“, sagte Touré.

Natalia Klitschko, ihr Mann - der Kiewer Bürgermeister und bekannte Boxer Vitali Klitschko - sowie dessen Bruder Wladimir stehen hinter der Organisation „We Are All Ukrainians“ (WAAU). Diese Organisation hat für die ersten beiden Camps in Stocksee und Wittenborn Gelder zur Verfügung gestellt - für den Besuch im Hansapark und im Miniatur-Wunderland in Hamburg.

Für die jetzigen beiden Camps in Neumünster und Wittenborn finanzieren sie die Musikworkshops mit Kat Wulff und rund 60 ukrainischen Jugendlichen. Diese sind einen Tag zuvor angereist und verbringen nun ein paar friedliche Tage in den Camps in Neumünster und in Wittenborn. „Es ist toll, wie wir hier aufgenommen wurden, auch wenn wir immer wieder an Zuhause denken, können wir ein bisschen abschalten“, sagten Sascha (17), Vika (15) und Diana (14), die 24 Stunden mit dem Bus nach Deutschland fuhren.

Klitschko berührt von den Kindern

Am Donnerstag besuchte Natalia Klitschko das Kinderferiendorf und war sehr berührt davon, wie schnell und mit wie viel Begeisterung die Jugendlichen den Text des Liedes „We are all Ukrainians“ einstudierten, den Stimmcoach Kat Wulff geschrieben hatte. „Wir sind ein sehr musikalisches Volk, wir singen viel. Von den Kindern können wir sehr viel lernen. Sie schaffen es, trotz der schrecklichen Erfahrungen in ihrer Heimat tapfer zu sein, sie wollen leben“, sagte Klitschko.

Wie sie bangen auch die Jugendlichen jeden Tag um ihre Familien in der Heimat. Klitschko telefoniere regelmäßig mit ihrem Mann und auch anderen Verwandten, die in der Ukraine leben. „So bekomme ich immer einen Eindruck von der Situation vor Ort“, erzählte sie.

Es sei eine surreale Situation, in Deutschland in Frieden zu leben, während in der Heimat der Krieg tobe. „Ich sehe es als meine Pflicht, mich da zu engagieren, wo ich gebraucht werde“, sagte die 48-Jährige.

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