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Friedrich-Ebert-Krankenhaus Schmerzambulanz Neumünster einfach geschlossen

Von Christian Lipovsek | 23.07.2013, 07:32 Uhr

Schock für viele Patienten im Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster: Innerhalb von drei Tagen wurde dem zuständigen Arzt die Zulassung entzogen. Erklären kann den ungewöhnlichen Vorgang bisher niemand.

Der Anruf traf Mareike Uiselt (42) völlig unvorbereitet. Eigentlich hätte die im Rollstuhl sitzende Gadelanderin am 17. Juli einen Termin in der Schmerzambulanz des Friedrich-Ebert-Krankenhauses (FEK) bei Dr. Klaus Wittmaack (55) gehabt, doch die Sekretärin des Arztes sagte kurzfristig ab. Denn nach acht Jahren hat der Zulassungsausschuss dem Mediziner die so genannte "Ermächtigung" für die Behandlung von Patienten mit einer Frist von nur drei Tagen entzogen. Eine Begründung steht bis heute aus. Wittmaack und Klinik-Chef Alfred von Dollen sind enttäuscht und verärgert, die Patienten verunsichert und verzweifelt.
Erklären kann den ungewöhnlichen Vorgang bisher niemand. Seit 2005 behandelt Wittmaack Patienten mit chronischen Schmerzen im FEK. Waren es anfangs 20 bis 30 pro Jahr, so stieg die Zahl kontinuierlich an, erreichte im vergangenen Jahr fast 200. Viele davon kommen über einen längeren Zeitraum, so auch Mareike Uiselt. Nach einer jahrelangen Tortur mit Besuchen zahlreicher Schmerzambulanzen im ganzen Land hatte sie im Februar bei Klaus Wittmaack endlich das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. "Gemeinsam konnten wir meine Schmerzen verringern. Er gab mir wertvolle Tipps und stellte die Medikamente richtig ein. Mir geht es seitdem deutlich besser", sagt die Mutter von drei Kindern im Alter von 6 bis 18 Jahren. Nun ist nicht nur sie in ein tiefes Loch gefallen.

"Ich fühle mich als Opfer eines formalen Aktes oder Irrtums"

Woche für Woche ruft Wittmaacks Sekretärin Patienten an, um die bereits bis Oktober bestehenden Termine für die jeweils mittwochs stattfindenden Sprechstunden abzusagen. Viele sind schockiert und verunsichert. Einige glauben sogar, sie hätten etwas falsch gemacht. Und alle sind so hilflos wie der Oberarzt selbst. "Ich fühle mich als Opfer eines formalen Aktes oder eines Irrtums", sagt er. Außer dem Hinweis, dass der Hausarzt nun die Medikamente verschreiben soll, kann Wittmaack daher wenig Ratschläge geben. Denn: Auch die spezialisierten Kollegen in Wattenbek und Bad Segeberg sowie die Schmerzambulanzen an den Unikliniken in Kiel und Hamburg sind hoffnungslos überlaufen; Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr sind keine Seltenheit.
Dabei deutete nichts auf den plötzlichen Verlust der Zulassung hin. Alle zwei Jahre muss Wittmaack seine "Ermächtigung" erneuern lassen. Bislang lief das ohne Probleme. Daher ahnte er auch nichts Böses, als er in diesem Jahr den Antrag ausfüllte und abschickte. Am 12. Juni dann tagte der Zulassungsausschuss, in dem laut Gesetz Vertreter der Ärzte und der Krankenkassen in gleicher Zahl vertreten sind. Ohne Anhörung erhielt Wittmaack per Schreiben vom 27. Juni die Mitteilung, dass seine Zulassung nach dem 30. Juni nicht mehr verlängert werde. Er dürfe daher keine Kassenpatienten mehr behandeln. "Als ich am 15. Juli aus dem Urlaub kam und das las, traf mich fast der Schlag", sagt er. Eine Begründung wollte der Ausschuss innerhalb von vier Wochen nachliefern, aber bis Montag lag sie noch nicht vor.

"Es muss einfach weitergehen"

Wittmaack hat schon einmal Widerspruch gegen den Entscheid eingelegt und behält sich vor, das Sozialgericht anzurufen. "Die Schmerzambulanz hat sich erfolgreich entwickelt. Das kann man nicht einfach aufgeben", sagt er. Mareike Uiselt nickt bei diesen Worten heftig: "Es muss einfach weitergehen."
Der Zulassungsausschuss war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.