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Stammzellentransplantation Patient Jurij ist wohlauf nach Transplantation

Von Gabriele Vaquette | 26.03.2014, 05:00 Uhr

Leukämiekranker Junge (13) erhielt eine Stammzellentransplantation in Polen

Familie, Freunde und alle Helfer fiebern mit: Der 13-jährige leukämiekranke Jurij Ljadov aus Lwiw (Lemberg) hat am vergangenen Freitag die ersehnte Stammzellentransplantation in der Kinderhämatologie im polnischen Wroclaw (Breslau) erhalten. Vorgenommen hat den Eingriff Professor Krzysztof Kalwak. Ende Januar hatten sich Hunderte von Neumünsteranern an einer Typisierungsaktion für den Ukrainer beteiligt (der Courier berichtete). „Die Transplantation ist gut verlaufen. Der Professor berichtet, dass Jurij Fieber hat, aber das ist normal“, berichtet Eberhardine Seelig von der „Teestube David – Unsere Hilfe zum Leben nach Tschernobyl“.

Die Organisatorin der Reha-Maßnahmen für krebskranke Kinder hält ständig Kontakt nach Polen per E-Mail oder per Telefon – zumal Kalwak deutsch spricht. Ein Spender aus Neumünster wurde laut Stefan-Morsch-Stiftung nicht gefunden, aber in der Spender-Datei in Warschau gab es die entscheidende Übereinstimmung mit Jurijs Zellen. Außerdem gibt es in der Morsch-Spender-Datei zwei weitere mögliche Kandidaten – nur eben nicht aus Neumünster.

Seit August 2013 organisierte Eberhardine Seelig Spendenaktionen für den Jungen, telefonierte, mailte mit dem Uniklinikum Hamburg und der Klinik in Breslau. „Jurij erhält jetzt Antibiotika und ein Mittel gegen Pilze, denn vor der Transplantation wurde durch eine Chemotherapie sein Immunsystem heruntergefahren. Das ist das übliche Verfahren, um eine Abstoßung der neuen Zellen zu verhindern“, sagt Eberhardine Seelig. Daher muss Jurij jetzt in strenger Quarantäne liegen, normaler Besuch kann ihn nur durch eine Glasscheibe sehen. Medizinisches Personal muss sich extrem desinfizieren und möglichst keimfrei an den Patienten herantreten. „Der allmähliche Aufbau des Immunsystems dauert mindestens drei Wochen, danach geht es weiter, je nachdem wie gut oder wie schlecht die Werte sind“, sagt Eberhardine Seelig. Vorher sei Jurij guter Dinge und voller Optimismus gewesen: „Jetzt bricht die Phase des Bangens und Hoffens an. Wir sind alle in Gedanken bei ihm und wünschen ihm Gottes Segen.“ Wie es dann weitergeht, ist noch nicht klar. Zu einer Reha nach Neumünster darf Jurij nicht kommen – zu gefährlich.

Die Aktion der Hilfe ist länderübergreifend – ähnlich multikulturell wie bei der Typisierungsaktion in Neumünster. „Wir hatten vor allem auf viele Osteuropäer gehofft. Dass ein Spender aus Warschau gefunden wurde, lag nahe aufgrund der Herkunft des Jungens“, so Eberhardine Seelig, die glücklich über den positiven Verlauf der Aktion ist.

Das bezieht sich auch auf den finanziellen Aspekt: Im Vergleich zu deutschen Kliniken (Kosten: mehr als 200 000 Euro) berechnet die polnische Klinik etwa 950 000 Euro. „Damit erhält Jurij dieselben Konditionen wie ein polnisches Kind, denn das ist die Summe, die die Klinik mit der Krankenkasse abrechnet. Es gibt keinen Aufschlag, niemand bereichert sich. Außerdem dürfen wir Raten zahlen“, sagt Eberhardine Seelig. Jurijs Mutter Maria sammelte 45 000 Euro zusammen; der Teestube-David-Verein arbeitet an einer Kostendeckung mit weiteren 60 000 Euro. Die Einzelspende einer christlichen Organisation in Höhe von 10 000 Euro half enorm weiter.

Im Internet gibt es demnächst weitere Infos: www.ukrainischekinderkrebshilfe.de.