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Fußball-Landesliga Mitte „Die erste Halbzeit war Schrott“ – Die Stimmen nach dem Abstiegskrimi beim SVT Neumünster

Von Arne Schmuck | 15.10.2022, 19:58 Uhr

Eine Szene im Kellerduell zwischen Tungendorf und dem SVE Comet Kiel erhitzt die Gemüter ganz besonders. Thilo Becker reagiert dennoch sehr reflektiert und stellt fest: „Wenn du nur 15 oder 20 Minuten ans Leistungsmaximum gehst, hast du in der Liga nichts verloren.“

Europäische Spitzenklasse war nach Spielende der Maßstab in der Fußball-Landesliga Mitte. Denn es wurde heftig diskutiert, weil Felix Schlagelambers, Kapitän des mit 2:3 (0:2) gegen den SVE Comet Kiel unterlegenen SV Tungendorf, in der 84. Minute Gelb-Rot gesehen hatte. Der 29-Jährige hatte sich ein Gefecht mit Lukas Losch geliefert, als der Gästekeeper den Ball nach dem 2:3-Anschlusstreffer der Platzherren nicht hergeben wollte.

„In der ersten Halbzeit hat jeder die Verantwortung auf dem Platz abgegeben.“
Thilo Becker
Trainer des SV Tungendorf

„In der Champions League sieht der Torwart nach einer solchen Aktion Gelb“, meinte der regionalligaerfahrene Schlagelambers, „stattdessen kommt der hier ohne Strafe davon“. Sein Trainer Thilo Becker pflichtete ihm bei: „Beide müssen verwarnt werden, das wäre okay gewesen. Denn der Ball muss freigegeben werden. Dass nur einer Gelb gesehen hat, passt nicht.“ Der SVT-Coach wollte seinen Abwehrstrategen nicht tadeln: „Natürlich muss sich , Schlage‘ da anders verhalten, aber diese Aktion war auch der Hektik im Spiel geschuldet.“ Vielmehr machte der 32-Jährige die Vorstellung vor der Pause als größten Kritikpunkt aus: „In der ersten Halbzeit hat jeder die Verantwortung auf dem Platz abgegeben. Dazu haben wir in der Defensive katastrophal gearbeitet. Beim 0:1 hatten wir eine 3:2-Überzahlsituation, beim 0:2 ist niemand in einen Zweikampf gegangen.“ Becker („Die erste Halbzeit war Schrott.“) bezeichnete die Schlappe als „unnötig wie so viele Niederlagen in dieser Saison“. Er hielt fest: „Wir haben Talent in der Truppe. Wozu wir in der Lage sind, hat die aufopferungsvolle Leistung im zweiten Durchgang gezeigt. Wenn du aber nur 15 oder 20 Minuten ans Leistungsmaximum gehst, hast du in der Liga nichts verloren.“

Wieder mal ein Bente-Comeback

In der Tabelle ist der SVT weiterhin Schlusslicht, auch spricht der Trend – sieben Niederlagen in den vergangenen acht Spielen – nicht gerade für Tungendorf. Er sei daher nicht die Ruhe selbst, bekannte Becker. Gleichwohl sei er etwas ruhiger als zum vergleichbaren Zeitpunkt der Vorsaison. „Da haben wir eine solche Phase ja auch schon durchgemacht“, erinnerte sich Tungendorfs Coach, der darauf hofft, „dass der eine oder andere von unserer Verletztenliste nun wieder zurückkehrt“. Gegen den SVE Comet feierte Lukas Bente eines seiner mittlerweile berühmten Comebacks. Der von Knieverletzungen geplagte Angreifer hatte rund ein Jahr nicht mehr mitgewirkt, durfte gegen die Kieler eine Viertelstunde lang ran.

„Tungendorf war eigentlich tot, hat dann aber noch einmal zurückgebissen.“
Mark Hungerecker
Trainer des SVE Comet Kiel

Aufseiten der Gäste war die Erleichterung groß. „Wir sind zum Glück endlich angekommen in der Saison“, meinte Comet-Coach Mark Hungerecker, der im Gegensatz zu seinem Trainerkollegen Steve Frank – sah in der 79. Minute wegen vehementen Reklamierens Gelb-Rot – das Kellerduell „überlebt“ hatte. Keinen einzigen Punkt hatten die Kieler in den ersten fünf Begegnungen geholt, satte zehn Zähler sind es in den nächsten fünf Partien (nur beim Tabellenzweiten TSV Klausdorf wurde verloren). „Eigentlich kann ich mich gar nicht über den Sieg freuen“, räumte er unmittelbar nach dem Abpfiff ein. „Denn nach unserem 3:0 war der Deckel doch schon drauf. Tungendorf war eigentlich tot, hat dann aber noch einmal zurückgebissen, und wir mussten zittern“, resümierte Hungerecker, der die Partie am Süderdorfkamp zu Recht als „typischen Abstiegskampf“ bezeichnete.

Braasch blockt ab

Der Trainer der Kieler hatte den 3:3-Ausgleich bereits vor Augen, doch ein Seitfallzieher von SVT-Akteur Linus Knöfel wurde ausgerechnet vom Ex-Tungendorfer Kennet Braasch geblockt (90./+2). „Das Ding wäre wohl gefährlich auf unser Tor gekommen“, meinte Hungerecker und bekannte in der ihm typisch schnoddrig-sympathischen Art: „Ich hätte mir in den Arsch gebissen, wenn wir hier nach einer 3:0-Führung noch etwas liegengelassen hätten.“

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