Ein Artikel der Redaktion

Neumünster Für Toleranz zwischen den Völkern

Von Gabriele Vaquette | 18.02.2010, 04:59 Uhr

Im Vorfeld der Ehrenamts-Messe am 21.

Februar stellt der Holsteinische Courier einige Initiativen in einer sechsteiligen Serie vor. Heute: der Alevitische Kulturverein.

Auf der Holstenkösten-Folklorebühne oder auf der Orientalischen Nacht sind sie seit Jahren der Hingucker und verbreiten Fröhlichkeit und Exotik: Die Tanzgruppe des Alevitischen Kulturvereins, begleitet von Saz-Spielern, ist zu einem festen Bestandteil der Neumünsteraner Kulturszene geworden. Sie ist eine von diversen Gruppen des Vereins, der für ein friedliches Miteinander der Religionen und Kulturen und die demokratischen Rechte der Aleviten eintritt. Ein wichtiger Aspekt der Vereinsarbeit ist die Förderung der Integration.

"Aleviten treten für Toleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen und für Gleichberechtigung ein. Männer, Frauen und Kinder beten gemeinsam. Alevitische Frauen tragen in der Regel kein Kopftuch. Unser Verein nimmt auch am Runden Tisch für Integration teil", sagt Dursun Yerden (47), der seit 1989 in Neumünster mit seiner Frau Balkiz (44) lebt. Seit rund 40 Jahren leben Aleviten in Neumünster und im Lande, sie kamen in den 60er-Jahren als türkische Einwanderer. Der Alevitische Kulturverein wurde 1992 gegründet, weitere gibt es in Lübeck, Kiel, Geesthacht und Wedel.

Etwa 1200 Angehörige dieser Glaubensrichtung leben in der Region, die der Verein betreut - bis hin nach Bad Bramstedt, Trappenkamp, Bad Segeberg oder Henstedt-Ulzburg. In Schleswig-Holstein sind es etwa 10 000 Menschen; in Deutschland gibt es 120 Alevitische Vereine. Zahlreiche Projekte und Gruppen des Vereins haben das Ziel, Jugendliche und Frauen beim Einstieg ins Berufsleben zu fördern. "Wir legen viel Wert auf Bildung und Kultur", sagt Yerden. So gibt es Jugend- und Frauen-Selbsthilfeprojekte, Sprach- und Computerkurse, Hausaufgabenhilfe und eine Frauengruppe, die regelmäßig die Gäste der Orientalischen Nacht bewirtet. Jugendliche werden auf Informationsveranstaltungen und bei Vorträgen in der IHK über berufliche Möglichkeiten aufgeklärt und auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereitet.

Die Folklore-Tanzgruppe und die Saz-Gruppe unter dem musikalischen Lehrer Ali Temiz sind das Aushängeschild des Vereins, traten zum Stadtjubiläum, auf dem Festival der Kulturen, bei "Neumünster singt und spielt" und der Wein- und Holstenköste auf. Musik spielt auch bei religiösen Ritualen eine wichtige Rolle.

Das Alevitentum sei stark vom Humanismus geprägt, basisdemokratisch organisiert und eine fortschrittliche Glaubensrichtung, die Elemente verschiedener Religionen beinhalte, sagt Yerden. Das friedliche Miteinander im Alltag ist ein wichtiges Prinzip. Wer im Streit mit jemandem liegt, darf nicht an der Cem-Zeremonie teilnehmen, einem zentralen Ritual. Gebetet wird im Cem-Haus oder an frei wählbaren Plätzen, nicht in Moscheen. Unter den Osmanen wurden Aleviten jahrhundertelang unterdrückt, verfolgt und getötet, ihre Religion wurde verboten. Auch heute sind sie nicht als religiöse Minderheit anerkannt. Die Gründung der Alevitischen Kulturvereine, auch auf europäischer internationaler Ebene, dient dem Kampf um Anerkennung und demokratische Rechte. So verlangen die Aleviten die Gleichstellung ihrer Gebetshäuser mit Moscheen.

Die Gruppen des Vereins sind auch für Nicht-Aleviten offen. Kontakt: Dursun Yerden, Tel. 2 81 86. Im Internet: www.alevi.com.

Morgen Folge 5: der Pfadfinder-Stamm Astrid Lindgren.