Ein Artikel der Redaktion

Neumünster "Die Sprache ist das Allerwichtigste"

Von Jens Bluhm | 05.01.2011, 06:30 Uhr

Der Appell von Tufan Kiroglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Neumünster, ist ebenso nachdrücklich wie einleuchtend: "Vor 50 Jahren musste sich die erste Generation von Gastarbeitern noch mit Händen und Füßen verständlich machen, jetzt lädt uns der Staat zum Deutsch lernen ein.

Das sollten wir nutzen!"

Die Rede ist ist vom so genannten "Integrationskursus", einem standardisierten Sprachkursus von 300 bis 600 Stunden, mit dem der Bund Ausländer und Einwanderer für eine Integration fit machen will. Erstmals wird der Kursus jetzt auch von der Türkischen Gemeinde angeboten. Träger ist der Landesverband der Türkischen Gemeinden, der ähnliche Kurse auch in Kiel, Lübeck und Elmshorn auf den Weg gebracht hat.

Das Besondere am Integrationskursus: Er ist Voraussetzung für alle, die eine deutsche Staatsbürgerschaft anstreben, mündet in der Regel in ein staatlich anerkanntes Zertifikat, das zum Beispiel weitere Deutschtests überflüssig macht, und vermittelt in seiner zweiten Stufe auch Grundkenntnisse über deutsche Geschichte, Gesellschaft und Kultur. Alles zusammen soll den Teilnehmern nicht nur die Verständigung, sondern auch den Umgang mit deutschen Mitbürgern und Behörden erleichtern.

Tufan Kiroglu und seine Frau Nilgün sehen den Kursus als große Chance für alle, die eine Integration wollen. "Die Sprache ist das Allerwichtigste, gerade für junge Menschen, die ihre Chance in Deutschland nutzen möchten", sagt Nilgün Kiroglu (50). Die Diplom-Informatikerin weiß, wovon sie spricht: Als sie mit 19 nach Deutschland kam, paukte sie in Kiel "fast Tag und Nacht" drei Monate Deutsch, um die Zulassung zum Studium in Hamburg möglichst zügig zu schaffen. Üblich sind zwei Jahre, um den obligatorischen Deutschtest vor dem Studium zu bestehen. Heute gibt Nilgün Kiroglu selbst im kleinen Kreis Nachhilfe in Deutsch und greift dabei gern zu unkonventionellen Methoden: "Die Erwachsenen wollen nicht immer mit Sätzen lernen wie: Ich komme aus der Türkei und heiße...", sagt sie. Stattdessen orientiert sich Nilgün Kiroglu an Alltagssituationen und lässt sich von den Frauen auch schon mal deren Lieblingsrezepte aufschreiben oder eine Entschuldigung für die Schule des kranken Sohnes.

Auch der neue Integrationskursus, der von qualifizierten Deutschlehrern gestaltet wird, soll sich am realen Leben orientieren. Damit sich Schüler mit umfangreichen Deutschkenntnissen nicht langweilen und Ältere, die nur ein paar Brocken Deutsch sprechen, nicht überfordert werden, gibt es am Anfang einen Einstufungstest. Unterrichtet wird in den Räumen der Türkischen Gemeinde an der Christianstraße 66. Die Teilnahme steht allen Migranten (nicht nur türkischer Abstammung) offen. "Bislang haben sich auch schon zwei Ehepaare und eine ältere Dame aus Aserbaidschan sowie eine Kolumbianerin angemeldet", freut sich Nilgün Kiroglu. Finanziert wird der Kursus vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die Teilnahme kostet in der Regel einen Euro pro Stunde. Wer staatliche Hilfe bezieht, wird auf Antrag kostenlos unterrichtet. Der Kursus soll Ende Januar starten. Nähere Infos gibt es bei der Türkischen Gemeinde unter Tel. 40 06 34 oder per E-Mail über: info@tg-nms.de.