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Neumünster / ro Die Mühlsteine drehen sich wieder

Von Redaktion shz.de | 03.02.2009, 06:49 Uhr

1970 wurde letztmals an der Segeberger Straße Mehl gemahlen. Liebevoll restauriert ist die 1912 erbaute Gadelander Mühle aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

- 1970 wurde letztmalig an der Segeberger Straße Getreide gemahlen. Jetzt hat die Familie Wendt die 1912 erbaute Gadelander Mühle mit viel Liebe zum Detail restauriert und aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt.

"Das ist das Geburtstagsgeschenk von uns fünf Jungs an den Vater", sagt Karsten Wendt und spricht damit auch für seine Brüder Adolf (55), Heinz (52), Dierk (51) und Sönke (43). Gestern feierte Müllermeister Adolph Wendt seinen 80. Geburtstag und war vom Ergebnis hellauf begeistert: "Die Mühle ist voll funktionsfähig. Das weckt Erinnerungen an früher."

Auch wenn die hölzernen Fußböden, die Dachkon struktion und manche Maschinenteile erneuert werden mussten, glaubt man, die Zeit sei stehen geblieben. Auf der Waage bezeugt ein Klebestempel "geeicht bis 1977". Der Hauptantrieb, ein 70 PS starker Elektromotor mit einem Stellrad zur Handsteuerung, schnurrt wie am ersten Tag. Er löste 1942 den Vorgänger-Diesel ab, als der "kriegswichtige" Treibstoff knapp wurde.

"Dieser Motor hat so viel Lärm gemacht, dass es für uns Kinder eine Mutprobe war, hier vorbeizugehen", sagt Jubilar Adolph Wendt. Alle Maschinen für die einstige Backstubenmühle mit eigener Mischfutterherstellung sind erhalten und voll funktionstüchtig.

Müllermeister Wendt zeigt und erklärt seinen Besuchern die Arbeitsschritte. Vor dem Mahlgang auf den Mühlsteinen muss das Getreide gereinigt werden. Das geschieht im Steinausleser, dem Aspirateur, der Staub und Spelzen entfernt, oder im so genannten Trieur. Dort werden Fremdgetreide und Sämereien aussortiert. "Nach dem Mahlen gings in den Grobsichter, die Mischmaschine und dann zum Absacken. Das waren damals 90-Kilo-Säcke - heute unvorstellbar", sagt Adolph Wendt.

Der Hauptantriebsriemen hat eine besondere Geschichte: Er ist aus Kamelhaar gefertigt und stammt noch aus der 1912 abgebrannten Vorgänger-Windmühle. Dieser Galerie-Holländer wurde 1842 vom Kloster Preetz erbaut. "Ein Teil Gadelands war klösterlich, der andere königlich", sagt Adolph Wendt. Der Mühlenzwang sorgte für eine klare Scheidelinie: Bauern auf der klösterlichen Seite mussten ihr Getreide in Gadeland mahlen lassen, die auf königlichem Gebiet in Wittorf.

1865 kaufte ein Müller namens Nicolaus Schmidt die Mühle vom Kloster. Als Schmidt 1892 in Konkurs ging, kaufte Wendts Großvater Adolf Fischer das Anwesen und die Windmühle. Nach dem Brand von 1912 wurde die Mühle in der heutigen Form errichtet. Nur der Schornstein des ersten Dampfmaschinenantriebs ist schon lange Geschichte. 1970 wurde die Mühle stillgelegt. Zuletzt wurde das Mehl für die Bäcker nur noch als Handelsware aus Hamburg bezogen, an der Segeberger Straße nurmehr Schweineschrot für die Gadelander Bauern geschrotet. Heute ist das Gelände der Firmensitz von zwei Speditionen.

Durch das Engagement der Familie Wendt lebt die alte Mühlentradition jetzt wieder auf. "Nach Voranmeldung sind Führungen möglich", verspricht Müller Adolph Wendt. Am Pfingstmontag, dem bundesweit veranstalteten Deutschen Mühlentag, ist in der wiederbelebten Mühle ein Tag der offenen Tür geplant. Informationen gibt es unter