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Haart-Cafe Neumünster Diakonie Altholstein zeigt Bilder, die unter die Haut gehen

Von gme | 23.10.2020, 18:47 Uhr

Die Diakonie zeigt Werke des griechischen Fotografen Lefteris Partisalis, der die Situation von Flüchtlingen dokumentiert hat.

Voller Verzweiflung und Erschöpfung sitzt ein Mann zusammengesunken neben seinem zerfetzten Boot an der Küste. Auf dem Bild neben ihm ist ein weinender Junge zu sehen, der nur in eine Rettungsdecke gehüllt ist. Ein weiteres Bild zeigt einen krassen Kontrast: Die Hand eines toten Mannes, der dem Krieg in Mossul (Irak) zum Opfer gefallen ist, ragt unter einer knallbunten Decke hervor: „Der Fotograf hat das ganz besondere Auge für die Situation“, erklärt Stefan Schmidt, Flüchtlingsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, mit Blick auf die 22 Bilder des griechischen Fotografen Lefteris Partisalis. Seine Werke stellt die Diakonie Altholstein unter dem Titel „Pursuiing Peace – Das Streben nach Frieden“ aktuell im Haart-Café aus.

Lebensrealität von Flüchtlingen zeigen

„Wir haben die Ausstellung schon geplant, bevor das Feuer in dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos ausbrach. Aber es zeigt, wie aktuell das Thema nach wie vor ist und dass es nicht wegen der Corona-Pandemie aus dem Blickfeld rücken darf“, erklärt Vanessa Trampe-Kieslich, Geschäftsbereichsleiterin Soziale Hilfen. Ziel sei es, Eindrücke von der Lebensrealität von Flüchtlingen in Neumünster zu zeigen und durch die unmittelbare Betroffenheit, die diese Fotografien vermitteln, darauf hinzuweisen, wie dringlich die Hilfe sei.

Forderung „Sicheren Hafen“

Die Diakonie und der Kirchenkreis Altholstein hatten ebenso wie die Ratsfraktion der Grünen vergeblich gefordert, Neumünster zu einem „Sicheren Hafen“ zu erklären. „Sicherer Hafen“ bedeutet, dass eine Kommune in Kooperation mit der Organisation Seebrücke geflüchtete Menschen willkommen heißt und sich bereit erklärt, mehr von ihnen aufzunehmen.

Schmidt hat selber Flüchtlinge gerettet

Die Werke sind eine Leihgabe der deutsch-griechischen Kulturinitiative Kalimera. Neben Bildern, die Partisalis direkt im Kriegsgebiet aufgenommen hat, werden auch Fotos von der Flucht und aus verschiedenen Flüchtlingslagern gezeigt. Auch der Landesflüchtlingsbeauftragte war beeindruckt von den Impressionen. Er war selbst Kapitän des Hilfsschiffs „Cap Anamur“, das 37 afrikanische Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet hatte und nach Sizilien brachte. Schmidt wurde für Schlepperei angeklagt und nach einem fünfjährigen Prozess freigesprochen.

Ausstellung wandert an den Alten Kirchhof

Die Ausstellung ist noch bis zum 13. November im Haart-Café (Haart 224) zu sehen und anschließend im Familienzentrum der Diakonie, Am Alten Kirchhof 4. „Wir hätten die Ausstellung gern einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht, das geht aber wegen Corona nicht. Aber in unserem Café können sich die Flüchtlinge selbst und auch interessierte Bürger die Ausstellung mit Anmeldung ansehen und bekommen dann eine persönliche Führung von unserer Flüchtlingsberaterin Rike Müller“, erklärt Florentin Viebig, Fachbereichsleiter Migration.

Führungen gibt es nur mit vorheriger Anmeldung unter rike.mueller@diakonie-altholstein.de