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Wölfe in SH : Nabu fordert Wolf-Kompetenzzentrum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer ein Tier in freier Wildbahn entdeckt, sollte ihn einem Wolfsbetreuer melden.

Das Thema „Wolf“ ist in Kappeln offensichtlich von großem Interesse. Das erlebte die Vorsitzende des Nabu Ostangeln, Dagmar Struß, im Veranstaltungslokal „Alte Eule“. Dorthin hatte die Nabu-„Wolfsbotschafterin“ – eine von 400 – zum Vortrag „Willkommen Wolf“ eingeladen – und das Lokal war fast zu klein für alle Interessenten. Dazu gehörten auch etliche Jagd-Lobbyisten, die gekommen waren, um ihrem angestauten Ärger an der Politik Luft zu verschaffen. Ansonsten erlebten die über 100 Besucher eine überaus gut vorbereitete Referentin, die auch unbequemen Fragen nicht auswich und den aktuellen Stand zum Thema „Wölfe in Deutschland“ sachlich darstellte.

Klar wurde, dass der Wolf, der in Deutschland nicht gejagt werden darf und einst die gesamte Nordhalbkugel bevölkerte, verstärkt beginnt, Deutschland als Lebensgebiet zu betrachten. In freier Wildbahn leben Wölfe demnach seit dem Jahr 2000 in der sächsischen Oberlausitz. Sie sind aus Polen „eingewandert“ und mittlerweile in sechs Bundesländern zu Hause, mit steigender Präsenz. Da Wölfe in der Lage sind, bis zu 75 Kilometer am Tag zurückzulegen, wurden sie auch bereits in Dänemark entdeckt. Diese Tiere nutzen Schleswig-Holstein offenbar nur als „Durchreiseland“, denn bislang wurde erst einer in Dithmarschen gesehen.

Struß betonte: „Ob Nachbarschaft von Wolf und Mensch möglich ist, muss die Zukunft zeigen.“ Früher sollen Wölfe den Menschen sogar beim Jagen geholfen haben, so die Referentin. In der Regel aber meiden sie den Menschen. Struß: „Mit feiner Witterung nehmen sie Menschen aus großer Entfernung war und gehen ihnen dann aus dem Weg.“

Männliche Wölfe werden bis zu 67 Kilogramm schwer, die weiblichen Tiere bis zu 50 Kilogramm. Auf ihrem Speiseplan stehen zu über 90 Prozent Reh, Rothirsch und Wildschwein, gelegentlich auch Hasen. Nutztiere werden nur zu 0,8 Prozent gerissen. Laut Struß’ Ausführungen wurden auch schon Menschen von Wölfen angefallen. Seit 1959 sind demnach neun tödliche Wolfangriffe in ganz Europa bekannt geworden. „Dann waren aber entweder Tollwut oder Anfüttern der Grund“, sagte Struß. Darum ermahnte die Nabu-Vorsitzende die Anwesenden, niemals einen Wolf zu füttern.

Um alle Probleme, die beim Zusammenleben von Mensch und Wolf auftreten können, zu regeln, fordert der Nabu einen „Managementplan für Wölfe“ plus ein „Nationales Kompetenzzentrum“. Beides soll bei Konflikten aktiv werden, das Monitoring übernehmen, verhaltensauffällige Wölfe betreuen, für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und als Ansprechpartner für alle den Wolf betreffenden Fragen agieren. Das gilt auch für eventuelle Schadensersatzansprüche geschädigter Landwirte.

Abschließend hatte Dagmar Struß noch einen Ratschlag für alle diejenigen, die einen Wolf in freier Wildbahn sehen: Sofort einen Wolfsbetreuer informieren. Dafür gibt es die zentrale Rufnummer 0174/6330335. Anschließend stand sie den Anwesenden für Fragen zu Verfügung. Dabei ging es dann überwiegend um den Ersatz von Schäden durch Wölfe.

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erstellt am 09.Mär.2015 | 11:16 Uhr

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