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Real Life Escape Games : Mystery-House in Flensburg: Spielplatz für Große

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei Real Life Escape Games müssen die Spieler unter Zeitdruck aus präparierten Räumlichkeiten entkommen – wie im „Mystery-House“ in Flensburg.

shz.de von
erstellt am 04.Aug.2014 | 19:39 Uhr

Flensburg | Manchmal können Dinge eine ganz überraschende Dynamik entwickeln. So wie bei Franziska Mesecke. „Mein jüngerer Bruder arbeitet in Wien – und er hat dort im vergangenen Jahr ein Abenteuer-Spiel kennen gelernt“, erzählt die 42-jährige Flensburgerin. Das Grundprinzip dieser so genannten Real Life Escape Games: In eigens dafür präparierten Räumlichkeiten müssen Spieler in kleinen Gruppen unter Zeitdruck mittels Kombinationsgabe eine bestimmte Aufgabe lösen, um zu entkommen. „Er hat mir dann bei einem Besuch letztes Weihnachten gesagt, dass wir so etwas auch selbst aufbauen könnten – und viel besser. Und weil er wusste, dass ich eine leidenschaftliche Computer-Spielerin bin, hat er mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, so etwas in Flensburg zu machen.“

Mesecke, bis dahin Hausfrau und Mutter zweier Kinder ohne jegliche Erfahrung als Selbstständige, machte sich in Wien ein eigenes Bild – und war von der Idee begeistert. Bereits im Januar schaute sie sich in Flensburg leerstehende Räumlichkeiten an und wurde beim Bauamt vorstellig. „Wir wollten eigentlich eine Hausruine haben, oder einen alten Bunker“, sagt sie. „Aber für so etwas bekommt man in Flensburg wegen des Brandschutzes keine Genehmigung.“ Irgendwann stieß Mesecke auf das mehrstöckige Bürogebäude im Hinterhof der Marienallee 70 mit rund 370 Quadratmetern. Zuvor war dort eine Computerfirma ansässig, und von außen wirkte der graue Bau nicht gerade sehr mysteriös. „Ich fand das hier zu groß, zu ordentlich und zu schick für meine Zwecke, aber wir haben uns dann gesagt: Augen zu und durch.“

Also wurde ein Nutzungsänderungsantrag für die Büros gestellt, das Thema Brandschutz in Angriff genommen, mit Versicherungen gesprochen. Die Handwerker vom Tischler bis zum Elektriker gaben sich die Klinke in die Hand, und eine optisch ansprechende Homepage entstand. „Seit März arbeiten wir intensiv, 60 Stunden pro Woche sind keine Seltenheit. Wir haben mühsam über das Internet und diverse Trödelmärkte das Mobiliar für die Ausstattung der Zimmer zusammengesucht und jedes einzelne liebevoll eingerichtet“, erzählt Franziska Mesecke. Ihr Mann Lars half in seiner Freizeit bei den Aufbauarbeiten, er ist überzeugt vom Konzept: „Ich finde die Idee toll und unterstütze meine Frau zu 100 Prozent.“ Franziskas Bruder wiederum fungiert als Geldgeber und Geschäftsführer, sie selbst leitet das Mystery-House. Die Aufgaben samt Rätseln entwickelt Mesecke mit seinem Bruder gemeinsam.

Um zu sehen, ob ihre Ideen funktionieren, stellte sie zunächst eine Testgruppe zusammen, die die Spiele ausprobieren durfte. „Wir haben ausdrücklich um ein ehrliches Feedback gebeten, sonst nützt uns das ja nichts. Die Jungs haben es knapp in 59 Minuten geschafft und fanden die Idee total klasse. Es war schön zu sehen, wie die sich gefreut haben.“

Seit vergangener Woche sind nun die beiden ersten Spiele „The Robbery“ und „The Bomb“ offiziell geöffnet. Es gilt wahlweise, in einer Wohnung an raffiniert versteckte Juwelen zu gelangen oder eine scharf geschaltete Bombe zu finden, bevor sie zündet. Teil des Spiels: Die Teilnehmer haben während der Zeit die Möglichkeit, über ein Funkgerät mit der Leiterin, die von einem Kontrollraum aus das Geschehen per Kamera beobachtet, Kontakt aufzunehmen und sich maximal drei Tipps abzuholen.

Die Resonanz seit Eröffnung des Mystery-House sei super, sagt Franziska Mesecke. „Viele Anrufer finden es toll, dass es so etwas nun in Flensburg gibt, was man sonst wohl eher in größeren Städten wie Hamburg vermuten würde. Es ist viel los bei uns und es gibt viele Anfragen für Termine, auch Unternehmen melden sich. Die wollen über ein Spiel den Teamgeist ihrer Mitarbeiter fördern.“

Franziska Mesecke hat noch viele Pläne in den über drei Etagen verteilten Räumlichkeiten. Aufgrund der großen Nachfrage wird es laut Mesecke entgegen der ursprünglichen Planung schon in wenigen Wochen einen dritten „Überraschungsraum“ geben. In eineinhalb Monaten soll im Mystery-House eine Cafeteria eröffnen, in der es neben Getränken auch kleine Snacks gibt. „Hier können sich die Spieler nach den Aufgaben ausgiebig über das Erlebte austauschen“, erklärt Mesecke. Des Weiteren soll im Obergeschoss zeitnah ein drittes Spiel mit dem Thema „Psychiatrie“ eröffnen. Details will Franziska Mesecke vorerst geheim halten, „kein Spiel für Angsthasen“ ist auf der Homepage zu lesen, Einlass ab 16 Jahren.

Zum Ende dieses Jahres schließlich ist die Eröffnung eines bunten Raumes für Kinder geplant. „Dort lösen dann Sechs- bis Zehnjährige altersgemäße Rätsel und knacken Schatztruhen, das Zimmer kann für Kindergeburtstage gemietet werden.“ Für eine letzte noch freie Räumlichkeit in der oberen Etage des Mystery-House dürfen sich Flensburger Spiele-Fans – vermutlich im kommenden Jahr – selbst ein Thema wünschen.

Franziska Mesecke schaut optimistisch in die Zukunft. „Wir hoffen auf die Studenten, aber auch auf die Touristen und die Dänen.“ Wenn das Konzept aufgeht und in einen Erfolg mündet, wollen Franziska Mesecke und ihr Bruder auch in anderen Städten ein Mystery-House eröffnen. „Das Gute ist ja, dass es auf dem Gebiet keine Konkurrenz gibt. Selbst wenn es mein Nachbar macht, die Spiele und Aufgaben sind ja immer unterschiedlich.“

Homepage: http://mystery-house.de/

Die „Escape-Games“ kommen ursprünglich aus Asien, es waren zunächst reine Computerspiele, die nur per Maus gesteuert werden. Seit einigen Jahren verbreiten sich – auch in Europa – reale Varianten, so genannte „Real Life Escape Games“. Ziel dieser Spiele ist es, in geschlossenen Räumen unter Zeitdruck Gegenstände und Zeichen miteinander zu verknüpfen, um eine Aufgabe zu lösen und den Raum zu verlassen.
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