Elbquerung in Schnakenbek : Militärisches Spektakel: Deutsche und britische Soldaten bauen amphibische Brücke

<p>„Wir begehen hier die 40-jährige Partnerschaft der deutschen und britischen Kräfte“ sagte Major André Burdich zufrieden.</p>

„Wir begehen hier die 40-jährige Partnerschaft der deutschen und britischen Kräfte“ sagte Major André Burdich zufrieden.

Beindruckendes Bauwerk an historischem Ort: Soldaten übten sich an einer Brücke,die selbst die schwersten Panzer trägt.

shz.de von
30. November 2017, 13:49 Uhr

Schnakenbek | In den frühen Morgenstunden des 29. April 1945 begann am Elbufer bei Schnakenbek im Kreis Herzogtum Lauenburg die „Operation Enterprise“: Britische Truppen setzten von Artlenburg aus zum Glüsinger Grund über und kämpften von dort aus im südöstlichen Schleswig-Holstein gegen deutsche Truppen. Einige Tage später war der Zweite Weltkrieg beendet. In den vergangenen Tagen standen Soldaten aus Deutschland und Großbritannien Seite an Seite am Ort des Geschehens zusammen und trainierten den Bau einer amphibischen Brücke zwischen Schnakenbek und Artlenburg über den Fluss an geschichtsträchtiger Stelle.

„Wir begehen hier die 40-jährige Partnerschaft der deutschen und britischen Kräfte“ berichtete André Burdich, Major und Pressestabsoffizier des Panzerpionierbataillon 130 aus Minden. Dort sind beide Einheiten gemeinsam stationiert, zusammen übernehmen sie (innerhalb der Nato) eine wichtige Aufgabe. Burdich: „Wir sind innerhalb der Nato einzigartig, denn wir verfügen über die einzigen Amphibien dieser Art“, so Burdich. 26 Tonnen wiegen die Spezialfahrzeuge. Sie fahren an Land und schwimmen im Wasser. Drei Mann Besatzung sind an Bord – der Landfahrer für die Fahrt auf Rädern, der Wasserfahrer am Ruder und der Rüstmann, der für die Verbindung der einzelnen Amphibien mit weiteren Fahrzeugen sorgt.

<p>Eine Brücke von Schnakenbek nach Artlenburg.</p>
Timo Jann

Eine Brücke von Schnakenbek nach Artlenburg.

Aus 24 Amphibien errichteten die Pioniere innerhalb weniger Minuten drei Tage lang immer wieder eine 241 Meter breite Brücke von Ufer zu Ufer. Am Deich in Artlenburg fuhren die Fahrzeuge ins Wasser, jeweils vier oder fünf schlossen sich dann zu Fähren zusammen, diese Fähren wurden dann aneinandergekoppelt und zu einer Brücke verbunden. Für die Schifffahrt war der Fluss stundenweise mehrfach gesperrt.

Burdich: „Unsere Brücke bietet die höchste Lastenklasse, kann mit unserem schwersten Panzer, dem Leopard II A 7 befahren werden.“ Der wiegt immerhin 70 Tonnen. Während eines großen Nato-Manövers 2016 in Polen wurde die Verlegung eines amerikanischen Verbandes trainiert, die Einheiten aus Minden bauten in Weltrekordzeit die längste amphibische Brücke, die von 1000 Fahrzeugen passiert wurde.

186 Soldaten, darunter 35 Engländer, zeigten am Donnerstag auch vor den Augen von 3-Sterne-General Carsten Jacobson, dem Kommandeur Einsatz des Heeres, ihr Können. Auch zahlreiche Schaulustige schauten von beiden Ufern aus dem Spektakel zu.

<p>Ambhibienfahrzeug bei der Übung.</p>
Timo Jann

Ambhibienfahrzeug bei der Übung.

Jeweils zwei Hydrojetantriebe sorgen bei den Amphibien dafür, dass sie sich um 360 Grad drehen können. „Die Fahrzeuge sind extrem flexibel und mobil“, berichtet Burdich. Entweder können die Amphibien direkt miteinander oder über seitlichen Rampen verbunden werden. Meistens üben die Einheiten bei Minden auf der Weser. An der Elbe waren sie zuletzt anlässlich der Partnerschaft zum 20-jährigen Bestehen 1997 aktiv. Burdich: „Grundsätzlich würden wir die Brücke dort bauen, wo sie nötig ist.“ Wegen des Konflikts in der Ukraine wurde zuletzt das Manöver „Anakonda 16“ in Polen mit eben diesem Brückenschlag an der Weichsel abgehalten.

„Wir sind total zufrieden, die Aufgabe hier an der Elbe wurde professionell gelöst“, bilanzierte Burdich. Und an den Ufern kehrt nach drei turbulenten Tagen jetzt wieder Ruhe ein.

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