Mehr Räder, mehr Strom

Bald in großer Gesellschaft? Der Windpark Uetersen soll erweitert werden, bei einem Tag der offenen Tür sahen sich Besucher im Inneren der Windräder um.
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Bald in großer Gesellschaft? Der Windpark Uetersen soll erweitert werden, bei einem Tag der offenen Tür sahen sich Besucher im Inneren der Windräder um.

Windpark Bei Tag der offenen Tür wurde über Erweiterung aufgeklärt / Keine Bedenken vom Betreiber

shz.de von
05. Juli 2017, 16:22 Uhr

Eine Bürgerbeteiligung an den Eigentumsanteilen am Windpark Uetersen – das soll kommen, wenn die Anlage wie geplant demnächst erweitert wird. Anwohner und weitere Interessierte durften sich beim Mühlenfest im Windpark über den aktuellen Planungsstand des Betreibers Planet energy GmbH informieren. Und sich die Funktionsweise der Windenergieanlagen (WEA) – so der offizielle Name der großen Räder – aus der Nähe ansehen.

Die Bedenken vieler Anwohner gegen ein sogenanntes Repowering, also Aufstockung mit leistungsstärkeren WEA für mehr Energiegewinnung, sind groß. Insbesondere was Lärm und Schlagschatten angeht. Rosemarie Rübsamen, Geschäftsführerin des Ingenieurbüros Rübsamen Windenergie GmbH, erklärte anhand von Grafiken und Schaubildern, warum diese Sorgen ihrer Meinung nach unbegründet sind.

„Bei einer reinen Wohnbebauung dürfen 40 Dezibel nicht überschritten werden, denn das liegt unter der Aufmerksamkeitsschwelle. An der Grenze zu Uetersen und Groß Nordende wären allerdings nur 35 Dezibel zu erwarten, das ist nicht viel mehr als ein leises Rauschen im Wald“, sagte die Physikerin. Auf der von ihr erstellten Grafik liegen Siedlungen wie Lander, Sonnendeich und Rosengarten weitgehend bei einer Lärmemission von 40 Dezibel, im Süden dürften es bis zu 45 Dezibel sein. „Zum Vergleich: Ein Auto macht Geräusche von 60 bis 70 Dezibel“, sagte Rübsamen.


Der Schatten könnte ein Problem sein


Auch eine stärkere Belästigung durch Schlagschatten sei nicht zu befürchten. Da die geplanten WEA höher sind, geht der Schatten zwar weit. „Aber er ist diffus und nicht scharf“, erläutert die Geschäftsführerin. Diese Schlagschatten müsse man nicht länger als 30 Minuten am Tag akzeptieren, „danach muss abgeschaltet werden“, verspricht Rübsamen. Die WEA sind mit einem Helligkeitsmesser ausgestattet, die Abschaltung wird einprogrammiert. „Wind ist ja meist, wenn keine Sonne scheint, bei Sonnenschein werden die Räder meist von vornherein abgestellt“, berichtet sie. Die Betreiberfirma Planet energy GmbH, eine Tochter des Ökostromanbieters Greenpeace energy eG, möchte das Eigentum an den geplanten Repowering-Anlagen wieder anteilig an Bürger geben. Derzeit hält Planet energy 67 Prozent am Windpark Uetersen, der Rest gehört Privatpersonen. Auf dem Mühlenfest gaben Prokurist und Projektleiter Julian Tiencken und sein Team bereits Formulare für eine Bürgerbeteiligung an Interessenten aus.

Durch den Regierungswechsel in Kiel sieht Tiencken keine Gefahr für das Repowering-Projekt. Zwar würden die Anforderungen an Mindestabständen nun steigen, das betreffe aber die Planungen vor Uetersen nur unwesentlich. Um künftig den Strom, den die Windräder erzeugen, zu speichern und in Zeiten der Flaute zu nutzen, entwickelt Planet energy derzeit Innovationen. „Ein Elektrolyseur wandelt Strom in Wasserstoff um“, erklärte der Projektleiter. Diesen könne man ins Erdgasnetz speisen oder auch später wieder in Strom verwandeln.

Wen der 68 Meter hohe Aufstieg über Leitern im Inneren der WEA nicht störte, dem bot sich ein beeindruckender Ausblick über die Marschlandschaft. WEA-Wart Detlef Uedsen erklärte dort oben die Funktionsweise der Maschine. Den Gästen gefiel es. „Das war ein tolles Erlebnis, schön war es auch, mehr über die Technik zu erfahren“, freute sich Besucherin Claudia Benvenuto.

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