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Lübeck Hindenburgplatz heißt jetzt Republikplatz

Von Redaktion shz.de | 14.08.2019, 16:15 Uhr

Hansestadt Lübeck benennt drei Straßen aus politischen Gründen um

Einige Jahre wurde diskutiert, im Januar dann beschloss die Bürgerschaft die Umbenennung von drei Straßen. Die erste Neubezeichnung wurde am Mittwoch offiziell ausgewiesen - genau am Tag des 100-jährigen Bestehens der Weimarer Verfassung: Der Hindenburgplatz heißt jetzt wieder Republikplatz.

Das Areal zwischen Travemünder Allee und Stadtpark hieß bis ins Jahr 1922 Kaiser-Friedrich-Platz, danach lautete die genaue Bezeichnung Republikplatz – bis 1933. Die Nationalsozialisten benannten ihn nach dem Reichspräsidenten Hindenburg um.

„In der langen und kontroversen Debatte zum richtigen Umgang mit den als belastet geltenden Straßennamen zeigt sich das schwierige Verhältnis von Ehrungen und Erinnerung. Dieser Prozess wurde federführend durch den Bereich Stadtgrün und Verkehr mit historisch-wissenschaftlicher Begleitung durch das städtische Archiv organisiert. Damit wurde eine wichtige gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes und der Namensgebung ermöglicht“, sagte Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) anlässlich der offiziellen Umbenennung am Mittwoch.

Es werden in der Hansestadt Lübeck demnächst noch zwei weitere Straßen umbenannt, die einst zur Ehre von Personen ihren Namen erhielten. Zum Hintergrund: Im Auftrag der Bürgerschaft hatte seit 2013 ein Arbeitskreis von Politikern unter Beratung von Historikern Straßennamen und Plätze in der Stadt daraufhin geprüft, ob deren Namensgebungen „aus heutiger historischer Betrachtung anders als zum Benennungszeitpunkt bewertet werden können“. In diese Debatte wurde die Öffentlichkeit ebenso wie die Bewohner der diskutierten Straßen eingebunden.

Nach längerer Diskussion hatte der interfraktionelle Arbeitskreis der Lübecker Bürgerschaft 14 nach Personen benannte Straßen ermittelt, die aus heutiger Sicht als „belastet“ gelten aus Bezügen zum Nationalsozialismus, Kolonialismus oder Militarismus.

Und so beschloss die Bürgerschaft im Januar 2019 hat die Bürgerschaft die Umbenennung von drei Straßen in Lübeck beschlossen: Hindenburgplatz, Pfitznerstraße, Lenardweg. Die Umbenennung des Lenardwegs und der Pfitznerstraße sind in der Umsetzung.

Der Physik-Nobelpreisträger Philip Lenard war Antisemit und Hauptvertreter einer „Arischen Physik“. Trotzdem ehrte Lübeck ihn im Jahr 1961 mit einem Straßennamen. Die Pfitznerstraße, die 1957 ihren Namen nach dem 1949 verstorbenen Komponisten und Autor Hans Pfitzner erhielt, wird ebenfalls neue Straßenschilder erhalten. Grund: Pfitzner habe sich auch nach 1945 noch antisemitisch geäußert. Sein Lübeck-Bezug sei eher negativ. Pfitzner hatte sich 1933 auch an einer Unterschriftenaktion gegen Thomas Mann beteiligt.

Um über die Rückbenennung sowie den historischen Hintergrund aufzuklären, können Informationen über den QR-Code auf den neuen Straßenschildern abgerufen werden. Angezeigt werden die Inhalte unter der Adresse www.luebeck.de/hl/strassennamen.