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Nach Elbe-Hochwasser 2013 : Löcher für den Hochwasserschutz in Lauenburg

vom
Aus der Onlineredaktion

Mehr als 60 Löcher werden in Lauenburg gebohrt. Experten erhoffen sich Informationen über den Boden und das Grundwasser.

Lauenburg | 18 Meter tief reicht das Loch in Lauenburg vor dem Haus am Großen Sandberg, Ecke Hinter der Münze in die Tiefe. 273 Millimeter Durchmesser hat es. Und es soll helfen, zu klären, wie sich im Untergrund das Wasser verhält. Und damit soll der optimale Hochwasserschutz für Lauenburg gefunden werden. Andere Löcher, wie etwa im Schlossgarten, sind sogar 50 Meter tief. Mehr als 60 dieser Löcher bringen die Experten der Firma Wilhelm Soltau aus Niedersachsen zurzeit ein. „Wir kommen gut voran und sind unserem Plan voraus“, berichtet Brunnenbaumeister Maik Ditloff.

Im Juni 2013 herrschte in Lauenburg an der Elbe Katastrophenalarm. Bei dem Hochwasser erreichte die Elbe mit 9,63 Metern den zweithöchsten Wert in der gut 800-jährigen Stadtgeschichte. 300 Menschen aus der Elbstraße in der Altstadt mussten ihre Häuser vorübergehend verlassen. Die Flut richtete Schäden von etwa 30 Millionen Euro in Lauenburg an. Seitdem wird um ein Hochwasserschutzkonzept gestritten. Im Gespräch ist eine Spundwand.

Am Großen Sandberg haben Bohrgeräteführer Sean Marshall und sein Bohrhelfer Michael Zierke das tonnenschwere Spezialfahrzeug in Stellung gebracht. „Wenn es sein muss, können wir mit einem Druck von bis zu 250 bar arbeiten“, berichtet Marshall. Doch der Sand, der Ton und der Mergel im Untergrund der Stadt machen es den Bohrern zum Glück nicht allzu schwer. Ditloff hatte in der Spitze schon 18 Mann im Einsatz, aktuell sind es neben ihm noch sechs – mit drei Bohrgeräten. „Auf dem Wasser sind wir bereits fertig, jetzt stellen wir noch an Land die letzten sieben Bohrungen her“, sagt Ditloff.

Die tiefen Löcher sind nötig, um Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit und das Strömungsverhalten des Grundwassers zu bekommen. Und so treiben Marshall und Zierke ihren XXL-Bohrer unermüdlich in die Tiefe. „Wir bohren immer meterweise, um dann die nötigen Bodenproben zu entnehmen“, berichtet Marshall. Außerdem wird auch bei jedem Schichtwechsel eine Bodenprobe entnommen und in einem mit Standort und Tiefe markierten Eimer gefüllt.

Ingenieure werden die Proben im Auftrag des Landes auswerten und beurteilen, wie es unter der Altstadt aussieht – und vor allem, ob die von den Anwohnern und der Stadt favorisierte Spundwand wirklich gut wäre, um sich vor Hochwasser zu schützen.

Während Marshall das Spezialgerät über mehrere Joysticks steuert, hängt Zierke die Bohrhülsen an den Haken und kuppelt den Bohrer an. Eine Zeremonie, die sich immer wieder wiederholt. Dabei darf nichts schiefgehen, denn sonst rauscht der Bohrkopf unwiederbringlich in die Tiefe. „Der Bohrer bohrt immer zwei Meter unter dem zuletzt eingebauten Rohr, sodass wir das nächste Rohr oben dann aufsetzen und in den Boden drücken können“, erklärt Marshall. Wenn die Zieltiefe erreicht ist, werden dort in ausgewählten Löchern Dauermessstellen zur Ermittlungen des Grundwasserflusses eingerichtet. „Die Löcher selbst werden nach Abschluss der nötigen Arbeiten wieder schichtengerecht mit Spezialkies verfüllt“, berichtet Ditloff.

Die Ingenieurbüros IGB (Baugrund) und GeoTech (Hydrologie) werden sich in den kommenden Monaten mit den Ergebnissen befassen. „Wir werden bis spätestens Anfang nächsten Jahres eine Variante auswählen“, hatte Volker Petersen vom Kieler Umweltministerium bereits zu Beginn der Bohrungen im Juli erklärt. Wichtig ist vor allem, zu erkennen, ob es im Boden Bewegungen gibt. Auch dazu werden Messgeräte installiert.

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erstellt am 14.Aug.2015 | 10:15 Uhr

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