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Beliebter Imbiss am Strand : Letzte Saison für Regina und Hussi

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seit sieben Jahren betreibt Regina die Strandgrille direkt am Lindhöfter Strand / Jetzt soll Schluss sein: Der Imbiss rentiert sich einfach nicht

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2017 | 08:46 Uhr

Lindhöft | Regina Czarneckri geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Vor sieben Jahren übernahm die 50-jährige Lindhöfterin den kleinen Imbiss am Lindhöfter Strand, direkt vor dem Campingplatz. Hier in „der Grille“ gibt es alles, was es in einem richtigen Imbiss geben muss: Currywurst mit Pommes, Bratwurst und Hamburger. Außerdem gibt es Eis, Naschis, Soft drinks und kaltes Bier zu fairen Preisen. Dort liegt allerdings schon das erste Problem, denn faire Preise könne man sich als kleiner Imbissbesitzer gar nicht mehr leisten, erklärt Regina Czarneckri. Wenn die Preise zu hoch sind, dann würden die Leute aber wegbleiben. Ein Teufelskreis.

Die Entscheidung aufzuhören schiebt sie schon seit fast drei Jahren vor sich her. „Wenn man mal ehrlich ist, dann lohnt sich das einfach nicht, nachdem alle Rechnungen bezahlt sind, bleibt für uns nichts mehr übrig“, sagt die Imbissbesitzerin. Die Traurigkeit in ihrer Stimme ist dabei kaum zu überhören, denn spätestens als die ersten Gäste auftauchen, macht sich bemerkbar, mit wie viel Herzblut die 50-Jährige ihren Imbiss betreibt. „Hallo, da seid ihr ja wieder“, begrüßt Regina eine Mutter mit ihren drei Kindern. „Ja der Winter wurde langsam lang“, begrüßt Wiebke Reinsch Regina und ihren Koch Hussi, die am letzten Wochenende die Saison eingeläutet haben. „Das ist total schade, dass die beiden aufhören“, sagt die junge Mutter und fügt noch hinzu, dass sich Hussi und Regina diesen Kommentar noch so einige Male werden anhören müssen.

Hussi nimmt die Bestellung entgegen und dann wird geschnackt. Regina erzählt von den Auflagen, die so ein kleiner Imbiss mittlerweile erfüllen müsse, was ein Grund für ihr Aufhören sei. „Drei mal in einem halben Jahr müssen wir alle Steckdosen und elektrischen Geräte abnehmen lassen, das ist doch ein Witz“, so Czarnecki.

Und dann ist da auch noch das Wetter, aber da könne ja keiner etwas für. „Seit Jahren warte ich auf schönes Wetter in den Sommerferien“, sagt die Imbissbesitzerin. Der Lindhöfter Strand liege sehr abgelegen und es gebe hier keine Laufkundschaft. Deshalb seien sie auf die Ferien angewiesen. Auf die Stammkundschaft vom Campingplatz und aus Lindhöft und Noer sei zwar Verlass, das reiche aber leider nicht, um über die Runden zu kommen.

Dann kommt auch schon das Essen für Wiebke und ihre drei Söhne Emil, Ruben und Jakob und die hauen ordentlich rein. „Ruben hat die erste Portion Pommes seines Lebens hier bei dir gegessen, Regina“, sagt Wiebke. Das merkt man, die Kinder kennen Regina und der kleine Ruben lässt sich auch ohne zu Murren den Mund von Regina abwischen. Die Kinder lieben sie und sie die Kinder.

„Es sind auch schon mal zwei kleine Jungs aus Lindhöft von zu Hause ausgebüxt, um sich bei mir ein Eis zu kaufen“, erzählt die Imbissbesitzerin. Leider war sie gerade an dem Tag nicht da und die Jungs wurden von der Feuerwehr nach Hause gefahren.

Überhaupt haben Regina und Hussi viele Anekdoten gesammelt in den letzten sieben Jahren. Da könne man ein ganzes Buch draus machen versichern die beiden. Im letzten Jahr sei sogar ein Hubschrauber auf der Koppel neben dem Strand gelandet und die Piloten haben sich ein Eis in der Strand Grille gekauft.

Während die beiden so richtig ins Erzählen kommen, wartet schon der nächste Gast auf sein Mittagessen. Eckert Johannsen hätte gern seine Bratwurst mit Pommes, das esse der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde am liebsten. „Hallo Wiebke, begrüßt Johannsen die junge Mutter und ihre Söhne, bei dir bleibt die Küche heute kalt was?“, lacht der Gemeindevertreter. Man kennt sich und man mag sich. Die Grille ist seit je her ein Treffpunkt. Die Camper und die Dorfleute kommen hier zusammen und wenn es richtig voll wird, dann rücken die Menschen noch enger zusammen. Es sei einfach eine schöne Atmosphäre, so Czarneckri.

Das liegt nicht zuletzt an Regina und Hussi, die mit ihrer aufgeschlossenen Art immer einen kecken Spruch auf den Lippen haben und sich, zur Belustigung ihrer Gäste, gegenseitig ordentlich aufs Korn nehmen. Das gehöre zum Service dazu.

Sie freue sich auf diese letzte Saison und will es noch einmal richtig schön haben. „Natürlich hoffe ich, dass es hier einen Nachfolger gibt.“ Mit der Gemeinde, die das Grundstück verpachtet, habe man sich immer gut arrangiert.

Als wir uns verabschieden, stehen schon die nächsten Gäste bereit und begrüßen Regina und Hussi freundlich. „Wer einmal hier war, der kommt wieder“, versichert Regina. Stimmt; ich komme wieder.

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