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Jahrestreffen in Niebüll : Landfrauen wollen weniger Müll

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Niebüller Landfrauen haben ihre Vorsitzende Telse Brodersen einstimmig wiedergewählt. Ein weiterer Schwerpunkt der Jahresversammlung war Abfall – und wie man ihn vermeiden kann.

Natürlich lieben sie es gesellig, können hervorragend kochen und handarbeiten. Doch diese Beschreibung wird den Landfrauen aus Niebüll und Umgebung bei weitem nicht gerecht. Wie zeitgemäß der Verein aufgestellt ist, zeigt schon der Titel „Land- und Stadtfrauen“ auf dem optisch am Computer sehr ansprechend gestalteten Jahresprogramm 2017. Dieses unterstreicht, der 280 Mitglieder starke Verein, der im Friesenhof Niebüll zur Jahresversammlung zusammen kam, hat auch in diesem Jahr viel vor: Gesundheit, Hygiene, Landfrauentag in Neumünster, Entrümpeln der Seele, Kunstseminar, Literaturtag und Poetry Slam lauten nur einige Themen bis zum Kreislandfrauentag Ende Oktober in der Koogshalle Reußenköge. Am Puls der Zeit liegt auch das Thema der Versammlung: Leben wir in einer Wegwerfgesellschaft?

„Ganz klar ja“, betont Referentin Annemarie Matthiesen vom Naturzentrum Bredstedt. Eindringlich und kurzweilig führt die Umweltexpertin vor Augen, wie Müllreich unser Alltag geworden ist, wie viel Plastik und Metall auch in Nordfriesland in der Natur und in der Nordsee landet – mit verheerenden Folgen. „Besonders Plastik im Magen oder um den Hals gewickelt lässt viele Tiere vor unserer Haustür elendig zugrunde gehen“, sagt Annemarie Matthiesen. Bestes aktuelles Beispiel seien die zig Tausend Plastik Überraschungseier, die vor kurzem von einem Schiff in der Nordsee, im Weltnaturerbe Wattenmeer gelandet sind. „Auch die Pottwale, die hier gestrandet sind, hatten jede Menge Plastikmüll, darunter Eimer und große Planen, in sich. Sie sind trotz voller Mägen verhungert“, sagt die Expertin, die täglich Müll sammelt.

Ein Leinenbeutel statt der Plastiktüte zum Einkaufen, der Verzicht auf To-Go-Kaffeebecher aus Plastik und Pappe und auf Billig-Kleidung, die oft auch nur aus Kunststoff besteht, ist einleuchtend und den meisten wohl auch bekannt. Doch ganz gedankenlos stecken immer mehr Menschen morgens Kaffeekapseln in die Maschine. „Dabei kommen auf drei Gramm Kaffee pro Kapsel sechs Gramm Aluminium – allein dadurch wächst ein neuer großer Müllberg immer weiter an“, sagt Annemarie Matthiesen. Auch beim Anblick von bei Kindergeburtstagen, Stadtfesten und derzeit Faschingsfeiern so beliebten Luftballons denkt sich kaum jemand etwas Böses. Doch: „Die meisten Ballons fliegen nicht weit. Viele ihrer Reste landen auch im Wattboden oder den Mägen von Seevögeln, die dadurch eingehen“, nennt die Expertin ein weiteres erschreckendes Beispiel, das vor der Haustür liegt. 450 Jahre dauere es, bis sich Plastik in der Natur abgebaut habe. Und die Annahme, dass alles Plastik, das in der gelben Tonne oder im gelben Sack landet, wieder verwertet wird, sei ein Irrglaube. „Es sind nur gut 40 Prozent, der überwiegende Teil ist nicht sortenrein und wird verbrannt“, erläutert Annemarie Matthiesen.

Was lässt sich dagegen tun? Müllberge seien kein unabwendbares Schicksal. Der Einfluss, den jeder Konsument hat, sollte stärker genutzt werden. „Durch Verbraucherdruck wurde beispielsweise erreicht, dass Zahnpasta nun ohne Pappschachteln verkauft wird.“ Die Expertin betont: „Auch ein sparsamer Umgang mit Papier ist gefordert, dafür werden Bäume gefällt.“ Beim Kauf von Möbeln, Kleidung, Schuhen und Handtaschen sollte auf Qualität geachtet werden, die Jahrzehntelang hält.

„Sie als Landfrauen sind hervorragende Multiplikatoren, um für das Thema Müllvermeidung zu sensibilisieren“, sagt Annemarie Matthiesen. Und die Niebüller Landfrauen setzen noch während der Versammlung ein Zeichen – mit einer neuen, eigenen, umweltfreundlichen Einkaufstasche. Das erste Exemplar in den Farben grün und schwarz überreicht Jutta Block, stellvertretende Vorsitzende, der Referentin nach ihrem Vortrag.

Jutta Block steht nicht zur Wahl. Dafür aber die Vorsitzende Telse Brodersen. „Ich würde es noch einmal vier Jahre machen“, sagt sie. Andere Vorschläge gibt es nicht, auf geheime Wahl wird verzichtet und die Vorsitzende mit einem einstimmigen Votum und einem herzlichen Applaus in ihrem Amt bestätigt. „Danke für das Vertrauen, ich freue mich auf die kommenden Jahre.“ In den nach dem Kassenbericht entlasteten Vorstand werden danach zwei neue Mitglieder gewählt. Die langjährige Kassenwartin Helga Hansen tritt nicht wieder an, zu ihrer Nachfolgerin wird Inken Christiansen gewählt. Auch Beisitzerin Annegret Lorenzen-Nissen möchte ihr Amt abgeben, zu ihrer Nachfolgerin wird Anne Jacobs gewählt. Beide Neulinge sind erst vor kurzem Mitglieder geworden. Telse Brodersen dankt ihrem neuen Vorstand für sein Engagement mit den Worten: „Zeit, die wir uns nehmen, ist auch Zeit, die uns etwas gibt.“ Danach wird leckerer Kuchen serviert – und Käsebrot. 

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erstellt am 09.Feb.2017 | 06:00 Uhr

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