Landestheater : Zwischen Wut, Frustration und Optimismus

Kein Verständnis für die Absage an einen Theaterneubau: Katrin Schlomm und Johannes Fast.
Kein Verständnis für die Absage an einen Theaterneubau: Katrin Schlomm und Johannes Fast.

Drei Schauspieler über das drohende Aus des Landestheaters.

Miriam Richter von
01. März 2014, 12:00 Uhr

Erschöpfung, Frustration und Wut empfinden die Rendsburger Schauspieler Katrin Schlomm, Johannes Fast und Stefan Hufschmidt, nachdem sie von der Schleswiger Ratsentscheidung gegen einen Theater-Neubau erfahren haben. Dennoch blicken sie optimistisch in die Zukunft – und wollen neue Ideen für den Rendsburger Standort entwickeln.

„Freude schöner Götterfunken“ hatten sie am Donnerstag gemeinsam mit ihren Kollegen vor Beginn der Ratsversammlung angestimmt. Von der hoffnungsfrohen Stimmung war nach der Sitzung nichts mehr übrig. Die Ratsversammlung, die den Plänen eines Theaterneubaus auf dem Schleswiger Hesterberg eine Absage erteilte, bezeichnet der Sprecher der Schauspieler Johannes Fast als „absoluten Tiefpunkt“. Den Kern des Problems brachte für ihn die einstündige Rede des CDU-Fraktionschefs Holger Ley auf den Punkt: „Während seiner Ausführungen wurde die Diskrepanz zwischen dem lauten, emotionalen Haufen vom Theater und dem eiskalten, emotionslosen Monolog eines Politikers deutlich.“ Technokraten hätten über ein emotionales Thema entschieden. Die Schauspieler werfen den Politikern vor, dass es ihnen nicht um Inhalte oder Menschen geht. „Die Leute, die entschieden haben, haben das Theater seit Jahren nicht von innen gesehen“, so Katrin Schlomm. „Uns hat nie jemand gefragt, was wir brauchen, um gutes Theater machen zu können.“

Wie wichtig es für die Mitarbeiter ist, gutes Theater zu machen, zeigten sie durch ihr Engagement. Alle Beschäftigen des Theaters hätten in den letzten Jahren viel Herzblut in ihre Arbeit gesteckt, so Fast. Die Belastung der Schauspieler und übrigen Beschäftigten sei nach der Schließung des Spielorts am Lollfuß im Jahr 2011 stark gestiegen. „Es war eine immer währende Ausnahmesituation“, schildert Fast. Um die Bedeutung des Theaters zu unterstreichen, inszenierte man ein Stück nach dem anderen.

Nach der Ratsentscheidung: Wie geht es mit der Landestheater GmbH weiter? „Wir hoffen, dass die Gesellschaft weiter existieren kann“, so Fast. Das Landestheater hat seiner Meinung nach Schleswig als Standort abgeschrieben. Stefan Hufschmidt regt an, über die Gesellschafterform nachzudenken. „Das Problem ist, dass viele Menschen mitreden, obwohl sie keine Ahnung haben.“

Aus dem Wegfall einer Spielstätte ergibt sich aber auch eine neue Möglichkeit: „Man sollte sich auf Rendsburg konzentrieren und das Theater zum kulturellen Mittelpunkt machen“, so Hufschmidt. Das Theater habe ein erhebliches Potenzial – dieses reiche weit über den herkömmlichen Aufführungsbetrieb hinaus.

Existenzangst haben Katrin Schlomm, Johannes Fast und Stefan Hufschmidt trotz der ungewissen Zukunft des Landestheaters nicht. „Schauspieler sind ein Wandervolk. Wir wissen, dass wir unsere Spielorte wechseln“, sagt Schlomm. Schlimmer sei die Situation für die anderen Berufsgruppen am Theater wie Bühnenbildner oder Handwerker. Von den drei Schauspielern möchte dennoch keiner Rendsburg verlassen. „Ich habe nicht vor, zu gehen“, sagt Schlomm. Hufschmidt stimmt zu. Gerade mit einer Familie sei man froh, wenn man an einem Ort angekommen sei.

Die Schauspieler blicken trotz der angespannten Lage optimistisch in die Zukunft. Das Erlebte müsse verdaut werden, dann gehe es weiter. Als positiven Effekt hat Schlomm ausgemacht, dass alle Mitarbeiter enger zusammengerückt seien. „Wir haben ein neues Gemeinschaftsgefühl entwickelt.“ Trotz der schlechten Nachrichten aus Schleswig ist sich Katrin Schlomm sicher: „Wir machen weiter. Wir wollen gutes Theater machen, darauf kommt es an.“ Die Vorstellungen in Rendsburg sind größtenteils ausverkauft. Abo- und Besucherzahlen steigen. Darauf bauen die drei Schauspieler.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert