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Aus Liebe zur Musik : Zwischen Mozart und Motorhead

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gudrun Meissner (74) sagt über ihren Geschmack: „Ich bin in der Musik nicht festgelegt.“ Mit ihrem Neffen (16) besuchte sie das Wacken Open Air.

Sie ist ein Fan der King’s Singers, hat sich mit dem Lebenslauf von Schostakowitsch beschäftigt und schwärmt von den Konzerten des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Aber: „Ich bin neugierig“, sagt Gudrun Meissner von sich. Deshalb ist die 74-Jährige in diesem Jahr mit ihrem 16-jährigen Neffen zum Wacken Open Air (WOA) gefahren. „Es war für uns beide wunderbar“, berichtet sie begeistert.

„Ich war längst nicht die älteste Besucherin“, sagt die Frau mit den weißen Haaren und dem verschmitzten Lachen. Es war für die zweite Vorsitzende des Rendsburger Musikvereins auch nicht die erste Begegnung mit Heavy Metal. Die liegt etliche Jahre zurück. Damals war sie noch berufstätig und lebte in München. Sie nahm an einem Atem-Coaching teil, weil sie gehört hatte, dass sich damit Angst und Stress minimieren lassen. Zum Rhythmus von Musik sollte durch die Nase ein- und ausgeatmet werden. „Bei mir klappte es weder mit Bach noch mit Mozart, sondern erst mit Heavy Metal“, erinnert sich Gudrun Meissner – ohne dass sie damals wusste, was sich hinter dieser Musikrichtung verbirgt.

Das entdeckte sie erst, als sie Rentnerin wurde, aus familiären Gründen nach Beringstedt zog und sich im Musikverein engagierte. Bekannte machten sie auf das WOA aufmerksam, sie besuchte den Ort zur Festivalzeit und war von der friedlichen Atmosphäre sehr angetan. Als sie mit ihrem damals 12-jährigen Neffen zu dem Metal-Ereignis wollte, hatte sie Organisator Thomas Jensen am Telefon. Der riet ihr ab. „Es kann sehr ruppig werden“ und der Junge dürfe nur in Begleitung Erwachsener auf das Gelände. „Sie nehmen es da mit dem Jugendschutz sehr genau.“ Das schätzt Gudrun Meissner. Im vergangenen Jahr bekam sie keine Karten mehr, erfuhr aber von der Internet-Tauschbörse und hatte Erfolg: Sie konnte ihrem Neffen jetzt Karten zum Geburtstag schenken. Gemeinsam fuhren sie zum Festival. Nach einiger Zeit habe sie sich „abgesetzt“, erzählt Gudrun Meissner, damit der 16-Jährige mit Freunden zusammen die Musik genießen konnte. In Wacken beobachtete sie, dass am Straßenrand Halspastillen verteilt wurden. Das habe seinen guten Grund, weiß die Rentnerin. „Auch Schreien will gelernt sein“, hat sie ihn ihrem Atemkurs erfahren. Ohne die richtige Atemtechnik hätte ein Metal-Sänger nach einem Tag keine Stimme mehr. Ähnlich wie ein Countertenor der King’s Singers – nur dass der mit Kopfstimme singt. Aber eines haben sie gemeinsam: Gudrun Meissner hört beide gerne.

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erstellt am 04.Aug.2014 | 11:45 Uhr

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