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Wirtschaftsraum Rendsburg : Zwischen Hoffen und Bangen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Unternehmen in der Region Rendsburg blicken verhalten optimistisch in die Zukunft. Der Facharbeitermangel und die Einführung des Mindestlohns sorgen für Probleme.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2013 | 17:35 Uhr

Rendsburg | Die deutsche Wirtschaft steht offenbar vor einem guten Jahr. Finanzexperten rechnen mit einem Aufschwung. Auch auf der regionalen Ebene geht man von einer positiven Entwicklung aus, allerdings ist die Erwartungshaltung hier etwas weniger überschwänglich.

Der Geschäftsführer des Unternehmensverbands Mittelholstein, Michael Thomas Fröhlich, spricht von einer „gedämpften Zuversicht“. Als Glücksfall bezeichnet er die Ansiedlung des Unternehmens Max Bögl am Rendsburg Port. Generell sieht er aber klaren Handlungsbedarf beim Stadtmarketing: „Wir brauchen Dampf auf dem Kessel.“ Ein Leitbild und ein Konzept zur Innenstadtbelebung sei erforderlich.

Fröhlich geht davon aus, dass mittelständische Betriebe tiefer in die Tasche greifen müssen. Als Gründe sieht er die Pläne der Großen Koalition mit der Einführung der Mütterrente, des Mindestlohnes von 8,50 Euro ab 2015 und die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren. Fröhlich kritisiert diese Pläne: „Das kann 500 Arbeitsplätze kosten.“ Mit Sorge betrachtet Fröhlich ebenfalls den Mindestlohn des Landes in Höhe von 9,18 Euro. Dieser führe dazu, dass Jugendliche keine Ausbildung machen, sondern gleich arbeiten würden. Schließlich gibt es während der Ausbildung 500 bis 600 Euro zu verdienen, aufgrund des Mindestlohnes aber gleich 1400 Euro Gehalt. Was auf den ersten Blick reizvoll klingt, ist für die Betriebe im Land ein großes Problem: der Fachkräftemangel. Mit der Integration von Menschen mit Handicaps und Migrationshintergrund, älteren Arbeitslosen und der Karriereförderung von Frauen soll diesem Problem begegnet werden.

Das Thema Fachkräftemangel in der Region beschäftigt den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Pascal Ledune, ebenfalls. „Wir werben zu wenig mit der Attraktivität und der Lebensqualität von Schleswig-Holstein.“ Er habe mit Unternehmen gesprochen, die mit diesen Punkten in Stellenanzeigen werben und erfolgreich neues Personal gefunden hätten. Ledune ist davon überzeugt, dass die Ansiedlung von Bögl positive Signale an die Wirtschaft senden wird. Die Firma aus Bayern stehe für Qualität und es sei sehr gut für die Region, dass sie sich am Südufer des Kanals ansiedele. Seiner Meinung nach wird die neue Niederlassung Aufmerksamkeit bei weiteren potenziellen Interessenten für den Wirtschaftsraum hervorrufen. Ledune wird weiterhin 2014 für die Region werben: „Rendsburg und seine Umgebung sind nach wie vor ein guter Standort.“

Stetigkeit und Verlässlichkeit in Sachen Energiepolitik wünscht sich Gabriele Bahr, kaufmännische Leiterin bei den Stadtwerken Rendsburg: „Denn nur dann können auch wir konkret planen. Es sollte keine großen Kehrtwendungen mehr geben.“ Im Rückblick auf das Jahr 2013 kommen Bahr für die Region vor allem die teilweise chaotischen Verkehrsbedingungen in den Sinn. Doch Brücken- und Tunnelprobleme beeinträchtigten die Stadtwerke nur sekundär. „Als Energie- und Wasserversorger sind wir zum Glück eher leitungsgebunden, aber auch mit unseren Zulieferern hatten wir nur wenig Probleme“, betont Bahr. Die Lagerhaltung sei bei den Stadtwerken so ausgelegt, dass sie auch für den Notfall gerüstet sind. Für das Jahr 2014 planen die Stadtwerke Investitionen in Höhe von rund fünf Millionen Euro, die überwiegend in der Region bleiben. Das Geld fließt unter anderem in Leitungsbau, Modernisierungen und die weitere Umrüstung der Umspannstationen, damit in diese auch der Strom von Photovoltaik-Anlagen eingespeist werden kann. „Außerdem wäre es für uns als Stadtwerke Rendsburg wichtig, dass die Innenstadt eine Wiederbelebung erfährt – natürlich auch, damit wir auch dort wieder Energie umsetzen können.“

Als „verhalten optimistisch“ bezeichnet der Centerleiter Andreas Kulawik von „Süverkrüp + Ahrendt“ (Mercedes-Benz) die Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung: „Wir haben keinen Grund zum Pessimismus.“ Die Bäume würden zwar nicht mehr in den Himmel wachsen, aber er erhoffe sich für 2014 durchaus gute Geschäfte. Seit 2010 habe sich die Firma positiv entwickelt. „Es ist ein harter Kampf, aber wir haben es geschafft.“ Kulawik glaubt nicht, dass Entscheidungen der Großen Koalition sich negativ auf den Absatz von Fahrzeugen auswirken werden. „Selbst wenn die Maut kommt, gibt es andere Vergünstigungen.“

Rainer Fournell von der Tischlerei Fournell erhofft sich 2014 einen neuen Aufschwung: „2013 war nicht so üppig.“ Vor allem soll der Aufschwung endlich auch in Schleswig-Holstein ankommen. „Bisher haben wir im Land nicht viel davon mitbekommen. Hamburg wirkt wie ein Nadelöhr.“ Fournell wünscht sich, dass sich die Zahlungsmoral der Menschen ändert. „Es ist nicht schön, wenn man seinen Rechnungen hinterherlaufen muss.“

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