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Zwischen Gardinenstoff und Bettzeug: „Wohnzimmerlesung“ im Modehaus

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wenn Gerhard Henschel über sein Leben schreibt, dann nicht in einer 200-seitigen Biografie, sondern gleich in mehreren über 500 Seiten starken Bänden. Offiziell geht es zwar um Martin Schlosser, „aber zwischen ihm und mir gibt es vielerlei Parallelen“, erklärt der Autor augenzwinkernd und nimmt die Zuhörer mit in seine Vergangenheit.

So geschehen am Donnerstagabend in der ersten von fünf „Wohnzimmerlesungen“, organisiert vom Nordkolleg. Bei I.D. Sievers entstand zwar zwischen Stoffmustern für Gardinen und dem Tresen des Bistros keine richtige Wohnzimmeratmosphäre, gemütlich und vor allem exklusiv war es aber im sonst menschenleeren Modehaus nach Ladenschluss trotzdem. Rund 20 Gäste hatten sich bei der Auftaktveranstaltung eingefunden und waren begeistert: „Ich sitze hier mit Dauerschmunzeln“, sagte Regine Jäckel aus Rendsburg, und vielen anderen Besuchern ging es offensichtlich ähnlich, als Henschel seine Jugendsünden Revue passieren ließ.

So schilderte er mit einer Genauigkeit, als wäre es gestern gewesen, wie er als Kind seinen Matchbox-Fuhrpark durch Diebstähle erweiterte, bis er schließlich auf frischer Tat ertappt wurde. Die anschließende Vernehmung durch die Polizei und vor allem das wortgewaltige Donnerwetter seiner Mutter kam dem Autor dabei so wutschnaubend und überzeugend über die Lippen, dass man als Zuhörer beinahe selbst ein schlechtes Gewissen bekam.

Die vielen Anekdoten und Details aus den 70-ern hat Henschel unter anderem noch parat, weil er damals fünf Jahre lang eine Familienzeitung herausgab: „Der Monat – Nachrichtenmagazin der Familie Henschel und Verwandtschaft.“ Auflage: eins. Die alten Exemplare helfen ihm nun, zu rekonstruieren, wann der Hamster Junge bekam, wie der Urlaub der Verwandten war und was sonst Wichtiges passiert ist. Mit diesen Infos und noch einem Haufen weiterer recherchierter Materialien schreibt Henschel nun Bücher. Nach fünf Bänden ist der 52-Jährige aber erst in den Achtzigern angekommen. Das nächste Buch, der „Künstlerroman“, ist schon halb fertig. „Wenn der Verlag weiter mitspielt, könnte ich mich mit 75 Jahren eingeholt haben.“

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