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Im Gespräch : „Zwei Standorte schwächen die Truppe“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Rendsburger Feuerwache platzt aus allen Nähten: Ein Experte der Feuerwehr-Unfallkasse beschreibt die Enge, sagt aber auch, dass das Ausgliedern von Fahrzeugen keinen Sinn macht.

Die Hanseatische Feuerwehr-Unfallkasse Nord kümmert sich um Arbeitsunfälle von Feuerwehrangehörigen und ist auch in der Unfallverhütung aktiv. Ist eine Feuerwache zu beengt oder durch andere Mängel nicht mehr sicher, kann der Unfallversicherungsträger Ersatzmaßnahmen fordern oder sogar Zwangsmaßnahmen anordnen. Von der Feuerwache an der Herrenstraße heißt es seit Jahren immer wieder, dass sie „aus allen Nähten platzt“. Redaktionsmitglied Frank Höfer sprach mit Jürgen Kalweit, Sachgebietsleiter Prävention bei der Feuerwehr-Unfallkasse in Kiel, über die Mängel.

Herr Kalweit, was kritisieren sie an der Rendsburger Feuerwache?

Es gibt viele kleine Mängel, aber keine, die so gravierend sind, dass wir Anordnungen treffen mussten, die wesentlich in den Dienstbetrieb der Feuerwehr eingreifen. Das vielleicht größte Problem ist das zu kleine Feuerwehrhaus. Es passt zwar alles hinein, aber bei den beiden größten Fahrzeugen bleiben zwischen Dach-Oberkante und Tor-Unterkante nur acht Zentimeter Luft. 20 Zentimeter müssten es sein. Wir haben es mit Fahrzeugen zu tun, die aufgrund des großen Gesamtfederwegs beim Anfahren und Bremsen aufschaukeln und am Hallentor an der Decke hängen bleiben könnten. Wenn der Fahrer darauf in der Eile nicht achtet, kann es sein, dass er mit dem Fahrzeug am Tor hängen bleibt und gar nicht mehr einsatzbereit ist. Auch seitlich sollte der Abstand zu den Toren groß genug sein, damit niemand eingequetscht wird. Das ist anderswo leider schon vorgekommen. Die Rendsburger Wache hat gesonderte Türen für Personen – da ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Unfals gering.

Aus der Politik kommt die Idee, die größten Lösch- oder Leiterfahrzeuge auszugliedern, zum Beispiel in ehemaligen Kasernen. Würde das die Lage entspannen?

Was die Unfallverhütung angeht, macht dieser Schritt sicher Sinn. Einsatztaktisch jedoch nicht. Zwei Standorte, die womöglich kilometerweit auseinander liegen, schwächen die gesamte Truppe. Wenn alle Fahrzeuge an einem Standort stehen, können die Mannschaftsstärken effektiver und schneller verteilt werden.

Was fehlt der Feuerwache an der Herrenstraße sonst noch?

Wichtig ist für uns auch, ob die Feuerwehrangehörigen schnell zur Feuerwache kommen können. Werden sie ihr Auto schnell los? Es kommt ja bei jeder Alarmierung auf Sekunden an. Das Parkhaus in Rendsburg ist relativ eng. In der Feuerwache selbst sind die Mängel seit Jahren bekannt: Es fehlen ausreichend Lagerflächen, und auch die Umkleide- und Duschmöglichkeiten sind alles andere als ideal.

Wie oft kommt es vor, dass die Unfallkasse einer Kommune Auflagen in Form von Anordnungen macht und dadurch den Neubau einer besseren Wache gleichsam erzwingt?

Es kommt nicht allzu häufig vor. Es ist immer ein Abwägen zwischen der Gefährdungslage im Feuerwehrhaus und der Willigkeit einer Kommune. Viele sind ja hochverschuldet, Rendsburg ist da kein Einzelfall.

Wie lange geben Sie der Rendsburger Politik denn noch Zeit, um die Situation grundlegend zu verbessern?

Mitte Dezember des letzten Jahres haben wir die Übergangsfrist bis Ende 2015 verlängert. Das bedeutet aber nicht, dass wir bis dahin nichts unternehmen werden. Wahrscheinlich noch in diesem Jahr wird es die nächste Besichtigung geben, sofern uns keine merkbaren Änderungen mitgeteilt werden . Die letzte fand 2010 statt. Häufigere Vor-Ort-Besuche sind aus personellen Gründen nicht zu schaffen, da sich bei uns fünf Leute um 2400 Feuerwehren in den drei norddeutschen Bundesländern kümmern.

Finden die Besichtigungen ohne Anmeldung statt?

Leider nicht. Immer nur nach vorheriger Absprache. Dann hat man Zeit, ein paar Dinge aus dem Weg zu räumen. Es kommt durchaus vor, dass uns Feuerwehrangehörige anonym Fotos von eklatanten Gefahrenpunkten schicken. Säcke mit Ölbindemitteln oder Klapptische und -bänke , die dort stehen, wo sie keinesfalls stehen sollten, und andere Stolperfallen. Wobei ich an dieser Stelle betonen muss, dass das bei der Rendsburger Feuerwehr noch nie der Fall war.

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erstellt am 28.Feb.2014 | 10:57 Uhr

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