Rendsburg : Zwei Krimi-Stars auf einer Bühne

Fröhlicher Austausch am Ende der Lesung: Stephan Opitz (Seminarleitung), Kjell Westö, Håkan Nesser und Übersetzerin Christel Hildebrandt (von links).
Fröhlicher Austausch am Ende der Lesung: Stephan Opitz (Seminarleitung), Kjell Westö, Håkan Nesser und Übersetzerin Christel Hildebrandt (von links).

Håkan Nesser und Kjell Westö lasen im Nordkolleg aus ihren Werken: „Immer schön cool bleiben, mein Junge“.

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10. März 2014, 06:00 Uhr

Wenn die Protagonisten skandinavischer Krimis eines nicht sind, dann ist es cool. Sie sind Helden mit Problemen, mit Ecken und Kanten. Und nicht alles, was skandinavische Krimiautoren zu Papier bringen, ist ein Krimi. Das wurde am Sonnabendabend im Nordkolleg deutlich, als Håkan Nesser und Kjell Westö aus ihren Werken lasen.

Aus ganz Schleswig-Holstein waren die rund 140 Besucher gekommen. Schließlich war es ein besonderes Ereignis: Zwei bekannte Autoren an einem Abend, noch dazu zwei, die sich gegenseitig kennen und schätzen. Stephan Opitz, Seminar-Leiter und profunder Kenner der skandinavischen Literaturszene, hatte sie ins Nordkolleg eingeladen.

Der eine oder andere Gast gestand allerdings verschämt: „Westö – kenn’ ich nicht.“ Nun, das änderte sich. Der vielfach preisgekrönte Finnlandschwede las seine Texte im Original, Opitz die deutsche Version. Eine Kurzpräsention und Auszüge des neuesten Buches machen Lust auf mehr: „Geh nicht einsam in die Nacht“ erzählt von Helsinki in den 68-ern und vom Anti-Helden Ariel. Dieser stottert – und bekommt bei der Begegnung mit Jimi Hendrix kein Wort heraus, worauf dieser ihm auf die Schulter klopft: „Immer schön cool bleiben, mein Junge.“

Der Publikumsmagnet war jedoch eindeutig Håkan Nesser. München, Stuttgart und Leipziger Buchmesse stehen noch auf dem Tourplan des Schweden. Und davor Rendsburg. Gemeinsam mit Übersetzerin Christel Hildebrandt las der Autor aus seinem neuesten Buch: „Himmel über London.“ Die Hamburgerin Hildebrandt hat einen Großteil der Nesser-Bücher übersetzt und schätzt die Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller sehr. „Das Besondere an Håkan Nesser ist die Sprache, ist die Ruhe zwischen den Sätzen“, erklärte sie ihre Begeisterung.

Nach einigen Passagen aus dem neuen Buch stellte Christel Hildebrandt klar: „Es ist kein Krimi.“ Es gehört zu einem neuen Projekt, zu einer Reihe von Stadtbüchern. So hatten Nesser und seine Familie einige Zeit in New York gelebt: „Die Perspektive des Gärtners“ machte daher den Anfang, gefolgt vom London-Buch. Eines über Berlin ist in Arbeit. „Die Leute lieben oder hassen es“, weiß die Übersetzerin vom London-Roman. Aber: „Es lohnt sich, bleiben Sie dran“, empfahl sie – und am Ende der Lesung hielten etliche Besucher das Buch in der Hand, um es vom Autoren signieren zu lassen.

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