Zwei Kanzeln und ein Todesfall

Die Kanzel heute - seit 1621 schmückt sie den Innenraum der St.-Marien-Kirche.  Foto: hehnen
Die Kanzel heute - seit 1621 schmückt sie den Innenraum der St.-Marien-Kirche. Foto: hehnen

725 Jahre Marien-Kirche: Ein nächtliches Unglück gehört zur bewegten Geschichte des Gotteshauses

shz.de von
11. Mai 2012, 09:18 Uhr

Rendsburg | Wer in der St.-Marien-Kirche vor der Kanzel stehen bleibt und genau hinschaut, der ist von der Pracht der Verzierungen und der detaillierten Schnitzereien fasziniert. Erst nach und nach nimmt das Auge des Betrachters die Botschaften wahr, wenn er einzelne Aspekte der Schnitzereien genauer betrachtet. Da gibt es zum Beispiel die sieben Bildtafeln, die die wichtigsten Heilsereignisse wie die Ankündigung der Geburt Jesu oder die Kreuzigung zeigen. Oder den reich verzierten Schalldeckel über der Kanzel. Hans Peper, Bildschnitzer aus Rendsburg, hat der Kanzel dieses einzigartige Gesicht gegeben. Seit 1621 schmückt sie den Innenraum der St.-Marien-Kirche.

Eigentlich war der Bau dieser Kanzel aber gar nicht geplant. Ein unglücklicher Zufall führte zu ihrer Entstehung. Aber der Reihe nach: 1597 stiftete Peter Gude der St.-Marien-Kirche eine neue Kanzel, ebenfalls erstellt vom Künstler Hans Peper. 25 Jahre tat diese ihren Dienst. Aber im Jahre 1619 kam es zu einem Aufsehen erregenden Vorfall in der Kirche. Michael Gude, der Sohn des Stifters der Kanzel, war verstorben. Die Gudesche Grabkammer in der Kirche musste geöffnet werden. Diese befand sich in der Nähe des mittleren Südpfeilers bei der Kanzel. In der Nacht passierte dann das Unglück. Der Pfeiler stürzte ein und riss Kanzelteile und ganze Gewölbeteile mit in die Tiefe. Repariert werden konnte die Kanzel nicht mehr. Zu stark war sie beschädigt. Also musste eine neue in Auftrag gegeben werden, nach altem Vorbild. Und die Kirche entschied, dass die Erben den Schaden bezahlen müssten. Also stiftete Familie Gude erneut eine Kanzel, wieder erstellt von Hans Peper nach dem Bild der zerstörten Kanzel. Seit dieser Zeit hält sie. Nur die Lage der Kanzel ist verändert worden. Der mittlere Aufsatz des Schalldeckels erinnert noch immer an die Stifter, die Familie Gude. Denn dort ist das Gudesche Familienwappen mit der Inschrift "Soli Deo Gloria" verewigt.

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