Rendsburger Politik : Zwei führende Köpfe hören bald auf

Karin Wiemer-Hinz ist Lehrerin an der Grundschule Mastbrook, ihr Mann Helge Hinz Verbandsreferent bei der Arbeiterwohlfahrt.
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Karin Wiemer-Hinz ist Lehrerin an der Grundschule Mastbrook, ihr Mann Helge Hinz Verbandsreferent bei der Arbeiterwohlfahrt.

Stadtpräsidentin Karin Wiemer-Hinz und ihr Mann, der Senatsvorsitzende Helge Hinz, ziehen einen Schlussstrich.

shz.de von
27. Januar 2018, 08:00 Uhr

Seit mehr als 25 Jahren gehören sie zu den prägenden Köpfen in der Rendsburger Ortspolitik: Jetzt wollen Stadtpräsidentin Karin Wiemer-Hinz (59) und ihr Ehemann, Senatsvorsitzender Helge Hinz (62), einen Schlussstrich ziehen. Zur Kommunalwahl am 6. Mai treten die Abgeordneten („Soziales Rendsburg“), die noch immer Parteimitglied in der SPD sind, nicht wieder an. Das Paar zieht sich komplett aus der Politik zurück.

Als Hauptgrund geben beide die schlechter gewordene Atmosphäre zwischen den Fraktionen und Politikern an. Das Misstrauen untereinander, so Helge Hinz, habe in den vergangenen Jahren leider zugenommen. „Ich komme mit vielen noch immer gut aus. Aber es gibt einige, mit denen ich nicht an einem Tisch sitzen wollte, um ein Bier zu trinken.“ Angebote anderer Fraktionen, die Seite zu wechseln, schlug Hinz nach langer Bedenkzeit aus. Die CDU und die Grünen waren Optionen. Für seine Frau kam der Übertritt in eine andere Partei überhaupt nicht in Frage. „Ich bin überzeugte Sozialdemokratin.“

Auch für das erst vor zwei Jahren gebildete „Soziale Rendsburg“ sahen die Eheleute keine Zukunft mehr. „Wir hätten für ein ordentliches Ergebnis alle 16 Wahlbezirke besetzen müssen.“

Karin Wiemer-Hinz kritisiert das Verhältnis der Politiker untereinander ebenfalls scharf. „Die Auseinandersetzungen werden zum Teil so emotional geführt, dass es zu Angriffen kommt, die mit der Sache nichts mehr zu tun haben.“ Auch früher sei gestritten worden, erinnert sich die Lehrerin. „Aber die Sache stand immer im Vordergrund.“

Drei Bürgermeister haben Karin Wiemer-Hinz und Helge Hinz als Lokalpolitiker erlebt: Rolf Teucher, Andreas Breitner und Pierre Gilgenast. Lange Zeit fungierten sie als SPD-Fraktionsvorsitzende – Wiemer-Hinz von 1998 bis 2008, Hinz von 2008 bis 2016. Wiemer-Hinz ist seit 2008 Bürgervorsteherin bzw. Stadtpräsidentin, Hinz führte 14 Jahre lang den Sozialausschuss an. Die Fortschritte im Kindergartenbereich geben beide als größten politischen Erfolg an. „Es war eine Zeit, da hatte die Kinderbetreuung noch gar nicht diesen Wert.“ Ihr größter Fehler sei gewesen, dem Verkauf der Rendsburger Wohnungsbaugesellschaft zuzustimmen. Bald hat das Paar mehr Zeit für zwei Hobbys: die Kaninchenzucht und ein großes Wohnmobil. Und für die zweijährige Enkelin. Sie kam genau an dem Tag zur Welt, als auch „Soziales Rendsburg“ geboren wurde.

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