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Zuwendung und Spenden für Kinder in Afrika

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

HeLa-Abordnung besuchte „ihr“ Kinderheim in Benin

shz.de von
erstellt am 26.Aug.2013 | 00:37 Uhr

180 000 Euro – diese stolze Summe ist seit 1990 aus Rendsburg in eine arme Stadt im westafrikanischen Benin „gewandert“. Mit dem Erlös seines jährlichen Weihnachtsbasars unterstützt das Helene-Lange-Gymnasium das Kinderheim „Pouponnière“ in Ouidah, einer 80 000-Einwohner-Stadt in der Nähe der Grenze zu Togo. Jetzt hat eine Delegation der Schule mit dem Lehrer Thies Nordmann (Foto) sowie den Schülern Sarah Koop und Maximilian Kecht ihren Schützlingen einen Besuch abgestattet, um sich zu überzeugen, dass das Geld gut angelegt wurde.

Herr Nordmann, erzählen Sie doch einmal, wie es zu dieser ungewöhnlichen Verbindung gekommen ist.

Der Kontakt kam seinerzeit durch Uve Hansen, einen ehemaligen Lehrer der Schule, zustande, der das Kinderheim auf einer privaten Reise kennen lernte. Seitdem kommen die Erlöse des Weihnachtsbasars dem Heim zugute. Zusätzlich wird es durch den von Hansen gegründeten Verein der „Freunde der Pouponnière“ unterstützt, dessen Vorsitz ich im Oktober 2012 übernommen habe. Insgesamt wird die „Pouponnière“ 2013 mit 16 000 Euro durch die HeLa und den Verein unterstützt. Uve Hansen besuchte das Kinderheim 2004 und 2006, damals begleitet von einem Schüler.

Wie kam es zu der aktuellen Reise?

Im Dezember 2012 habe ich mit der Schülervertretung, die den Basar organisiert, beschlossen, endlich einmal wieder nach Ouidah aufzubrechen, um mir persönlich ein Bild von der Entwicklung des Kinderheims zu machen. Die Vorbereitungen der Reise, besonders das Gewinnen von Sponsoren, nahmen Winter und Frühjahr in Anspruch, Spenden- und Vereinsgelder konnten natürlich zur Finanzierung nicht verwendet werden.

Wie waren Sie untergebracht und welche Verhältnisse haben Sie in Ouidah vorgefunden?

Mit den zwei von der Schülervertretung ausgewählten Schülern des 13. Jahrgangs wohnte ich bei Gabriele Gbégnonvi, einer Angestellten der deutschen Botschaft, und ihrem Mann, die in Ouidah in der Nähe des Kinderheims leben. Benin ist ein sehr armes Land, es belegt Platz 167 auf dem Human Development Index bei insgesamt 187 verzeichneten Ländern, obwohl es Jahrzehnte von Bürgerkriegen verschont wurde. Die Straßen sind voll von Menschen, besonders Frauen und Kindern, die etwas verkaufen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Infrastruktur zerfällt zusehends. Die meisten Menschen sind jeden Tag mit dem Kampf ums Überleben beschäftigt. Dennoch begegneten sie uns unglaublich freundlich und offen.

Wie geht es den Jungen und Mädchen in „Ihrem“ Kinderheim?

Wir haben das Heim fast jeden Tag mehrere Stunden besucht, um am Alltag der Kinder teilzunehmen, mit ihnen zu spielen, zu malen, zu basteln und menschliche Zuwendung zu geben. Wir haben eine Spende von 4000 Euro, Kleidung, Schul- und Bastelmaterialien übergeben. Im Heim leben 43 Kinder. Sie werden von zwei Schwestern des Ordens „Notre Dame des Apotres“ betreut, der Leiterin Soeur Odile und Soeur Danielle. Die Kinder wurden aufgenommen, weil ihre Mütter bei der Geburt starben, schwer erkrankt sind oder die Situation in der Familie ein Leben dort nicht zulässt. Oft kommen diese Kinder völlig unterernährt. Die ältesten Mädchen sind 16 bis 18 Jahre alt und erhalten eine Ausbildung zur Schneiderin oder Friseurin. Bei Kindern ab fünf Jahren wird auf eine gute Schulausbildung geachtet; die älteren besuchen Internate, die Schulgeld kosten. Um den Kindern eine Zukunft zu ermöglichen, haben sich die Schwestern trotz der Kosten von 600 Euro pro Kind im Jahr für diesen Weg entschieden. Seit 2009 wurde in der „Pouponnière“ eine Krankenstation aufgebaut, die auch von den Einwohnern der Stadt Ouidah gut angenommen und zunehmend zu einer Einnahmequelle wird.

Welches Fazit ziehen Sie nach der Reise? Und wie soll es weitergehen?

Die „Pouponnière“ bestreitet rund 80 Prozent ihres Etats aus Spenden, wobei die Spenden der HeLa 35 bis 40 Prozent ausmachen. Es war beeindruckend zu sehen, wie gut sich das Heim trotz der widrigen Umstände, besonders bei der fehlenden Unterstützung des Staates, entwickelt hat. Wir hoffen, dass die Beziehung auch in den nächsten Jahren bestehen bleibt, denn durch Frau Gbègnonvi kommt jeder Euro in Ouidah an, nichts geht durch Verwaltungskosten oder Korruption verloren. Danken möchten wir unseren 13 Sponsoren. Ein Informationsabend, bei dem wir über unsere Reise berichten, wird am 17. September stattfinden. Und der nächste Basar ist wieder am Freitag vor dem 1. Advent, dem 29. November.


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