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die Pläne von Sabine Kaack : Zurück zu den Wurzeln

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In Nortorf ist sie aufgewachsen. Und jetzt zurück gekehrt. Schauspielerin Sabine Kaack erzählt von ihren plattdeutschen Plänen, anderen Projekten für die Zukunft und dem Zusammenhalt mit ihren Schulfreundinnen.

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erstellt am 13.Mär.2015 | 20:03 Uhr

Das Eiscafé am Nortorfer Marktplatz gab es während ihrer Mädchenjahre noch nicht. Damals war in dem Gebäude die Meierei, schräg gegenüber hatte ihr Onkel ein Geschäft. Sabine Kaack erinnert sich noch daran, wie mit einer Milchkanne eingekauft wurde. In Nortorf ist sie aufgewachsen. Ihre Wurzeln hat die Schauspielerin nie verleugnet, höchstens etwas vergessen – wie die plattdeutsche Sprache. Nun hat Sabine Kaack Berlin den Rücken gekehrt, lebt seit Ende 2013 wieder im Norden. Warum? „Es ist meine Heimat“, sagt sie ganz unprätentiös. Sie schnackt wieder Platt und hat viele Pläne für die Zukunft.

„Plattdeutsch ist meine Muttersprache“, erklärt Sabine Kaack und schwärmt: „Es ist einfach wunderschön.“ In ihrer Kindheit wurde es allerdings von der Schule nicht gern gesehen, wenn die Kinder Niederdeutsch sprachen. „Die Lehrer hatten Angst, dass wir dann durcheinander kommen“, erinnert sie sich und schüttelt heute ungläubig den Kopf über diese Annahme. Also sprach ihre Großmutter heimlich mit ihr Platt. Der Beruf führte die Schauspielerin dann an viele Orte, Hochdeutsch war angesagt. Aber die Erinnerung blieb.

Heute führt sie das Plattdeutsche an viele Orte in Schleswig-Holstein. „Moin moin“, begrüßt sie fröhlich ihr Publikum. Sabine Kaack freut sich, ganz in ihrer Nachbarschaft auftreten zu können – im Landgasthof von Groß Vollstedt. Die Gäste sind gespannt. Viele kennen die Schauspielerin aus der Erfolgsserie „Diese Drombuschs“ und schnacken zu Hause selber Platt. Seit gut zwei Jahren tourt Sabine Kaack „Över’t Land“, so der Titel von Programm und Buch. Die Idee hatte nach und nach Gestalt angenommen. „Viele lesen Plattdeutsch“, erklärt die Nortorferin, „aber meist ihre eigenen Erzählungen.“ Sie wollte hingegen den Blick darauf lenken, was für schöne Geschichten und Gedichte von Schriftstellern wie Waltrud Bruhn, Theodor Storm, Jep Nissen Andersen, Klaus Groth und Paul Trede verfasst wurden. Die Verlegerin Gabi Wachholtz unterstützte das Projekt, der Maler Klaus Fußmann („Mein Nachbar in Berlin“) steuerte Bilder bei und Sabine Kaack las einige Titel auf eine CD ein, die dem Buch beiliegt.

Es ist ein Vergnügen, ihr zuzuhören. Ob es mit Ludwig Frahm „In’t Redder“ geht oder ob man mit Johann Hinrich Fehrs „De Spinnfru“ begegnet – immer verleiht sie den Erzählungen durch die Modulation ihrer Stimme das gewisse Etwas, so dass die Umgebung vergessen ist und Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. „Einige der Begriffe sind ja anders als bei uns“, bemerkt das fachkundige Publikum in Groß Vollstedt. Aber das macht nichts, denn die Atmosphäre, die Sabine Kaack mit ihrer Stimme erzeugt, zieht alle in den Bann. Begleitet wird sie von einem jungen Musiker aus Kaaks im Kreis Steinburg. Ben Heuer hat einen kleinen Koffer voller Mundharmonikas dabei und unterstützt die erfahrene Akteurin kongenial.

„Er könnte mein Sohn sein“, sagt die 57-Jährige von dem Musiker, der 2009 im baden-württembergischen Trossingen beim „World Harmonica Championship“ den dritten Platz erreicht hat. Sie fördert den 23-Jährigen gerne, ist begeistert von seinem Können. Ihr eigener Sohn Pelle (21) lebt nach der Trennung von ihrem Mann und ihrer Rückkehr nach Nortorf nach wie vor in Berlin.

Sie vermisst die Großstadt nicht. Aber reist nach wie vor viel. Obwohl sie sagt: „Ich bin gerne in der Region und froh, wenn ich nicht so oft unterwegs sein muss.“ Schließlich möchte sie auch das neue Nortorfer Domizil – ein Haus aus den 50er-Jahren – genießen. „Ich bin hier zu Hause“, betont sie. Im Garten möchte sie eigenhändig arbeiten, und den Job nicht einem Gärtner überlassen. Dann sind da noch die Doppelkopf-Runden mit ihren Freundinnen, die sie nicht verpassen möchte. Es sind Verbindungen aus der Grund- und Realschulzeit, die über all die Jahre nicht abgerissen sind. Der Großteil der 18 Frauen lebt in Nortorf und Umgebung. Sie haben sich gesehen, wenn die Schauspielerin auf Heimatbesuch war. Oder die Frauen sind zu Premieren nach Berlin, Hamburg oder Düsseldorf gereist. Wenn es Probleme gab, haben sie einander mit Rat und Tat zur Seite gestanden. „Wir sind ganz dicke“, lacht Sabine Kaack und ist sich bewusst, mit diesem Freundeskreis einen Schatz zu haben.

Freundin Karin war es, die ihr geholfen hat, die Plattdeutsch-Kenntnisse wieder zur reaktivieren – indem sie als „Lehrerin“ ihre Mutter Gertrud Thietje vermittelt hat. Die Schauspielerin hat es genossen, im Wohnzimmer mit der 85-Jährigen zu sitzen und die alte Sprache wieder neu zu lernen. Und die Sitzungen haben sie inspiriert. Im Eiscafé sprüht sie Lebenslust, wenn sie von ihren Plänen erzählt. Sie würde gerne ein Buch mit Geschichten von Hans-Heinrich Rottgardt herausgeben, einem geborenen Nortorfer, der als Kind nach Neumünster kam und von dem nur noch ältere Buchausgaben existieren. Aber da sind ja auch die von ihr konzipierten Literaturkonzerte, Auftritte beim Moselfestival in Bad Saarburg – und ihr neuestes Standbein, das Coaching in Körpersprache und Stimme für Frauen. Wie hervorragend sie mit ihrer Stimme arbeiten kann, beweisen ihre Lesungen. Sabine Kaack ist sich noch nicht sicher, wie sie alles unter einen Hut bekommen wird. Aber sie möchte es noch schaffen in diesem Leben.

Lebenslauf

> Geboren am 20. Februar 1958 in Neumünster, aufgewachsen in Nortorf

> Mit 14 Jahren von der Schauspielerin Helga Feddersen entdeckt

> 1975 Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg, 1978 Abschlussdiplom

> „Diese Drombuschs“ schrieben Fernsehgeschichte, Sabine Kaack spielte die selbstbewusste Tochter Marion

> Weitere Hauptrollen in „Die Camper“, „Neues vom Süderhof“, „Soko 5113“, „Da kommt Kalle“

> Preisgekrönte Kinofilme: „Tiger Löwe Panther“, „Die Katze“, „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“

> 2012 Herausgabe des Buches „Över’t Land“ beim Wachholtz Verlag und Lesetouren mit den plattdeutschen Texten

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