Einsatz auf den Philippinen : Zurück aus der Hölle nach dem Taifun

Nachschub: Bernd Laarsen füllt Trinkwasserbehälter für die Menschen in dem Camp.
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Nachschub: Bernd Laarsen füllt Trinkwasserbehälter für die Menschen in dem Camp.

Der Rendsburger Bernd Laarsen berichtet von seinem Einsatz auf den Philippinen. Er sagt: „Bei uns fallen bei Sturm vielleicht ein paar Dachziegel herunter. Bei dem Taifun auf den Philippinen sind reihenweise die Blechhütten durch die Luft geflogen“

shz.de von
28. November 2013, 00:33 Uhr

Bilder und Berichte über die Katastrophe, die der Taifun „Haiyan“ auf den Philippinen ausgelöst hat, beherrschen seit Wochen die Medien. Helfer aus aller Welt sind im Einsatz, darunter auch Bernd Laarsen. Jetzt kehrte der Rendsburger von seinem Hilfseinsatz auf der Insel Leyte zurück – mit vielen Eindrücken.

„Es ist alles völlig zerstört, weitaus mehr, als die Fernsehbilder zeigen“, schildert er die Zustände in der 63.000-Einwohner-Stadt Palo. Hier hat Laarsen eine Woche lang ein medizinisches Team der I.S.A.R. Germany in einem Feldlazarett unterstützt. Er managte das Camp, kümmerte sich um die Bereitstellung von Trinkwasser und half beim Transport von Verletzten. „Knochenbrüche, Schnittverletzungen und Kopfwunden – damit hatten die Ärzte und Sanitäter hauptsächlich zu tun“, berichtete Laarsen. Viele der Verletzungen seien durch umherfliegende Blechteile verursacht worden. „Bei uns fallen bei Sturm vielleicht ein paar Dachziegel herunter. Bei dem Taifun auf den Philippinen sind reihenweise die Blechhütten durch die Luft geflogen“, machte der „I.S.A.R.“-Helfer die Zerstörungskraft des Tropensturms deutlich.

Beeindruckt zeigte sich Laarsen von dem großen Einsatz der betroffenen Menschen in Palo. So hätten die örtlichen Sanitätskräfte den Transport von Verletzten in das 20 Kilometer entfernte Krankenhaus in Tacloban übernommen. „Ihr Krankenwagen war durch den Taifun stark beschädigt worden und hatte keine Scheiben mehr.“

Die Menschen in Palo seien überaus dankbar für die medizinische Hilfe gewesen. „Sie haben uns regelrecht angehimmelt.“ Eine Woche war Bernd Laarsen in dem Feldlazarett neben einer Kirche in Palo. Auch in dem Katastropheneinsatz habe es feste Dienstzeiten von 8 bis 17 Uhr gegeben. „Dann war man auch fertig“, stellte Laarsen fest. Nicht so sehr die Lufttemperatur von 30 Grad, sondern die hohe Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent habe den Helfern zugesetzt.

Das Camp hätten die Helfer kaum einmal verlassen. Schon ab 20 Uhr galt ein polizeilich überwachtes Ausgehverbot in der Stadt, um Plünderungen zu verhindern.

Hinter dem Camp habe es ein kleineres Massengrab gegeben, in dem nach und nach die Opfer des Taifuns beerdigt wurden, berichtete Laarsen. Leichen an den Straßen habe er nur ganz vereinzelt noch gesehen.

Trotz der fast unbeschreiblichen Zerstörung hätte sich die Einheimischen mit bemerkenswertem Einsatz an den Wiederaufbau ihrer Häuser und Hütten gemacht, betonte Laarsen. „Vor unserer Rückreise am vergangenen Freitag konnte ich die großen Fortschritte sehen, die sie in einer Woche gemacht haben.“ Man habe gemerkt, dass alle von der Hoffnung „Das Leben geht weiter.“ angetrieben würden.

Bernd Laarsen (56) ist hauptberuflich Hausmeister im Jugendfeuerwehrzentrum in Rendsburg. Als Feuerwehrmann und Rettungshundeführer ist er ehrenamtlich tätig. Die Hilfsaktion in Palo, bei der durch zwei medizinische Teams insgesamt 2400 Patienten behandelt wurden, hat die Organisation „I.S.A.R.“ koordiniert, ein Zusammenschluss von Rettungsspezialisten aus Feuerwehren, Hilfsorganisationen und dem Bundesverband für das Rettungshundewesen (BRH).

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