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Tabakernte : Zufrieden mit der Tabakernte in diesem Jahr

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Familie Horns in Nindorf führt einen der letzten Tabakbauernhöfe. Vor Jahren gab es in Schleswig-Holstein 30 Betriebe, die Tabak anbauten, heute sind es nur noch vier. Ein Problem sind die hohen Energiekosten, an anderes die notwendige Handarbeit.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Bei der Tabakernte in Nindorf hat der Endspurt begonnen. Der große Arbeitsaufwand und steigende Energiepreise haben dazu geführt, dass es in ganz Schleswig-Holstein nur noch vier Tabakanbaubetriebe gibt. Familie Horns in Nindorf hat den Strukturwandel überstanden und sogar in drei neue Trocknungsöfen investiert und die Anbaufläche auf 17 Hektar erweitert, um sich den Tabak auch in Zukunft als Standbein ihres landwirtschaftlichen Betriebs zu erhalten.

„Wir sind etwas spät dran mit der Ernte“, meint Kerstin Horns, „normalerweise beginnen wir direkt nach den Eisheiligen mit dem Anpflanzen, aber dieses Jahr war es so nass und so kalt, dass wir erst am 28. Mai starten konnten, und seitdem hinken wir gut zehn Tage hinterher.“ Tabakanbau und -ernte sind sehr arbeitsintensiv. „Tabak wir mit der Hand angepflanzt, gehackt, gepflückt und sortiert“, erklärt Kerstin Horns. Ein Hektar Tabak erfordert vom Anbau bis zur Ernte 400 bis 600 Arbeitsstunden.

Seit 1954 ist der Tabakanbau eins der wirtschaftlichen Standbeine des Hofes Horns (neben Schweinezucht, Getreide und Zuckerrüben). „Damals gab es in der näheren Umgebung insgesamt zwölf Tabakbauern“, weiß Kerstin Horns Schwiegervater Uwe Horns noch, „in ganz Schleswig-Holstein waren es 30.“ Landesweit gibt es jetzt nur noch vier Tabakanbaubetriebe, bundesweit rund 100 (von einstmals 5000 in den 1980er Jahren). „Gerade in den letzten drei Jahren ist die Zahl der Tabakbauern rapide gesunken“, berichtet Kerstin Horns, „ein Riesenthema dabei sind die gestiegenen Energiekosten, denn Tabak braucht unheimlich viel Energie.“

In den vergangenen drei Jahren ging der Tabak aus Nindorf über einen Aufkäufer nach Ägypten, wo er für die Produktion von Wasserpfeifentabak genutzt wurde. „Wegen unseres gemäßigten Klimas haben wir bei uns einen sehr milden Tabak mit wenig Teer und Nikotin, der sich für Wasserpfeifen besonders gut eignet“, erläutert Kerstin Horns. Die politischen Unruhen in Ägypten wirkten sich indes auch auf den Tabakabsatz aus, der Aufkäufer blieb auf seinen Lagerbeständen sitzen, und so musste sich die Familie Horns einen neuen Geschäftspartner suchen. Eine Situation, in der man die Rentabilität des Tabakanbaus noch einmal grundlegend überdacht habe, so Kerstin Horns: „Aber so richtig trennen können wir uns vom Tabak nicht.“ Der Tabak aus Nindorf geht in diesem Jahr an die „Alliance One Rotag AG“ nach Karlsruhe, wo der Tabak verarbeitungsfertig gemacht und weiterverkauft wird. In den Zigaretten welcher Marke der eigene Tabak landet, wissen die Nindorfer nicht. „Jeder Zigarettenkonzern hat ja seine eigene Mischung aus 30 bis 40 Tabaksorten“, vermerkt Kerstin Horns. „Was mir machen, ist Füll- oder Strecktabak“, ergänzt Uwe Horns.

Die verzögerte Tabakernte, die erst Ende Juli begonnen hat, soll in ein paar Tagen abgeschlossen sein. Eine fast 50 Jahre alte Erntemaschine Marke Eigenbau hat sich auch diesmal wieder als Gefährt für die Erntehelfer bewährt. Die gepflückten Tabakblätter kommen in spezielle Trocknungsöfen, wo sie eine Woche verbringen, bis sie die gewünschte elastische Konsistenz haben. „Die Qualität war dieses Jahr sehr gut“, meint Kerstin Horns und zieht eine positive Saisonbilanz: „Wir haben ein relativ gutes Tabakjahr hinter uns, mit dem wir ganz zufrieden sein können.“

 

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