Hof in Osterrönfeld : Züchterin verärgert: Keiner holte die tote Stute ab

Züchterin Petra Fröchtling-Eggers sitzt an der Stelle, an der die zwölfjährige Stute „Wayomie“ eingeschläfert wurde und zeigt auf ihrem Tablet-Computer ein Foto des Pferdes.
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Züchterin Petra Fröchtling-Eggers sitzt an der Stelle, an der die zwölfjährige Stute „Wayomie“ eingeschläfert wurde und zeigt auf ihrem Tablet-Computer ein Foto des Pferdes.

Weil der Entsorger am Wochenende nicht arbeitet, blieb der Kadaver zweieinhalb Tage bei bis zu 30 Grad liegen.

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30. Mai 2018, 09:40 Uhr

Osterrönfeld | Eine Wolke beißenden Gestanks hing am Wochenende über dem Gestüt Auhof in Osterrönfeld. Neben der Auffahrt lag unter einer Plane ein totes Pferd und verweste zweieinhalb Tage bei Temperaturen von bis zu mehr als 30 Grad. Der Kadaver zog unzählige Maden, Käfer und Fliegen an. Normalerweise holt eine Spezialfirma im Auftrag des Landes Tierkörper innerhalb von Stunden ab. Das Problem: Das Unternehmen arbeitet nicht am Wochenende.

Die zwölfjährige Holsteiner Zuchtstute „Wayomie“ hatte am Freitag Koliken. „Sie legte sich hin, stand wieder auf, immer wieder“, berichtete Züchterin Petra Fröchtling-Eggers. Zwischen 14 und 23.30 Uhr rief sie viermal den Tierarzt. Als klar war, dass die Stute nicht zu retten ist, führte Ehemann Bernd Eggers das Pferd aus dem Stall neben das Grundstückstor. Dort schläferte der Tierarzt es um 23.45 Uhr ein.

Um Mitternacht rief Petra Fröchtling-Eggers die Hotline des Entsorgers an, die täglich rund um die Uhr erreichbar ist. Die 58-Jährige wusste: Wenn ein Kadaver bis 4 Uhr angemeldet wird, holt die Firma ihn im Laufe des Tages ab. Am Telefon erfuhr sie: Das gilt nicht am Wochenende. Bernd Eggers deckte die sterblichen Überreste mit Wolldecken, später mit einer Plane ab. Stündlich besprühte er sie mit Wasser. Aufgrund von Gärungsprozessen schwoll der tote Körper aber an. Am Sonnabend und Sonntag stach der Tierarzt in den Darm des Pferdes, um Gase abzulassen. „Sonst platzt es“, so die Züchterin.

Der Gestank sei unerträglich gewesen. Die Gestüts-Chefin hat Boxen vermietet. Etliche Kunden mussten an dem Kadaver vorbeigehen, teils mit Kindern. Zwei Freundinnen übergaben sich fast. Die Erlösung kam am Montag: Gegen 13.45 Uhr fuhr ein Lkw vor. Per Kran wurde der Kadaver in einen Container geladen.

Bei anhaltender Hitze haben viele Landwirte damit zu kämpfen, dass tote Tiere am Wochenende nicht abgeholt werden. „Ich weiß, dass es regelmäßig vorkommt“, sagt Manuela Freitag, Leiterin der Kreisveterinäraufsicht.

Das Land nahm den Kreisen zum 1. Januar 2015 die Aufgabe der Tierkörper-Entsorgung ab und beauftragte damit eine Spezialfirma. Während sie auf ihrer Internetseite einen Abtransport nur von montags bis freitags zusagt, teilte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums mit, dass Tierkörper bei Bedarf auch am Wochenende abgeholt werden.

„Derzeit finden Gespräche mit der Firma statt, um die Abholfrequenz von Tierkörpern bei dieser Witterung zu verkürzen. Es wird sich um eine schnelle Lösung bemüht.“ Das Unternehmen verlangt von den Haltern zudem, Hufeisen „unbedingt“ abzumontieren. Das ist laut Ministeriumssprecher wünschenswert, aber nicht zwingend.

Die Entsorgung wird aus einem Tierseuchenfonds finanziert, in den Halter von Rindern, Schweinen, Pferden, Schafen, Ziegen und Geflügel einzahlen müssen: pro Pferd fünf Euro im Jahr.

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