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Landeszeitung

22. August 2017 | 04:14 Uhr

Zu viel Mais: Grundwasser in Gefahr?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die gute Ernte könnte Silo-Kapazitäten im Kreis überfordern und die Umweltbehörde warnt vor Sickersäften bei falscher Lagerung der Silage.

Die Wasserbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde warnt: Die gute Mais-Ernte in diesem Jahr kann eine Gefahr für das Grundwasser darstellen. Denn wenn nicht genügend Siloplatten für die Lagerung großer Mengen Mais-Silage zur Verfügung stehen, könnten Gärsäfte in den Boden sickern.

Noch steht der Mais zwar auf den Feldern, doch die Mitarbeiter der Wasserbehörde rechnen mit einer umfangreicheren Ernte als in den vergangenen Jahren. Weil die Siloplatten auf den Bauernhöfen und an den Biogasanlagen im Kreis immer gut gefüllt waren, befürchten sie nun, dass der Platz in dieser Erntesaison nicht ausreicht.

„Wir haben die Verpflichtung, die Landwirte in Sachen Gewässerschutz zu beraten“, sagt Susanne Mieth von der Wasserbehörde. Silage müsse ihr zufolge so gelagert werden, dass Sickersäfte aufgefangen werden, damit sie nicht den Boden verunreinigen. Denn wenn diese Säfte etwa aus einer ungeschützten Silage austreten, werde der Untergrund konzentriert belastet. Auf Dauer sättige er sich auf diese Weise und verliere seine Filterkapazität, so dass die Sickersäfte bis ins Grundwasser gelangen können. „Wir haben ohnehin einen hohen Nitratgehalt im Grundwasser, das Problem würden Sickersäfte noch weiter verstärken“, sagte Susanne Mieth.

Der Leiter der Umweltbehörde des Kreises, Michael Wittl, fügte hinzu: „Wir gehen davon aus, dass jeder Landwirt seine Silage so anlegt, dass keine Verunreinigung stattfindet.“ Vor diesem Hintergrund gibt die Verwaltung Empfehlungen, falls die Lagerkapazitäten auf befestigten Siloplatten nicht reichen. Laut Susanne Mieth sei die erste und beste Lösung die Nachbarschaftshilfe unter Landwirten – etwa freie Siloflächen auf weniger oder gar nicht mehr genutzten Höfen. Wenn es sich um Gras-Silage oder Mais mit hoher Trockensubstanz handele, also weniger Sickerwässer zu erwarten seien, könne das Material auch an der höchstmöglichen Stelle des Hofes abgelegt werden. „Möglichst weit vom Grundwasser entfernt“, so Mieth. Voraussetzung sei, dass der Boden an der Stelle bewachsen sei und dass dort im Jahr zuvor keine Silage gelagert wurde. Als dritte Variante nannte sie die Verwendung von Schlauchsilos, in die die Silage wie in eine riesige, auf der Seite liegende Plastiktüte gefüllt wird. Dabei müsse aber gewährleistet sein, dass die Gärflüssigkeiten kontrolliert aufgefangen und gesammelt werden. Sollte es Probleme vor Ort geben, müsse umgehend Kontakt zur Umweltbehörde aufgenommen werden, sagte Michael Wittl. „Wir finden zusammen die umweltverträglichste Lösung.“

Kreisbauernpräsident Klaus-Peter Lucht hat kein Verständnis für die Warnungen. „Das wird eine ganz normale Mais-Ernte“, sagte er auf Nachfrage der Landeszeitung. Die Pflanzen sind ihm zufolge durchaus größer in diesem Jahr. Doch dafür seien sie dünner und die Kolben kleiner. Das liege daran, dass der Mais durch das verhältnismäßig kalte Frühjahr erst spät einen Wachstumsschub erhalten habe. Er erwarte einen Ertrag von durchschnittlich 40 Tonnen pro Hektar. Alle Vorschläge der Verwaltung seien Standard unter Landwirten. Der Mais werde etwa ab dem 20. Oktober eingefahren.

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erstellt am 07.Okt.2015 | 13:54 Uhr

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