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Landeszeitung

17. Dezember 2017 | 04:06 Uhr

Zu viel Ballermann beim „Herbst“?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Bürger übt Kritik am Veranstalter des Stadtfestes: „Am Disco-Tower wurden Lieder gespielt, die zum exzessiven Trinken animiert haben“

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 18:43 Uhr

Vorwürfe gegen RD-Marketing, den Veranstalter des Rendsburger Herbstes: Ein Bürger lastet dem Verein an, bei der Planung des Stadtfestes (28. bis 31. August) zu wenig auf den Jugendschutz geachtet zu haben. In der Ratsversammlung gestern Abend machte der Sozialpädagoge Alexander Luttmann seinem Ärger Luft. Beim Disco-Tower auf dem Paradeplatz seien am Sonnabend, 30. August, zahlreiche Ballermann-Lieder gespielt worden, die die Jugendlichen zum exzessiven Trinken animiert haben sollen. Und das zu einer Stunde, als laut Luttmann noch viele Kinder auf dem Stadtfest unterwegs gewesen seien.

Die am Tower gespielten Songtexte seien alles andere als kindgerecht, so der Sozialpädagoge. Darin heißt es nach seinen Angaben zum Beispiel: „Nach ein paar Litern tanz ich zur Musik, weil ich da oft was zum Knutschen krieg“ – „Jeden Tag Pommes, Bratwurst und Bier, man ist kein Mensch mehr, lebt wie ein Tier“ oder: „Kenn nicht deinen Namen, scheißegal, besoffen. Ich weiß leider nicht mehr, wie du aussiehst, scheißegal, besoffen.“ Einziges Ziel dieser Lieder sei es, die Jugendlichen zum Trinken zu bewegen, so Luttmann.

Viele junge Besucher des Stadtfestes seien zu diesem Zeitpunkt betrunken gewesen, aus dem Krankenhaus habe Luttmann außerdem gehört, dass in der Nacht sieben Kinder mit 1,5 bis 2,5 Promille Atemalkoholwert in die Imland-Klinik eingeliefert wurden. Ein Kliniksprecher war am Abend zur Bestätigung dieser Zahlen nicht zu erreichen.

Luttmann hatte Anfang September einen Brief an Bürgermeister Pierre Gilgenast verfasst, in dem er auf die angeblichen Missstände aufmerksam machte. Er wollte außerdem wissen, wie das Jugendschutzkonzept für den Rendsburger Herbst aussehe, ob Taschen kontrolliert würden, das Jugendamt eingebunden werde und vor allem welche Maßnahmen zum Schutz der Jugendlichen im kommenden Jahr ergriffen werden sollen. Die Antwort, die er nach acht Tagen erhielt, war „alles andere als befriedigend“, so Luttmann. Gilgenast habe nach einer kurzen Bestätigung der engen Zusammenarbeit mit Polizei, Ordnungsbehörde und Streetworkern ans RD-Marketing verwiesen. Sie seien die Veranstalter des „Herbstes“, nicht die Stadt. Ähnlich reagierte Stadtpräsidentin Karin Wiemer-Hinz, nachdem Luttmann in der Einwohnerfragestunde das Wort erhoben hatte. Sie erwähnte das Schreiben des Bürgermeisters und sagte ebenfalls, RD-Marketing sei zuständig.

Anke Samson, Geschäftsführerin von RD-Marketing, wies die Vorwürfe gestern Abend von sich. Zum „Power Tower“ auf dem Paradeplatz gehöre ein Konzept, das mit Sozialpädagogen, Streetworkern und der Ordnungsbehörde ausgearbeitet worden sei. „Ziel ist es, den Jugendlichen einen Punkt auf dem Stadtfest zu geben, der ihrer ist.“ Aufgabe der von RD-Marketing beauftragten Discjockeys sei es, Stimmung zu machen und „altersgemäße Lieder“ zu spielen. Welche Titel gespielt wurden, sei ihr nicht bekannt, so Samson.

Die Geschäftsführerin betonte, dass man als Veranstalter die Standbetreiber auf dem Stadtfest dazu verpflichte, keinen Alkohol an Jugendliche auszuschenken. „Das Problem ist, dass viele Jugendliche den Alkohol von zu Hause mitbringen.“ Im Übrigen sei das zurückliegende Stadtfest aus Sicht der Polizei „der ruhigste ,Herbst‘ ever“ gewesen, so Samson. Dennoch arbeite man für 2015 an einem neuen Sicherheitskonzept. „Wir werden ein Gespräch mit den Ordnungsbehörden führen und auch Herrn Luttmann einladen“, versprach sie.

Der Kritiker nannte die Reaktion in der Ratsversammlung „unbefriedigend“. Ihm gehe es nicht darum, einen Schuldigen zu finden, sondern darum, dass im nächsten Jahr mehr zum Schutz der Jugendlichen getan werde.

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