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Rendsburg : Zorn über Kahlschlag am Tanneck

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Anwohner werfen neuem Grundstückseigentümer mangelnde Rücksicht auf Tier- und Pflanzenwelt im Schutzgebiet an der Eider vor.

Traurig blickt Monika Dittmer auf das Gelände vor ihrem Haus in der Straße Tanneck im Stadtteil Hoheluft. Früher standen hier einmal sehr alte Apfelbäume, man konnte Quitten ernten, Kinder haben wenige Meter neben dem Ufer der Eider gespielt. Doch von alldem ist seit einigen Tagen nichts mehr zu sehen. Die Bäume sind weg, der Boden aufgewühlt. Denn das idyllisch gelegene Grundstück hat einen neuen Besitzer – und der möchte die Fläche neu gestalten. Darüber zeigen sich die Anwohner verärgert. Der neue Eigentümer nehme keine Rücksicht auf das Landschaftsschutzgebiet und baue zu hohe Zäune an den Grundstücksgrenzen der Alt-Anlieger, kritisieren diese.

Was derzeit mit dem 3000 Quadratmeter großen Areal passiert, kommt für die drei Anwohner nicht überraschend. Denn der Streit um die Grünfläche hat eine Vorgeschichte. Bereits im März vergangenen Jahres machten die Tanneck-Anwohner ihrem Unmut Luft. Sie fühlten sich um ihr Vorverkaufsrecht gebracht, als die Stadt das Gelände an einen Neu-Bürger verkauft hatte. Vor Gericht wollten sie versuchen, den Kaufvertrag rückgängig zu machen. Denn die Nachbarn waren zuvor jahrelang Pächter der Fläche und hatten ihr Interesse am Grundstückskauf mehrfach bekundet, so Anwohnerin Monika Dittmer. Obwohl Rathaus-Mitarbeiter ihr gesagt hätten, dass man im Falle eines Verkaufs zuerst auf die Bewohner zugehen würde, bekam ein anderer den Zuschlag. Die mündliche Zusage hatte nicht ausgereicht, in den Unterlagen konnte die Verwaltung nichts finden, was ein Vorverkaufsrecht bestätigt hätte.

Den Klageweg wollen die Anlieger inzwischen nicht mehr bestreiten, das sei mit zu hohen Kosten verbunden, so Dittmer. Aber dass der neue Eigentümer nach Ansicht der Anlieger nur wenig Rücksicht auf die Pflanzen- und Tierwelt nimmt, verärgert sie. Tanneck-Anwohner Dennis Ellersiek erzählt, dass jemand vom Naturschutzbund (Nabu) kommen wollte, um zu prüfen, inwieweit auf Tiere Rücksicht genommen werden müsse. „Wir hatten hier immer viele Kröten- und Fischarten. Doch jetzt ist es schon zu spät. Es steht ja fast nichts mehr“, sagt er. Der neue Eigentümer, der namentlich nicht genannt werden möchte, kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Er habe das Gelände schließlich rechtmäßig erworben. Und dass es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handele, sei ihm bewusst. „Wir haben die Fläche sehr sensibel behandelt, mit der Naturschutzbehörde ist alles abgesprochen“, sagte er auf Anfrage. Dabei wurden neue Pflanzungen festgelegt, Sträucher und Bäume sollen auch in Zukunft wieder auf dem Gelände blühen. Wege oder andere bauliche Maßnahme plane er nicht. „Es soll der Natur zurückgegeben und eine Augenweide werden. Es ist ein Gewinn für die angrenzenden Häuser.“

Der zweite Aufreger aus Sicht der Alt-Anlieger sind aus Holz gezimmerte Zäune. „Die sind teilweise weit über 1,20    Meter hoch. Das ist laut Nachbarschaftsgesetz nicht erlaubt“, sagt Monika Dittmer, die selber Juristin ist. Sie hat bereits eine einstweilige Verfügung erwirkt, damit nicht auch noch an ihrem Grundstück ein zu hoher Zaun errichtet wird. Die Pfeiler stehen allerdings schon drin, das konnte sie nicht mehr rechtzeitig verhindern. Jetzt verlangt sie vom neuen Eigentümer, dass er die Holzpflöcke wieder entfernt.

Auch diesen zweiten Vorwurf weist der neue, ungeliebte Nachbar von sich. Es handele sich bei den Zäunen um vorübergehende Abgrenzungen. „Die Planungen für den endgültigen Zaun gibt es noch nicht.“


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erstellt am 17.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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