Sanierung : Zitterpartie endet nach 14 Jahren

Die Orgelemporen-Brüstung und das Epitaph (rechts im Bild) sind unter anderem restauriert worden. Gestern zogen Birgid Löffler-Dreyer (Landesamt für Denkmalpflege), die Restauratoren Birgit Linnhoff und Uta Lemaitre sowie Pastor Rainer Karstens Bilanz.
Die Orgelemporen-Brüstung und das Epitaph (rechts im Bild) sind unter anderem restauriert worden. Gestern zogen Birgid Löffler-Dreyer (Landesamt für Denkmalpflege), die Restauratoren Birgit Linnhoff und Uta Lemaitre sowie Pastor Rainer Karstens Bilanz.

Innenausstattung der St.-Marien-Kirche für 330 000 Euro restauriert. Bauprojekt stand immer wieder auf der Kippe.

shz.de von
21. Mai 2018, 11:05 Uhr

Rendsburg | Leere Taschen und eine Kostenschätzung von 200 000 Euro: 2003 standen die Bedingungen für eine Sanierung in der Rendsburger Marienkirche schlecht. Trotzdem wagte die Kirchengemeinde damals den Schritt und ließ die Innenausstattung des Gotteshauses sanieren. 14 Jahre später erstrahlt das Innere im neuen Glanz. Gestern wurde die Restaurierung im Rahmen eines Festempfangs offiziell beendet.

In den Jahren 2004 bis 2017 wurden 17 Epitaphien (Gedächtnistafeln) sowie der Altar und der Passions-Zyklus an der Orgelemporen-Brüstung restauriert. Außerdem wurden zwei Steinreliefs an der Außenfassade vor weiterem Zerfall bewahrt.

Finanziell ermöglicht wurde das Projekt durch das Land Schleswig–Holstein, das Landesamt für Denkmalpflege, die Landeskirche, zwei Stiftungen und zahlreiche Einzelspenden. Die Kirchengemeinde steuerte selbst etwa ein Viertel der Kosten bei.

„Das hat sehr viel Kraft und Mühe gekostet“, sagte Pastor Rainer Karstens im Rückblick. „Es konnte sich keiner vorstellen, dass das Projekt realisiert wird.“ Grund für die Zitterpartie war eine zurückliegende Sanierung des Dachstuhls: Alle Rücklagen der Kirchengemeinde waren dadurch aufgebraucht. Trotzdem entschieden sich die Mitglieder für eine Sanierung der Innenausstattung. „Wir haben das Projekt in ganz kleinen Schritten gemacht. Mal wurden 2000 Euro, 3000 Euro oder 5000 Euro investiert“, begründet Pastor Rainer Karstens die lange Laufzeit, während der das Vorhaben oft als gefährdet galt. „Immer wenn es so aussah, als müsse das Projekt beendet werden, weil die Mittel ausgingen, fanden sich weitere Förderer.“

Während des gestrigen Festakts gab Restauratorin Birgit Linnhoff Einblicke in die Restaurierung. „Wir haben die Bilder und Reliefs von Staub- und Schmutzschichten befreit und vergilbte Überzüge entfernt.“ Sie lobte das Engagement der Beteiligten und zeigte sich hinsichtlich künftiger Renovierungsarbeiten optimistisch. „Dank eines Wartungsvertrags ist es möglich, die Ausstattung regelmäßig zu sichten.“ So können frühzeitig Schäden erkannt und zeitnah behoben werden.

Zu den geladenen Gästen zählte auch Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast. Er machte sich ein Bild vom Ergebnis: „Die Arbeit hat dem Haus richtig gut getan. Das ist für alle ein großer Gewinn.“

Bedeutung Epitaphien

Epitaphien (Gedächtnistafeln) des 16. und 17. Jahrhunderts sind nicht nur zum Gedächtnis Verstorbener (manchmal schon vor deren Tod) geschaffen, sondern von den Familien auch bewusst zur Zierde der Kirchen und zur Erbauung der Gemeinde bestimmt. Der Verstorbene und seine Familie treten auf den Gedächtnistafeln in den Hintergrund und sind, wenn überhaupt, meist nur als anbetende Randfiguren zu sehen. Als Andachtsbilder und als Kunstwerke spielen die Epitaphien eine wichtige Rolle im evangelischen Kirchenraum.

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