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Landeszeitung

18. Oktober 2017 | 23:23 Uhr

Zeugen des schlimmsten Verbrechens

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gedenken an Auschwitz / Theater zeigte Film „Shoah“

Wieder einmal setzte das Kommunale Kino der Stadt Rendsburg mit dem Landestheater ein bemerkenswertes Kultur-Signal: Gezeigt wurde im Großen Haus auf der riesigen Leinwand das Zehn-Stunden Epos „Shoah“ (hebräisch für Abgrund, Vernichtung, Dunkelheit, große Katastrophe, Unheil, Untergang) des französischen Filmemachers Claude Lanzmann. Überlebende des Holocaust berichten darin aus ihrem Leben. „Nicht aus der Sicht von Überlebenden, sondern derer, die dem Tod entronnen sind“, wie der Filmwissenschaftler Dr. Christoph Hesse in seiner Einleitung erklärte.

„Ein angemessener Beitrag zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee“, führte Generalintendant Peter Grisebach in diesen Kinotag des Theaters ein.

Komfortable zehn Stunden im bequemen Theatersessel, geheizt, zwischendurch mit Verpflegungspause. Eine lange Zeit, viele Stunden. Und den-noch nichts im Vergleich zu zehn Stunden im Leben jüdischer Menschen voller Leid, Entbehrungen, Ungewissheit im Viehwaggon auf dem Transport zu ungewissem Ort in eine ebensolche „Zukunft“. Zeitzeugen erinnerten sich im Detail vor der Kamera. Die Worte weckten Erinnerungen bei den Zuschauern an die mehrfach gesehenen Bilder von Massengräbern, Gaskammern, erniedrigten und geschundenen Menschen. Solche zeigte der Film nicht. Dennoch entstand eine Identifikation mit den Opfern. Geschildert wurde unter anderem der Weg von der Auslade-„Rampe“ in Auschwitz durch den Korridor zu dem Krematoriumshügel mit den Verbrennungsöfen. So vollzog man unwillkürlich nach, welchem Hass, perfiden Demütigungen und tödlichen Bedrohungen die aus ganz Europa herangekarrten Juden durch Hitlers Nazi-Helfer ausgesetzt waren. Überlebt haben diese Torturen nur wenige.

Der Film zeigt in Großaufnahmen die Zeitzeugen in Originalsprache, teils mit Übersetzungen und Untertiteln. Dazu Original-Schauplätze in den Jahren um 1973 bis 1985: Viele sind meist nur noch als Grundmauern erhalten. Spuren der Vergangenheit sollten durch Anpflanzungen von Bäumen verwischt werden. So erscheinen die Terror-Orte von damals heute als friedliches Wäldchen, in dem niemand Schreckliches vermuten würde.

„Das war furchtbar, das kann man nicht erzählen, keiner kann das verstehen. 2000 Juden wurden hier an einem Tag umgebracht“, erzählt ein Überlebender. „Seltsam die Deutschen. Sie brachten Menschen um und ich musste singen!“ Schreie, Schüsse, Hundegebell: So wandelte sich ein friedlicher Wald zur unheimlichen und angsterfüllten Kulisse.

Tiefster Hass und Missachtung begegneten den Juden damals. Sie wurden angeschrien, bis zur Erschöpfung angetrieben und gezwungen, mit bloßen Händen Gräber zu öffnen und Leichen – dabei sogar Mitglieder ihrer eigenen Familie – zu bergen. Sie wurden gedemütigt, auch kaltblütig erschos-sen. So groß waren perfide ausgedachte Qualen, dass einige freiwillig aus diesem Leben schieden, sich erhängten oder vergifteten.

Harald Jockenhövel vom Kommunalen Kino war außerordentlich positiv überrascht über das große Interesse an diesem Film, der nur selten in voller Länge gezeigt wird. Schon zum ersten Teil um 11    Uhr am Vormittag waren 130 Karten verkauft, für die folgenden Vorstellungen hatten sich weitere Besucher angekündigt.



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