Rendsburg : Zentrum für Energie und Täuschung?

Das ehemalige Zentrum für Energie und Technik und das Zeutec-Schild (oben). Foto: höf
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Das ehemalige Zentrum für Energie und Technik und das Zeutec-Schild (oben). Foto: höf

ZET im Zwielicht: Ein Unternehmen blieb offenbar länger als erlaubt zu vergünstigten Konditionen Mieter in dem ehemaligen Gründerzentrum

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27. Februar 2012, 11:00 Uhr

Rendsburg | Die Zeit der Gründerzentren sei vorbei - das war im vergangenen Jahr die Begründung der Stadt Rendsburg, sich vom Zentrum für Energie und Technik (ZET) zu trennen. Jetzt sieht man sich im Rathaus unverhofft bestätigt - durch einen zwielichtigen Vorgang, der den Kreis, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG), die Investitionsbank und möglicherweise bald auch die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Im Kern geht es um den Verdacht, dass subventionierte Mieten missbraucht wurden, um mindestens ein Unternehmen länger als die erlaubten acht Jahre in dem nur für junge Firmen gedachten Zentrum zu halten. Die Investitionsbank Schleswig-Holstein als vom Land beauftragter Geldgeber und Aufsichtsbehörde wurde dabei womöglich bewusst umgangen.

Im Fokus steht die Zeutec Opto-Elektronik GmbH, die seit 1997 auf dem Gebiet der optoelektronischen Messtechnik tätig ist. Das Unternehmen produziert unter anderem Geräte für die Routineanalyse in der Chemie, Futtermittel- und Lebensmittelindustrie. Vor zwei Jahren soll sie eine Firma namens Marine One ausgegliedert haben, um auf diesem Weg weiter in den Genuss vergünstigter Mieten zu kommen. Das Firmenlogo von Marine One prangt bis heute - zusammen mit Zeutec - auf einer Hinweistafel am ehemaligen ZET. Eigentümer des Gebäudes ist inzwischen die Getreide AG. Bis zum Auslaufen ihrer Mietverträge sind weiterhin mehrere Start-up-Unternehmen an der Kieler Straße ansässig.

Dr. Gerald Gehrtz, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die für Vermietung und Betrieb im ZET zuständig war, versteht die Aufregung nicht. "Haben wir denn keine anderen Sorgen? Es ist doch niemandem ein wirtschaftlicher Schaden entstanden", sagte er der Landeszeitung. Gehrtz bestätigte, dass das Unternehmen nach Ablauf der regulären acht Jahre Mietzeit seinen Namen geändert und einen neuen Vertrag erhalten habe. "Was sollten wir denn tun, um das hochdefizitäre Gebäude zu füllen? Wäre das Unternehmen gegangen, wäre eine Fläche von 450 Quadratmetern leer geblieben. Es hätte vier bis fünf Jahre gedauert, bis wir das aufgefangen hätten." Überhaupt sei das Vorgehen gängige Praxis: "Ich kenne Gründerzentren, in denen Firmen schon seit 15, 16 Jahren sitzen." Gehrtz ist überzeugt davon, dass die WFG zumindest sinngemäß nach den Richtlinien gehandelt habe. "Da war ein erfolgreiches Unternehmen, dessen Vertrag auslief - und niemand war in Sicht, der den Platz im Zentrum hätte einnehmen können. Was also sprach dagegen, das Unternehmen zu halten?"

Der WFG-Geschäftsführer bestätigte, dass sich inzwischen die Investitionsbank, die im Auftrag des Landes Fördermittel an Kommunen vergibt, mit der Angelegenheit beschäftigt. "Ich habe mit einem Referenten gesprochen, der sich jetzt noch mit seiner Rechtsabteilung abstimmen muss. Ich hoffe, dass in zwei Wochen eine Stellungnahme vorliegt."

Schon jetzt sieht sich der Geschäftsführer heftiger Kritik ausgesetzt. Andreas Breitner nannte die Vorgänge, sollten sie sich bestätigen, "kein Kavaliersdelikt". Rendsburgs Bürgermeister weiter: "Gründerzentren werden öffentlich gefördert, damit Existenzgründer kurzzeitig Unterstützung erfahren, um sich dann auf dem freien Markt zu bewähren. Es geht nicht darum, sie dauerhaft besser zu stellen und mit Steuermitteln zu subventionieren." Jedes nicht ausgegründete Unternehmen nehme wahren Existenzgründern den Platz weg. Breitner forderte "ein Höchstmaß an Aufklärung" und sah ausschließlich die WFG in der Verantwortung, auch was mögliche Fördermittelrückforderungen des Landes betrifft.

Am Montag kommt der WFG-Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammen. Der Vorsitzende dieses Gremiums, Landrat Rolf-Oliver Schwemer, bestätigte den Sachverhalt, die Angelegenheit werde derzeit geprüft. In Richtung Breitner versprach er: "Wenn Rückforderungen entstehen, dann werden wir sie der Stadt Rendsburg von der Hand halten."

Und auch das Wirtschaftsministerium in Kiel meldete sich zu Wort: "Die Investitionsbank wird den Vorgang im Hinblick auf die Landesförderung für das ZET überprüfen und in Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium über die notwendigen Maßnahmen entscheiden", sagte Sprecher Harald Haase. "Es wird insbesondere zu klären sein, ob sich aus dem Verhalten der ZET-Geschäftsführung Rückforderungsansprüche ergeben."

Die Zeutec-Geschäftsführung befand sich nach Auskunft eines Mitarbeiters gestern im Ausland und war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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