zur Navigation springen

Projekt : Zeitzeugin hilft bei Spurensuche

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Krieg ist nicht an einem Tag vorbei“: Diesen Titel trägt ein Schulprojekt in Hanerau-Hademarschen. Die Schüler der Klasse 10 c forschen zu den Folgen von Krieg und Gewalt.

Als die 81-jährige Annegrete Nyffenegger den Schülern der Klasse 10c von ihrer Kinderzeit während der Kriegsjahre in Schafstedt und ihren Erinnerungen an das Hilfskrankenhaus erzählt, ist es mucksmäuschenstill in der Mensa der Theodor-Storm-Dörfergemeinschaftsschule in Hanerau-Hademarschen. Die Erinnerungen an Versehrte, Flüchtlinge, Zwangsarbeiter, hungernde Soldaten und bettelnde jüdische Frauen, aber auch die Erinnerungen an ihren Vater, dem einzigen Bäcker im Ort, der für jeden ein Stück Brot übrig hatte und erst das Lager und später das Krankenhaus mit Brot belieferte, lassen Tränen in ihr aufsteigen.

Für einen kurzen bewegenden Moment versagt ihr die Stimme. „Das waren keine schönen Kinderjahre“, erzählt sie. An Details zu dem Arbeiterlager der Wasserstraßendirektion Kiel in Schafstedt/Bornholt, das für den Bau eines Tanklagers errichtet wurde und das 1943 in ein Ausweich-, bzw. Hilfskrankenhaus der Stadt Kiel für „Kieler Zivilisten“ umgewandelt wurde, kann sich die 81-Jährige kaum mehr erinnern. Nur an die bedrückende und oft auch bedrohliche Atmosphäre, an den Hunger und das Elend der Menschen auf dem Lagergelände: „Wir durften ja nicht fragen und nichts wissen. Und wenn, durften wir nichts erzählen, sonst hätten sie uns abgeholt“, erzählt sie den Schülern der Klasse 10c, die aufmerksam zuhören. Sie hatten die Albersdorferin als eine von drei Zeitzeugen eingeladen, um für ihr Schulprojekt „Krieg ist nicht an einem Tag vorbei“ unter anderem mehr über das Hilfskrankenhaus zu erfahren.

Flüchtlinge, Zwangsarbeiter und Gefallene in und um Hademarschen, sowie Kriegs- und Nachkriegserlebnisse der eigenen Familien, sind weitere Themen, die die Schüler derzeit im Rahmen des Projektes bearbeiten. „Die erste Spurensuche ist abgeschlossen, nun sind wir dabei, die gesammelten Daten einzuordnen und erste Resultate zusammenzutragen“, erklärt Lehrerin Silke Wasmund, die das Projekt leitet. Das sei viel Arbeit, aber die Schüler seien mit Eifer dabei. Selbst in den Ferien seien einige mit nach Kiel in das Stadtarchiv gefahren, um dort die Suche fortzuführen.

Auf das Schafstedter Krankenhaus sowie Auffälligkeiten bei den Sterbefällen sei man erst durch das Sichten von Auszügen aus dem Kirchenamtsregister, die Pastorin Diana Krückmann den Schülern für ihre Spurensuche zur Verfügung gestellt hatte, gestoßen. „Viele der Fälle, die aus Kiel kamen, wurden in Hademarschen auf dem Friedhof beerdigt. Uns beschäftigen die Fragen, warum so viele Kieler auf dem Hademarscher Friedhof begraben sind und warum überhaupt dort?. Wir wollen versuchen, die Kriegsopfer aus den verzeichneten Sterbefällen herauszufinden und sie namentlich zu benennen.“ Ziel solle es sein, „ihnen wieder einen Gedenkort auf dem Hademarscher Friedhof zu widmen, als Mahnung für den Frieden, denn die Kriegsgräber sind dort nicht mehr sichtbar.“

Erste Ergebnisse werden die Schüler zum Volkstrauertag in der Gedenkfeier am Ehrenmal auf dem Hademarscher Friedhof präsentieren. Das Projekt selbst endet im März 2015. Eine Fotodokumentation der Ausstellung reicht die Klasse als Beitrag beim landesweiten Schulwettbewerb „Krieg ist nicht an einem Tag vorbei“ des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge des Landesverbands Schleswig-Holstein ein.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 04.Nov.2014 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen